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Rettung durch die Nabelschnur des Bruders

Von Karl-Otto Scholz | Mittwoch, 18. März 2009

Wunder oder Frevel?

Science fiction? Gruseliges aus geheimnisvollen Laboren? Oder einfach nur ein verzweifelter Rettungsversuch? In Spanien hat man Stammzellen aus der Nabelschnur eines Neugeborenen verwendet, um ein anderes Kind von einer seltenen, genetisch bedingten Erkrankung zu retten. Nun sind diese beiden Kinder nicht „irgendwelche” Kinder, sondern Brüder, und der eine wurde gezeugt und geboren, um den anderen zu retten.

Der kleine siebenjährige Andrés wäre dem Tod geweiht gewesen. Er litt an Thalassämie – seine roten Blutkörperchen wurden zu schnell von den inneren Organen ausgefiltert. Heilung konnte ihm nur ein genetisch sehr nahe verwandter Mensch bieten. Der aber war nicht auf der Welt. Also entschlossen sich die Eltern zu einer gewagten Therapie. Durch künstliche Befruchtung brachte die Mutter Sohn Javier zur Welt. In seiner Nabelschnur waren die rettenden Stammzellen verborgen, die Andrés zu neuem Leben verhalfen.

Nun tobt die (auch religiöse) Debatte, ob nicht bei dieser medizinischen Strategie wieder mal eine ethische Grenze überschritten wurde. Ist es moralisch vertretbar, ein Kind dafür zu zeugen, dass es für einen anderen Menschen als Zelllieferant oder Ersatzteillager dient? Heiligt der Zweck der Heilung von einem genetischen Defekt alle Mittel?

Suche nach dem vertretbaren Mittelweg

Zunächst muss man festhalten, dass im Grunde „sekundäre” Zellen aus der Nabelschnur für die Rettung des kleinen Andrés verwendet wurden. Das Baby Javier kam ganz normal zur Welt, und an ihm wurde kein Eingriff vorgenommen – seine Persönlichkeit und die damit verbundenen Persönlichkeitsrechte blieben also unangetastet. Dass er durch künstliche Befruchtung auf den Weg ins Leben gesetzt wurde, ist heutzutage keine Seltenheit mehr, also auch nicht zu beanstanden. Dass die verzweifelten Eltern nach jedem Strohhalm griffen, um den kleinen Sohn Andrés zu retten, also zusammen mit den beteiligten Medizinern zielbewusst die Zeugung des Bruders planten – wer mag sich zum Richter gegen sie aufschwingen? Wer sie verurteilen will, muss gleichzeitig Verantwortung für den möglichen Tod von Andrés übernehmen und tragen.

Die voranschreitende Medizin bewegt sich immer häufiger in den Grauzonen der Ethik. Immerhin muss man ihr zugute halten, dass sie versucht, eine materialistische „Ersatzteillager-Genetik” zu vermeiden (vgl. die Debatte um die Stammzelltherapie). Ob die Fortschritte im „genetic engeneering” binnen kurzem alle Grenzen einreißen werden, lässt sich im Augenblick noch nicht absehen. Der Streit zwischen den fortschrittlichen „Lebensbewahrern” und den konservativeren „Grundsatzethikern” bleibt bestehen, und der Autor hofft auf einen segensreichen Mittelweg.

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Kategorien: Allgemein

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2 Antworten zu “Rettung durch die Nabelschnur des Bruders”

  1. Liebmann sagt:

    Wow! So ein süßes Bild! Es kann problemlos DAS BILD DES MONATS sein! :-D

  2. Karl-Otto Scholz sagt:

    Das Bild ist ja verlinkt. Da kannst du den Fotografen kennenlernen. Es sind schon schöne Bilder auf Flickr.com, die zum Einbinden vorgeschlagen werden.

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