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Heute schon gelesen?

Von Karl-Otto Scholz | Mittwoch, 4. Juni 2008

Die Bibel1. Mose 1-11

Hauptperson ist

Gott, der “HERR” des Gartens Eden, Schöpfer von Welt und Geschichte

Thema ist

die philosophische Grundfrage, von woher alles kommt und sich versteht

Grundgedanke ist

dass am Anfang von allem ein guter Anfang gesetzt ist und sich der Mensch, sobald er die Bühne der Weltgeschichte betritt, in der Frage nach Gut und Böse verheddert und dafür lebenslange Mühsal erntet

Bedeutende Geschichten:

Gott schafft die Welt in 7 Takten (1. Mose 1) – Gott setzt die Menschen in das Paradies im Lande Irgendwo (1. Mose 2) – Die beiden ersten Menschen Adam und Eva überschreiten ihre Grenzen und verlieren das Paradies (1. Mose 3) – Die Kinder der ersten Menschen schlagen sich aus Neid die Köpfe ein (1. Mose 4) -Die Sintflut kommt und löscht fast alles Leben aus (1.Mose 7+8) – Nur Noah übersteht in seinem Schiff (Arche) die Katastrophe und besiedelt die Erde neu (1. Mose 9) -Die Nachkommen Noahs bauen den großen Turm, um Größe zu zeigen, werden aber in alle Winde zerstreut (1. Mose 11).

Unterhaltungswert beim Lesen: +++++ / Theologischer und kulturgeschichtlicher Gehalt:++++++ / Trostfaktor, Vorbildfunktion: +++ /Bedeutung im Rahmen der gesamten biblischen Überlieferung:+++++

Urteil:

Die ersten elf Kapitel der Bibel sollte man unbedingt gelesen haben. Darin wird mythologisch über die Verortung des Menschen im Kosmos berichtet. Die Frage, wie das Böse in die Welt kam, wird am Beispiel eines Urmenschenpaares (Adam und Eva) beantwortet. Dahinter werden uralte Diskussions- und Überlieferungsprozesse sichtbar, die weit in die vorbiblische Zeit reichen. Die „ersten Menschen im Paradies“, die „Arche Noahs“ (das Überlebensschiff) und der „Turm zu Babel“ sind sprichwörtlich geworden und Teil der jüdisch-europäischen Kulturtradition.

Wenn man kritisch sein will:

Die menschengemäßen Rhythmen (7-Tage-Woche/Leben von Sonnenaufgang bis -untergang) sind nicht auf die kosmische Genese übertragbar. Weltschöpfung vollzieht sich in Äonen und nicht in Tagen, das Leben ist Übergang vom Noch-Nicht zum Nicht-Mehr, irgendwo dazwischen die im Wandel begriffenen Arten des Lebens. Die Geschichte des Menschen ist quasi nur eine Szene im Blitzlicht, nur eine Sekundenaufnahme. Doch will die Bibel das bestreiten? Die Rhythmisierung der Urgeschichte hat etwas liturgisches an sich und der Mensch im Garten Eden quasi einen Bühnenauftritt. Die ersten Geschichten wollen nur verweisen – auf etwas hinter den Dingen liegendes.

Die Arche Noahs ist nicht gefunden worden – lokale Flutkatastrophen (schwarzes Meer) sind aber wissenschaftlich belegt. Die Mordlust des Menschen ist psychologisch und anthropologisch begründbar und braucht keinen Ur-Aufstand (Sündenfall Adams) gegen Gott als Motiv. Der Rachefeldzug Gottes in der Sintflut ist unhistorisch und theologisch spektakulär und malt einen Charakter Gottes, der schwer verstehbar und zugänglich ist. Die Sprachverwirrung in Babylon ist politische Polemik und die Turmzerstörung historisch anders abgelaufen. Allerdings: Erfunden ist er nicht – den Turm zu Babel hat es gegeben. Kritische Menschen können sich wohl mit der Logik der ersten Geschichten der Bibel nicht anfreunden und bezweifeln die historischen Fakten; aber selbst sie wird die Mächtigkeit der geäußerten Ideen und die Sprachgewalt beeindrucken.

copyright © by karl-otto scholz

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Kategorien: Allgemein

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