Archiv für Dezember, 2008

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Das Lachen der Gassenjungen

Dienstag, 30. Dezember 2008

Bild: "Happy New Year" von "woodleywonderworks" auf Flickr.com

Das Fazit der Milliarden-Löcher
Jahresrückblick-Spezialisten sind an den letzten sieben Tagen im Dezember in ihrem Element. Was gibt es nicht alles für Fazits zu ziehen: so niedrig war der Deutsche Aktienindex seit sechs Jahren nicht mehr, so eine verschuldete Automobilindustrie hat es in den USA noch nie gegeben, so viel Geld an Weihnachten haben auch die Konsumenten noch nicht verbraten, so desaströs war noch nie eine Firmenpleite wie die der Lehmann-Bank, so horrend wie nie war der Schwindel einer Wallstreet-Investmentfirma – 50 Milliarden, so rapide wie 2008 haben noch nie russische Oligarchen Geld verbrannt – man munkelt von 120 Milliarden. Erinnern sie sich noch an den französischen Börsenspekulanten Jerome Kerviel? 5 Milliarden waren das vor einem Jahr, die er in den Sand gesetzt hatte – vergessen! Und wann hat es jemals einen Bankier gegeben, der öffentlich eingestand, er und andere hätten die Krise unterschätzt und Fehler gemacht? – Herr Ackermann vorgestern in der ARD bei Caren Miosga.

Der Reichtum der Welt – eine Randnotiz der Geschichte?
Geht es nun abwärts? Hat sich der Kapitalismus überlebt, jedenfalls die Raubtiervariante, die in den letzten Jahren Einzug gehalten hatte bei den Junk-Bond-Verwaltern, den Pensionsfonds-Managern, den Derivate-Händlern, den Rohstoff-Spekulanten. Völlig neue Berufsgruppen sind da entstanden. Von den Hochschulen wurden die Eliteabsolventen abgeworben und ruckzuck eingeschworen in die Spielregeln des so genannten Marktes: „du bist nicht auf einem Marktplatz, vergiss es, du bist in einem Kasino, im Casino Royale”. Sie alle wollten ihren Anteil vom Kuchen. Üppige Boni, Überschussanteile und Vorzugsaktien flossen in die Taschen der quicken Jungs in den Großraumbüros, die, umgeben von zahlreichen Monitoren, am Ende den Überblick verloren. Welcher Kuchen wurde überhaupt verteilt? Es gab schon keinen Kuchen mehr, da handelte man immer noch mit Phantasie-Kuchen zu Phantasiepreisen und Phantasierendite. Wichtig war nur eins: man musste der Letzte sein, der noch mit Gewinn verkaufen konnte. Wehe, man war der Erste der Verlierer!

Der große Paradigmenwechsel
2008 – ein Jahr des überdrehten Kapitalismus. Die Blase ist geplatzt. Katzenjammer macht sich breit – und Angst. Manche Predigten handeln heute von dem ganz persönlichen Jahresrückblick: von der letzten Zigarette, von den guten Vorsätzen, dem Willen, sich mehr Tiefgang zu leisten und vielem anderen. Haben sie Recht damit? Oder ist das Thema heute – zwischen 2008 und 2009 nicht doch „Der große Paradigmenwechsel”?
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Unter Dornen und Blüten

Dienstag, 23. Dezember 2008

Bild: "Christmas Nativity Scene" von Krisdekurtis auf Flickr.com

So weit weg!
Wie feiern die deutschen Soldaten in ihren Kasernen im Norden Afghanistans Weihnachten? Der Koch hat etwas Besonderes gebraten – man hört Radio, telefoniert nach Hause – vielleicht bietet der Standortpfarrer einen besinnlichen Gottesdienst an. Die Gedanken werden wehmütig. Jeder der jungen Männer, die diesen gefährlichen Auftrag im fremden Land ausführen, möchte lieber zuhause sein. Die meisten haben ja eine Freundin oder eine Frau zuhause, vielleicht auch Kinder.

