Archiv für November, 2008
Predigt über ein Mohnfeld
Donnerstag, 20. November 2008
Bild: "beautiful wild (778☺22)" von Juergen Kurlvink auf Flickr.com
Dieser Tage wurde der undotierte Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft verliehen. In seiner Predigt über das Warten der Kasseler Öffentlichkeit auf das Wachsen eines Mohnfeldes bei der Dokumenta XII hat der methodistische Pastor Michael Putzke aus Kassel Anklänge an das “Vierfache Ackerfeld” zu einer außerordentlichen Komposition über das Gottesreich verarbeitet. In seltener Klarheit wird in seiner Predigt die Relevanz von Theologie für das Alltagserleben von Menschen herausgearbeitet.
Der Kollege aus der lutherischen Kirche verneigt sich vor diesem gelungenen Stück Rhetorik, gratuliert herzlich und empfiehlt allen Lesern dieses Blogs die Lektüre.
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In der Einsamkeit des Mondes
Donnerstag, 20. November 2008
Bild: "Buzz Aldrin auf dem Mond, 1969"/ Source:Life auf Google.com
Einsam steht ein Mann vor einer Flagge. Dunkelheit um ihn. Ödnis bis zum Horizont und weiter hinaus. Im Sand sind Stiefelspuren. Im Schatten eine Metallkonstruktion. Die Flagge ist das Sternenbanner. Wir schreiben das Jahr 1969. Buzz Aldrin, der Nasa-Astronaut salutiert.
Geschützt nur durch seinen dicken Anzug steht er im luftleeren Raum des Mondes. Auf dem Mond ist klirrende Kälte und flirrende Hitze. Auf dem Mond kann der Mensch nicht sein. Kein Leben da. Nur karge felsige Ödnis. Später schreiben die Astronauten, erst diese Begegnung mit der Lebensfeindlichkeit des Mondes habe ihnen gezeigt, wie freundlich und bergend, aber auch wie verletzlich die Erde mit ihrer Lebenssphäre ist.
Am Totensonntag gedenken wir der Menschen, die gestorben sind. Wir denken an „unsere” Menschen. Sie gehörten einmal zu uns, wir liebten sie, wir lebten mit ihnen, uns verbindet gemeinsames Lachen und Weinen. Nun sind sie nicht mehr. Wo sind sie? Ist der Tod wie jene Ödnis des Mondes? Es ist gut, dass unsere Toten ein Grab haben, dass wir ihnen Blumen mit hineingeben, dass unsere eigene Hand sie mit Erde bedeckt. Und manchmal hören wir am Grab jene Worte mit dem warmen Klang, die unsere Sehnsucht und Liebe ausdrücken: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund sein voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens (Psalm 126,1+2). [Weiterlesen...]
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Das Büßerhemd hat keine Taschen.
Mittwoch, 19. November 2008
Bild: "noodle soup" von "streetpreacher83" auf Flickr.com
Gomorrhaleute
Am Bußtag sollte man sich fragen: habe ich noch die richtige Richtung vor Augen, habe ich noch ein Ziel, bin ich noch unterwegs? Jesaja, der Prophet des 8. vorchristlichen Israel, hat den Reichen und Einflussreichen seiner Zeit, die sich in Bereicherungsdenken und Standesdünkel verrannt hatten, ins Gewissen geredet (Jesaja 1,10-17). Er nennt sie alle miteinander „Sodomspack” und „Gomorrhaleute” – finsterer kann man andere Menschen nicht mehr schmähen. Gott selber habe – so Jesaja – kein Interesse mehr an ihren zur Schau getragenen Lippenbekenntnissen und Meineiden, den mit allerlei Räucherwerk vernebelten Finten und Ränkespielen ihrer Politik, ihrer Raffgier und ihrer Machtgeilheit. Uns stockt der Atem, wenn wir diese Worte lesen oder hören. Da wagt ein Mann Gottes eine religiöse Rede und beginnt mit einer Beschimpfung des Publikums.
Publikumsschelte
Das hat nach ihm auch Peter Handke in seinem erste Sprechstück gemacht. Er wollte damit seiner Ablehnung der in den 1960er Jahren vorherrschenden Theaterformen und ihrer Themen Ausdruck geben und das Nachdenken über das Theater selbst fördern. Insbesondere das Geschehen zwischen Darsteller und Publikum bei einer Theatervorstellung stand im Zentrum seines Interesses. So machte es Jesaja im Grunde auch. Er wollte wissen wie das Verhältnis von Gott und Mensch ist, er wollte wissen, wie sein Publikum tickte. [Weiterlesen...]
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An eine Vergessene
Montag, 17. November 2008
Bild: "Flowers in the Cemetery" von "dragonflysky" auf Flickr.com
wie kleine boote
segeln birkenblätter
über den erinnerungsozean
von der hand
göttlichen windhauchs
abgestreift und auf reise geschickt
landen im hafen
meines mantelkragens
gehen vor anker in meiner zerstreutheit
du liegst dort unten begraben
schon so lange zeit
du und dein kindchen [Weiterlesen...]
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Freundlichkeit als Wesenskern
Sonntag, 16. November 2008
Bild: "Gandhi Hall (Bronze Statue of Gandhi)" von "seijik" auf Flickr.com
Indiens Vorbild
Mahatma Gandhi soll jeden Tag im Morgengrauen an Spinnrad oder Webstuhl gesessen haben. Nach einer Stunde des konzentrierten Arbeitens erhob er sich und wechselte über in sein Büro als Lenker und Hüter Indiens. Warum liebte er die praktische Arbeit vor der denkerischen? Sie habe, so wird geschrieben, ihm das nötige Gleichgewicht für die Regierungsgeschäfte vermittelt und eben auch ein Gefühl der Nähe zu allen seinen Landsleuten, die einfache Leute waren und ihren Lebensunterhalt mit handwerklichen Tätigkeiten verdienen mussten.
Ansonsten war er ein freundlicher Mann – oder vielleicht auch gerade deshalb. Von vielen Bildern lächelt Ghandi als ein bescheidener weiser Herr, dem die asiatischen Tugenden der Geduld und des fleißigen Strebens ins Gesicht geschrieben standen. Kein Wunder, dass der Staatsgründer Indiens bis heute dort als Vorbild verehrt wird. [Weiterlesen...]
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