Archiv für Juni, 2008
Engelgefühl
Montag, 30. Juni 2008engegefühl
bergwärts im gestrüpp
verloren
spinnwebfäden
flimmernde luft
zerschneidend [Weiterlesen...]
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Am Anfang war das Wasser
Montag, 30. Juni 2008Irgendwann fängt man an. Ich erinnere mich an meine erste Predigt. Sie war lausig – viel zu kopfgesteuert. Worte aus dem theologischen Lehrbuch. Ich habe mich verhaspelt, die Leute vor mir kaum angesehen. Nur schnell durch. Aber die Menschen waren wohlwollend. Sie sagten:“Sie haben sich aber Mühe gegeben.“ – Das hieß so viel wie: „Wir haben zwar kein Wort verstanden, und wo sie hinwollten, konnten wir auch nicht erkennen, aber Sie haben ehrliche Arbeit geliefert. Man hat Ihnen angesehen, dass Sie sich vorbereitet haben. – Und der Rest, dass wir Sie eines Tages wirklich verstehen und Gottes Wort hören – das kommt noch.“ [Weiterlesen...]
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Fabel-haft
Mittwoch, 25. Juni 2008Neulich ließ ich mein Fahrrad reparieren. Nebenbei kam ich mit dem Fahrradhändler ins Gespräch und fragte: “Sagen Sie mal, rennen Ihnen denn nicht jetzt, wo die Benzinpreise an den Tankstellen in die Höhe schießen, die Menschen den Laden ein und wollen Fahrräder kaufen?” – Antwort des Händlers: “Nein, wir merken noch nichts. Die Benzinpreise sind noch viel zu niedrig.”
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Mit Bodyguard auf unsicherem Weg
Mittwoch, 25. Juni 2008Jahr für Jahr findet eine unsichtbare Abstimmung statt – eine Abstimmung über das Bibelwort, das die größte Verbreitung in der Gesellschaft findet. Wie kann man das Ergebnis feststellen? Ganz einfach: man zählt die Trau- und Taufsprüche aus, die von den Menschen gewünscht werden. Durch das Internet sind fast alle in der Lage, selbst auf die Suche zu gehen. Und interessanterweise finden sie im Augenblick zwei Sprüche besonders stark.
Der erste Spruch wird gerne von jungen Ehepaaren gewünscht, die beschlossen haben, vor den Traualtar zu treten: Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. (Ruth 1,16). Der zweite Spruch soll kleine Täuflinge durchs Leben begleiten: Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. (Psalm 91,11)
Sehnsucht nach Gemeinschaft und Rückhalt in unsicherer Zeit – das ist bei dem Trauwort deutlich zu spüren. Kinder aber möchten die Eltern unter dem Schutz einer höheren Macht wissen. Engel, als die Bodyguards Gottes, als die Begleiter und Wegbahner für ein unübersichtlich gewordenes Leben, sollen das anbefohlene junge Leben tragen.
Was ist denn wirklich tragfähig? Diese Frage wird gerade von denen gestellt, die jahrzehntelang gewohnt waren, die Sicherheiten und Annehmlichkeiten einer prosperierenden Gesellschaft zu genießen. Nun aber steigen die Preise für Öl, Gas und Lebensmittel. Die Kulissen der Wohlstandsreligion, die sagte, dass man eben nach einem sicheren Job, einem treuen Partner, einem Häuschen im Grünen streben solle, sind brüchig geworden. Durch die Ritzen werden Risiken erkennbar, die schlecht schlafen lassen. Was wird aus mir im Alter? Wo bleibe ich, wenn ich den Job verliere? Was geschieht, wenn die Lebenshaltungskosten das bescheiden Ersparte aufzehren?
Je mehr die Unwägbarkeiten der Zukunft am Horizont aufleuchten wie das Abendrot, das angeblich einen Wetterumschwung für den nächsten Tag verheißt, desto bedürftiger und ängstlicher reagieren die Menschen. Und sie suchen nach Trost. Seltsamerweise spiegeln die Trostworte der Bibel einen ungeklärten, unsicheren, risikobeladenen Lebensentwurf – den Lebensentwurf von Menschen vergangener Zeit. In jenen Tagen machten sich verwitwete Frauen auf den Weg, um dem Verhungern zu entgehen (Ruth 1,16). Und diese Frauen schworen sich gegenseitige Treue und Hilfe. Wer sonst hätte ihnen helfen können? In jenen Tagen befahl man sein kleines Schicksal höheren Mächten an (Psalm 91,11). Wer sonst hätte einen schützen können?
Ich brauche einen Bodyguard – denn ich wandere durch ein Leben voller Gefahren. Dieser Bodyguard kann ein Partner sein oder eben ein Engel Gottes. Wenn ich einen gefunden habe, kann ich sagen: ich bin nicht allein.
So singt der Rapper Thomas D. in einem Lied mit “Schiller” (Album: Tag und Nacht) “in einer stürmischen nacht erlöschen träume wie kerzenlicht -und wer nicht von herzen spricht trägt einen schmerz in sich -hütet und versteckt ihn hinter tausend ausreden -ich sollte beten aber irgendwas spricht dagegen -ich will vergeben denn der zweifel ersticht mein leben – ich kann nicht glauben meine liebe zerbricht am ego -ich will vertraun und ich weiss nicht mehr wie das gehen soll – ich seh kein morgengrauen nein ich sehr nur dichten nebel – ich bin am boden geknebelt und fast zu tode getreten -doch hab nicht vor so zu enden, ich hab nicht vor aufzugeben – ich werde dieses leben ändern und ich werds überleben – ein neuer morgen wird kommen und er bringt hoffnung für jeden – der neu geboren unter schmerzen aus dem koma erwacht – damit das feuer des herzens auf ein neues entfacht – das hat das leben jeden tag in diesen händen verbracht – damit das licht der nacht ein ende macht”
Im Refrain tritt der Engel auf:
“du bist nicht allein -ich bin immer hier, um da zu sein -du bist nicht allein – ich bin immer hier, um da zu sein -es liegt nur an dir”.
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Die atmenden Steine
Freitag, 20. Juni 2008
Ich erinnere mich an Wanderungen, die wir als Theologiestudenten regelmäßig in den Semesterferien unternahmen. Georg war dabei, Helmut auch und andere. Kaum waren die Semesterarbeiten geschrieben, wurde der Rucksack gepackt und los ging´s. Eine der Entdeckungstouren durch Deutschlands unbekannte Mitte führte von Lohr am Main über Wertheim nach Walldürn, dann nach Mergentheim, Creglingen und endete in Rotenburg ob der Tauber. Romantisches Vagantentum war das, unbehaustes Unterwegssein auf Zeit. Von Pilgern mochten wir damals nicht sprechen. Es war mehr ein freies Umherstreifen, ein Geradeaus-der-Nase-nach-Laufen. Wo uns der Wind hinblies, da blieben wir. Das Rotweinglas war abends stets gefüllt und die Hosen hatten schnell Risse und Löcher. Fast unglaublich – das war Ende der Siebziger Jahre. Für ein, zwei Wochen ruhten die Diskussionen um Baader-Meinhoff, Gesellschaftsveränderung und die Theologie Karl Barths. [Weiterlesen...]
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