Mein Vater hat ein Bild aus dem Krieg mitgebracht. Da sitzt er als ganz junger Gefreiter unterm Tannenbaum, um sich rum andere Kameraden. Ich habe ihn noch nicht gefragt, wie er sich damals gefühlt hat. Ich sollte es einmal tun. Aber ich weiß – er fühlte sich Gott nicht so weit weg, wie man meinen könnte. Der Krieg machte sensibel für die Gottesfrage. Nicht nur die Körper waren verwundet. Fast immer auch die Seele. [Weiterlesen...]

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Bonus-Card für Kirchenbesuch

Dienstag, 23. Dezember 2008

Bild: " focus beyond everyday life" von "tschaut" auf Flickr.com

Blödsinn
Nachdem Politiker verschiedener Parteien gefordert hatten, nur Kirchenmitglieder am Heilig Abend in die Gottesdienste zu lassen, regt sich Widerstand in der EKD. Diese Ideen seien “Blödsinn” so Ulrich Fischer, der Bischof der Evangelischen Kirche in Baden.

Das (Luxus-) Problem “übervoller Kirchen” an Heilig Abend bleibt dennoch bestehen. Wenn man den Kirchenzutritt am 24. Dezember schon nicht an den Kircheneintritt koppeln kann, dann vielleicht an den Besuch nachweislich weniger attraktiver Sonn- und Feiertage wie des Bußtages oder des 11. Sonntags nach Trinitatis oder des Pfingstmontags. Das könnte vielleicht über eine Art Konfirmandenkarte für Erwachsene geregelt werden. Jeder, der nachweislich vier weniger gut besuchte Gottesdienste goutiert hat, darf dann beim Krippenspiel dabei sein. Für zwei weitere Gottesdienste in der Trinitatis- oder der Passionszeit kann dann auch der Ehepartner mit hinein. Das würde den Kirchenbesuch ganz allgemein heben.  [Weiterlesen...]

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Neue Synagoge in Hannover eröffnet

Sonntag, 21. Dezember 2008

Bild: "Oni Synagogue, Torah" von BarryGeo auf Flickr.com

Etz Chaim – Baum des Lebens
Jüdisches Leben regt sich wieder in Deutschland. Zarte Pflänzchen der Hoffnung wachsen heran zu kräftigen Bäumen neuen Lebens. 1995 war in Hannover eine liberale jüdische Gemeinde durch Herauswachsen aus der bisherigen orthodoxen Synagoge entstanden. Dieser neuen Gemeinschaft schlossen sich besonders auch aus der ehemaligen Sowjetunion emigrierte Juden an. Nun wurde es Zeit für ein repräsentatives Domizil. Nach einigem Suchen wurde man unter den Gotteshäusern der ev.-luth. Landeskirche Hannovers fündig. Die frühere Gustav-Adolf-Kirche in Hannover wurde 2007 käuflich erworben und in der Folgezeit zu einem jüdischen Gebetshaus umgebaut. [Weiterlesen...]

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Partei der Arbeiterbewegung im Gespräch mit der Kirche

Sonntag, 21. Dezember 2008

Interessantes trug sich dieser Tage (am 15. Dezember) in Berlin zu: SPD und Rat der EKD trafen sich zu einem Meinungsaustausch. In dem zweistündigen Gespräch konnten allerdings wohl nur die großen Leitlinien der Politik angesprochen werden, für tiefergehende Analysen fehlte die Zeit.
Franz Müntefering und Bischof Wolfgang Huber versicherten sich einer gemeinsamen Sicht auf die Lage (der drohenden Wirtschaftskrise) und äußerten ihre Sorge über ein Schwinden des Vertrauens der Bevölkerung in die Demokratie. Sie betonten den Primat der Solidarität im Zusammenspiel der Ethik des Einzelnen und des Systems im Ganzen.
Der Meinungsaustausch soll in regelmäßigen Abständen fortgeführt werden.

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