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Christliches “Hermannsdenkmal” in Wassertrüdingen?
Von Karl-Otto Scholz | Sonntag, 8. März 2009
Sein Schwert trägt die Inschrift:”Deutsche Einigkeit, meine Stärke. Meine Stärke, Deutschlands Macht.” Hermann, der Cherusker, Condottiere der römischen Legion, Abtrünniger und Stämmepatron – 1900 Jahre später wurde er zur Symbolfigur des wilhelminischen Kaiserreiches. Man hat ihm 1875 ein Denkmal gebaut in der Nähe von Detmold. An schönen Sommertagen ist der Parkplatz voll. Familien treffen sich zum Picknick oder zum Fotoshooting, wandern einfach durch die schönen Wälder, und nur die wenigsten hegen noch nationale Gefühle. Das Hermannsdenkmal ist ein wenig aus der Mode gekommen. Aber weiterhin werden das Gelände und die Monumentalfigur gepflegt. 26 Meter ist sie hoch, die Freiheitsstatue in New York immerhin sogar 46 Meter.
Nun aber soll in Wassertrüdingen eine Christusfigur errichtet werden, die die beiden übertrifft – 55 Meter hoch. Die Arme hat dieser Christus weit ausgebreitet zum Segen der Welt. So kennt man ihn schon aus Rio de Janeiro – “Christo Redentor” – im Vergleich fast schon bescheidene 30 Meter hoch. Neben dem deutschen Denkmal für Christus soll ein Pilgerhotel entstehen. Das Städtchen Wassertrüdingen, zwischen Nürnberg und Ulkm gelegen, ist froh, auch einmal die Schlagzeilen für sich zu haben. Man erwartet zahlreiche Touristen und Pilger in seinen Stadtmauern.
Die Eventkultur zeigt seltsame Blüten. Ist da reine Devotion im Spiel, oder will sich ein größenwahnsinniger Bauunternehmer selbst ein Denkmal setzen. Handelt es sich um Kitsch, oder ist es Initialzündung für ein Nachdenken Europas über die Wurzeln seiner Kultur?
Bürgermeister Babel von der CSU redet wacker von Arbeitsplätzen, die durch das christliche Tourismusprojekt angesiedelt werden könnten. Kritiker werfen ihm vor, er habe eher den Bau eines neuen Center Parcs im Blick. Es gärt im bayrischen Franken. Tourismus lässt Bürgermeisteraugen glänzen, gestandenen Kommunalpolitikern aber wird mulmig. Da ist viel Geld im Spiel. Ein Tanz auf dem Hochseil droht. Kirchenvertreter halten das geplante Bauwerk entweder für Kitsch oder Ausdruck von Gigantomanie, Zeichen für gelebten Glauben finde man darin nicht, es überwögen die Aspekte Kommerz und Tourismus. Womöglich werde Wassertrüdingen die “Lachnummer der Nation” (Nürnberger Zeitung).
Das Hermannsdenkmal bei Detmold hat eine ausgewogene deutsche National-Identität kaum gefördert. Eher war es das Symbol für Chauvinismus, Imperialismus und Intoleranz, befeuerte den Kampfgeist in den beiden Weltkriegen, die zum Untergang des traditionellen Deutschland führten. Man kann nur vermuten, dass ein übergroßer Beton-Jesus nicht gerade förderlich für die Ausbildung eines ausgewogenen toleranten christlichen Glaubens ist. Aber vielleicht reiben sich Radikale beiderlei Konfession die Hände. Mit solch einem Symbol lässt sich manche Attacke reiten. Doch – gegen wen?
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Tags: Christusfigur | hermannsdenkmal | Tourismus
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