Archiv für Oktober, 2008

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Faszination und Erschrecken

Montag, 27. Oktober 2008

Bild: "self-portrait as a raincloud" von Jesse Draper auf Flickr.com

Erschrecken ohne Gewöhnung
Am 31. Oktober feiern kleine Geister, die große Leute erschrecken möchten, Halloween. Brauchen wir Halloween? Nein, wir haben ja die Bankenkrise. Es geht eine seltsame Faszination davon aus. Jeden Tag stehen neue,böse, erschreckende Nachrichten in der Zeitung. Aber man gewöhnt sich nicht so schnell daran, denn es könnte uns betreffen. Wir bekommen Angst beim Lesen. „Faszinosum et tremendum” – das, was uns magisch anzieht mit seiner Attraktion und das, was uns abstößt mit dem, was uns Angst macht.

Faszinosum und Tremendum – Faszination und Erschrecken: als der Fußballer Joris Mathijsen nach dem Spiel gegen Hoffenheim ( 3:0 für Hoffenheim) befragt wurde, sagte er: “Das war unglaublich.” Der Schrecken stand ihm noch ins Gesicht geschrieben. Er hatte den Untergang seiner Mannschaft erlebt. Dennoch war er so hingerissen wie die Zuschauer von dem, was auf dem Rasen passiert war, die Sternstunde des Fußballs, Geburt einer neuen Art den Ball ins Tor zu zaubern. Und wenn Hoffenheim eines Tages wieder absteigen sollte, weil es ein Dorfverein ist, dann wird dieses Spiel dennoch in Erinnerung bleiben. Den Spielern des Aufsteigers wurde nach dem Schlusspfiff stehend applaudiert. Manchmal gibt es diese Sternstunden. Fußballerherz, was willst du mehr. [Weiterlesen...]

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Protestantisches Pilgern

Freitag, 24. Oktober 2008

Bild: "Camino 23" von "Aschevogel" auf Flickr.com

Arme Menschen mussten in früheren Zeiten zu Fuß gehen, denn es gab keine Autos und Fahrräder. Reichtum erkannte man am Besitz eines Pferdes, auf dem man reiten konnte. Dennoch gab es auch damals den Drang, andere Länder und andere Völker zu besuchen. Man nannte es „pilgern” oder „wallfahren” und legte riesige Entfernungen zu Fuß zurück. Eine solche Reise konnte Monate dauern und man kann annehmen, dass solche Erlebnisse die Menschen verändert haben. Die Erinnerung daran, das Grab des Hl. Jakobus in Santiago besucht zu haben, wurde zu einem Schatz, von dem man zehren konnte.

Bis vor ein paar Jahren war das Pilgern römisch-katholischen Gläubigen vorbehalten. Doch nun haben auch Protestanten diese Form des Reisens zu Fuß entdeckt. Bekannt geworden ist zum Beispiel der Weg von Loccum bei Hannover nach Volkenroda im Thüringischen. Beide Orte sind mittlerweile Zentren protestantischer Frömmigkeit und Spiritualität. Über mehrere Wegstationen kann der geistlich Urlaubende den Weg der mittelalterlichen Zisterziensermönche nachgehen. Dafür bekommt er, so er will, auch einen Stempel in sein Pilgerbuch. Viele Einzelwanderer aber auch Familien mit Kindern sind diesen Weg gegangen und haben dem Reiz des langsamen Tourismus „um des Himmelreiches willen” nachgespürt. Ähnlich wie beim Essen (slowfood) macht sich der Trend zur Wiederentdeckung der Natürlichkeit des Lebens im „Slow Tourism” bemerkbar. [Weiterlesen...]

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Umverteilung

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Bild: "Times Square at Dusk" von "Stuck in Customs" auf Flickr.com

Eliten kämpfen um Einfluss
Mitten in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise stecken sie ihre Claims neu ab. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy möchte die Schlüsselindustrien Frankreichs teilweise verstaatlichen. Das kann man nachvollziehen. Im Grunde möchte er verhindern, dass die zum Schleuderpreis an den Weltbörsen gehandelten Aktienpakete in die „falschen” Hände geraten. Deutsche Politiker haben sich bereits kritisch zu diesen Plänen und zu dem dahinter verborgenen Staatsdirigismus geäußert. Frankreich hat da, so scheint es, einfach eine andere Politikkultur. Aber auch in Deutschland greift das Berliner Polit-Establishment nach der Macht in den Banken. Das Vehikel dazu ist der Rettungsfonds. Banker wie Josef Ackermann, die etwas auf sich halten, lehnen das Angebot, sich hineinregieren zu lassen, dankend ab. Anderen steht das Wasser so bis zum Hals, dass sie sich in die Arme des Staates retten. [Weiterlesen...]

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Vertrauen verspielt

Montag, 6. Oktober 2008

Bild: "Lügen haben kurze Beine" von Farruska auf Flickr.com

Euphemismus des Tages:
“Offenheit, Fairness und Transparenz kennzeichnen die Unternehmenskultur der Hypo Real Estate Group. Die Gruppe nimmt durch zahlreiche Projekte ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr…” (Hypo Real Estate Homepage, “Unternehmenskultur”)

Kommentar zur aktuellen Lage:
“Das Management hat das Vertrauen endgültig verspielt. Man kann bei der Hypo Real Estate nichts mehr berechnen”, sagte Analystin Susanne Knips von der Dresdner Bank. (Quelle: Spiegel Online vom 6.10.200)

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Hypo Real Estate – das Schwarze Loch

Sonntag, 5. Oktober 2008

Bild: "Campfire Blackhole" von A aron Wagnerauf Flickr.com

Geldhunger
Die Hypo Real Estate könnte eine Bank sein, deren Kapital einfach aufgebraucht ist. Wie ein Glas Bier, das einfach leergetrunken ist. Dann wäre die Pleite dieser Bank relativ erträglich. Aber sie ist in Wahrheit mehr als das. Sie ist ein Glas, in das man Jahrhunderte lang Bier schütten müsste, bis es gefüllt wäre. Ein schwarzes Loch der Finanzwirtschaft, ein geldverschlingendes Finanzmonster, dessen Geldhunger schier unersättlich ist. Sie haben Recht – dies ist wirklich eine surreale Vorstellung. Doch in den Tagen der Bankenkrise ist manches, was bizarr klingt, bittere Wahrheit. So wie die Sache mit der Real Estate. Der Geldbedarf ist so immens, dass selbst die Wirtschaftskraft und das Steueraufkommen des deuschen Staates an seine Grenzen gelangen. Was sind 100 Milliarden? Einfach nur eine abstrakte Zahl. Der Verstand streikt bei der Vorstellung. [Weiterlesen...]

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