Archiv für Oktober, 2009
Die Karawane zieht weiter
Freitag, 30. Oktober 2009
Manche Pastoren schreiben im Ruhestand ihre Memoiren. Andere fahren in das Land ihrer Träume, vielleicht die Toskana, vielleicht sogar ins Heilige Land. Muße, Besinnung und ein fröhlicher Rückblick auf vergangenen Jahre des Wirkens für Herrgott und Gemeinde sei ihnen gegönnt.
Einer jedoch hat schlaflose Nächte im Ruhestand (oder ist es doch eher ein Unruhestand?) und beklagt, über die Wahl einer geschiedenen Theologin zur Ratsvorsitzenden der EKD seien viele Christen, denen Bibel, Bekenntnis und Vorbildfunktion wichtig seien, “enttäuscht, teilweise erschüttert”. Neben den Jubel trete die Sorge um die Kirche. Der das sagt ist der Hamburger Pastor Ulrich Rüß. Die eigene Homepage weist ihn als den 1. Vorsitzenden der “Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis” aus. [Weiterlesen...]
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Jakob Sturm – Diplomat in rauer Zeit
Freitag, 30. Oktober 2009Man freut sich als evangelischer Christ an der Frauenkirche oder an der Musik Johann Sebastian Bachs, an der protestantischen Freigeisterei der Debatte und an schöner Bibelübersetzung. Dies alles ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde von Menschen der Reformationszeit mühsam erkämpft. Die Genese der Kultur läuft oft nur durch politische Änderungsprozesse (ein solcher ist die Reformation ja auch gewesen). Diese aber waren nicht ohne „Blut, Schweiß und Tränen“ zu haben. Einer der prägenden Gestalten der Reformationszeit war Jakob Sturm, der in der freien Reichsstadt Straßburg zuhause war.
Jakob Sturm wurde am 10. August 1489 in Straßburg geboren und stammte aus einem reichen Patriziergeschlecht. Unter dem Einfluss von Jakob Wimpheling , einem Vertreter des oberrheinischen Humanismus, immatrikulierte der Jugendliche sich 1501 an der Universität Heidelberg, und später auch in Freiburg, wo er 1505 Magister Artium wurde und Vorlesungen über Aristoteles hielt. Nebenher schrieb er sich auch bei der Theologie ein und erhielt sogar die niederen Priesterweihen. Dann verliert sich seine Spur ein wenig. Ab 1509 lebte er jedenfalls in seiner Heimatstadt Straßburg und tat sich literarisch hervor. Ein Boheme also war er, der von der Erträgen seines Dorfes Breuschwickersheim gut leben konnte. [Weiterlesen...]
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Das ist wahre Empathie
Donnerstag, 29. Oktober 2009Ich stehe in einer Bäckerei und besorge gerade Kuchen für eine Besprechung. Die Frau hinter dem Tresen bedient mich nett und zuvorkommend. Es ist zwar erst Mittwoch, aber sie wünscht mir beim Einpacken des Wechselgeldes schon mal ein “schönes Wochenende”. Ich lache – sie lacht auch. Hinter mir betritt ein älterer Mann den Laden. Er wird genauso freudig begrüßt wie ich verabschiedet: “Ach – guten Tag Herr …, das ist aber schön, dass Sie da sind. Was haben Sie auf dem Herzen.” – Der ältere Mann ist verzaubert und beginnt sogleich ein längeres persönliches Gespräch. Ich denke beim Hinausgehen wie schnell manche Menschen bei anderen den Türöffner zur Seele finden. Das ist wohl wahre Empathie.
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Meinen Glückwunsch, liebe Margot Käßmann
Donnerstag, 29. Oktober 2009Sie sind neue Ratsvorsitzende der EKD, mit beeindruckender Stimmenzahl gewählt. Meine Hochachtung. Dass Sie eine eloquente Vertreterin des deutschen Protestantismus sein werden, ist sicher. Man weiß ja, dass Sie mit Medien und Fernsehen gut umgehen können. Ihre Landeskirche in Hannover (Niedersachsen darf ich ja nicht sagen, da gibt es ja noch einige andere Landeskirchen in Deutschlands Norden) haben Sie gut aufgestellt. Antiquierte Ansichten kann man Ihnen bestimmt nicht nachsagen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Dass Sie eine strikte Haltung zu Gentechnik, Reproduktionsmedizin und Stammzellenforschung haben, ehrt Sie, ja man erwartet es auch in gewisser Weise von Ihnen. Die Menschen in Deutschland (nicht nur in Ihrer Kirche) brauchen ja ethische Standards, an denen sie ihren Alltag und auch die Zukunft ausrichten können. Dass Sie sich für Babyklappen eingesetzt haben und sich auf die Seite von armen Kindern stellten – chapeau! Dass Sie erst nach dem 1. Advent Ihre Dominosteine essen (essen Sie welche? ich wusste es nicht), auch das ist ein Zeichen von lutherischer Standfestigkeit. Nun – in alledem werden Sie dem Bischof Huber aus Berlin eine gute Nachfolgerin sein. Der hat ja den evangelischen Glauben auch prägnant und klar in die Blöcke der Journalisten diktiert.
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EKD-Synode in Ulm: Die Wahl zur Vorsitzenden steuert auf Käßmann zu
Dienstag, 27. Oktober 2009
Konklave?
Ein neues Oberhaupt muss gewählt werden. Die Wahlberechtigten durchschreiten ein schweres Tor. Dann wird hinter ihnen abgeschlossen. Man betet um den Beistand des Heiligen Geistes und schaut sich verstohlen um. Wer wird es wohl werden? Dann beginnt man langsam Fäden zu spinnen, Kandidaten zu sichten und Chancen abzuschätzen. Meistens wird es nicht der Favorit, sondern eher einer, den niemand auf dem Zettel hatte. Unter Umständen dauert es sehr lange, bis eine Mehrheit sich für einen Namen gesammelt hat. Viele Male wird gewählt, und schwarzer Rauch steigt auf, wenn es wieder nicht gereicht hat. Endlich: weißer Qualm aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle – ein neuer Papst ist gewählt. Bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht das Prozedere einer Papstwahl. Und wählen können nur die Kardinäle (wenn sie nicht zu alt sind!). Konklave ist der Name des Wahlverfahrens – vom lateinischen „con claudere“ , das heißt „gemeinsam einschließen“. [Weiterlesen...]
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