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Liebe in Zeiten der Matrix

Von Karl-Otto Scholz | Dienstag, 8. Juli 2008

Bei Trauungen wird manchmal aus dem Psalm 8 zitiert: “Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?” Ein wenig verloren müssen sich in diesem Augenblick Braut und Bräutigam vorkommen. Der Schritt, eine Kirche zu betreten – im weißen Kleid und schwarzen Anzug – ist doch eigentlich ein mutiger, offensiver Schritt. “Seht her, wir wollen uns zueinander bekennen. Wir sind glücklich und wollen es alle wissen lassen.” Sind da nicht zwei gekommen, um sich segnen zu lassen, weil sie sich lieben? Und dann hören sie von der überwältigenden Größe des Universums, in dem sie und ihre schöne Beziehung nur ein Sandkorn sind – eine vernachlässigbare Größe.

Was ist der Mensch – ein liebendes und zu liebendes Wesen. Diese Qualität macht ihn zum von Gott geliebten. Hier verschränken sich menschliche Liebe und göttliche Liebe, werden eins, bestimmen den Sinn der Trauung und des ganzen Lebens. “Ich liebe, also bin ich.” – frei nach René Descartes berühmtem “Ich denke, also bin ich.”

In der Post-MATRIX-Aera (jener berühmten Filmtrilogie über die Simulation des Bewusstseins) ist der Akt des Denkens als konstitutives Element der Selbstvergewisserung der Person in die Krise geraten. Was garantiert mir, dass ich nicht die Simulation eines Denk-Apparates bin? Nichts. Meine Existenz ist nicht evident, also selbstverstehbar. Dem 8. Psalm ist dies eine der berühmtesten Fragen der Theologie wert: was ist es überhaupt, dass Gott mich denken möchte? Man müsste folgern: ebenfalls nichts. Meine Wichtigkeit für Gott ist auch nicht evident.

Die einzige Möglichkeit, die Existenz des Menschen zu begründen, ist, ihn aus der reinen Willensentscheidung Gottes ins Leben zu rufen. Diese bewusste Zu-Neigung Gottes nennt man Liebe. Die Liebe Gottes macht uns zu Geliebten, aber sie macht uns auch zu Liebenden. In dieser Eigenschaft können wir vor den Traualtar treten. Plötzlich imitieren Braut und Bräutigam die Entscheidung Gottes. Sie sagen Ja zum anderen.Es ist gut, alle Liebenden immer wieder daran zu erinnern, wo ihre eigene Liebe zuhause ist.

Übrigens: im Film Matrix spielt der neue Mensch (“Neo”), der sich unter der Liebe verwandelt und zum Messias der bedrängten Menschheit wird, eine große Rolle. Erst in seiner Liebe überwindet er das Böse (in Gestalt des Agenten Smith) als auch die Maschinenwesen, die die Menschen versklaven wollen.

Bild: “heart” von ocm4m/auf:flickr.com

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