Archiv für August, 2008

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Morgenlandfahrt

Sonntag, 31. August 2008

"glowing dandelion" von "gari.baldi" auf flickr.com

tagträume holen mir
sekunden des glücks
aus der vergessenen schublade

brausepulverkribbelndes
vergnügen des ewigen
kindskopfes

wandern ohne gepäck
kein Johannesbaptist
noch Sacharjamessias

in die sonne schauen
unbeschwert blinzeln
die farben des regenbogens

in den seifenblasen
die welt auf den kopf stellen
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Im Wartezimmer

Sonntag, 31. August 2008

Ich öffne die Tür und schaue in den Raum dahinter. Das Wartezimmer ist schon voll. Kein Stuhl mehr frei. Acht Männer und Frauen sitzen im Rund. Man hat auch Zeitschriften gespart. Ein einziges Apotheken-Magazin liegt achtlos unter einem Hocker. So, zur Untätigkeit verbannt, starren alle vor sich hin. Es ist eine Arztpraxis, in der man sich geniert, zu sein. Wer gibt schon gerne zu, dass er irgendetwas mit dem Kopf hat – Migräneanfälle vielleicht oder chronische Schlafstörungen oder beginnende Demenz? Eine Frau redet mit einer anderen; vielmehr: sie redet, die andere hört nur zu. Jene aber tut das in einer Weise, wie wenn sie eigentlich nicht wissen will, was die Nachbarin bewegt. Unwillig stimmt sie manchmal zu. Ein andermal schüttelt sie bedauernd den Kopf. Die Erzählerin merkt nicht, dass die andere ihre Ruhe haben will. [Weiterlesen...]

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Von der Wiege bis zur Bahre – Kommentare!

Mittwoch, 27. August 2008

"195 kommentarer" von "nrkbeta" auf flickr.com

Blogger schreiben auch hin und wieder Kommentare für andere Blogger. Oder etwa nicht? Was spricht eigentlich für Kommentare, was dagegen?

Leser schreiben gern Kommentare, weil…

1. Durch ihre Kommentare zeigen Leser/innen, dass sie den Weblog mit Genuss gelesen haben. (hedonistisches Interesse)

2. Sie signalisieren dem Schreiber des Blogs, dass sie ihn gut finden und gern kennen lernen möchten. (persönliches Interesse)

3. Sie möchten durch Hinterlassen des eigenen Links eine Spur zur eigenen Website oder zum eigenen Blog legen. (utilitaristisches  Interesse)

4. Sie sind am Thema so sehr interessiert, dass sie ein Gespräch beginnen wollen. (wissenschaftliches Interesse)

5. Leser/innen haben ein angeborenes Mitteilungsbedürfnis, das sich in Kommentaren Luft verschafft. (genetisches Interesse)

6. Leser/innen hinterlassen gerne Spuren auf anderer Leute Weblogs, so wie manche Künstler (?) Graffitis auf weißen Wänden hinterlassen. Sie wollen sagen: Ich war da! (existentialistisches Interesse)

7. Leser/innen möchten Kompetenz ausstrahlen und Reputation in der “Gemeinde” der Blogger erwerben. (reputatives Interesse / gibt es das Wort überhaupt?)

8. Ganz wenige sind auf Krawall aus und möchten sich gern verbal attackieren. (aggressives Interesse)

Warum aber machen einige Blogger die Erfahrung, dass sich niemand an ihren Kommunikationsfreiflächen äußert und mitteilt? [Weiterlesen...]

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Von Gott gefunden

Montag, 25. August 2008

"Cobblestonesandi" von "AndiH" auf flickr.com

Es war einmal
… so fangen Märchengeschichten an. Damit wird dem Hörer ein Sprung zugemutet, der Sprung hinaus aus seinem Erfahrungsbereich, aus seiner Lebenszeit, aus seiner Welt. Es wird eine Brücke gebaut – hinüber zu einer ganz anderen Welt. Halten Sie dies für möglich? Diese ganz und gar andere Welt, diese jenseitige Welt, die eigentlich gar nicht an einem anderen Ufer liegt, sondern nur weit aus unserem Blickfeld?

Wenn wir Fernsehen schauen, dann gehört das noch zu unserem Blickfeld. Wenn wir Knochen von uralten Sauriern finden, dann gehört das auch noch zu unserem Blickfeld. Aber – die ersten Menschen, die Zeit des Nebels über dem Erdboden, die Zeit ohne Grün und Wald – das ist fast wie eine Geschichte von Mittelerde – jenseits unserer Wirklichkeit, so scheint es.

Der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, hat einen Namen. Ich will jetzt nichts zum ganzen Komplex der Schöpfung an sich sagen, das wäre Thema am Erntedanksonntag, oder Thema für das erste Kapitel des ersten Moses-Buches. Ich will etwas über den Namen sagen. Es ist so, dass man dieses Wesen getrost als “Wesen” bezeichnen könnte, wenn es uns unbekümmert ließe, wenn es uns nichts anginge. Aber es scheint uns etwas anzugehen. [Weiterlesen...]

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Im Trauerfeld

Sonntag, 24. August 2008

"ilkley moor" von "tricky tm" auf flickr.com

meine schritte dringen
in verwunschenes
im sand gefangen

armutshütte duckt sich
eisen rostet
im grauen regen

birkenzweige wiegen
sanft die schwere luft
schweben durch meine erinnerung [Weiterlesen...]

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