Archiv für November, 2009
Untergang des christlichen Abendlandes?
Mittwoch, 4. November 2009Der Streit um das Kruzifix
In deutschen Möbelhäusern gibt es nichts, was es nicht gibt. Billy-Regal für die junge Familie und das Home-Office, rote Schleiflack-Designerküche mit Dünstofen und Grillrost, Ledersessel aus Wildbüffelhaut. Eines wird man unter den Einrichtungsgegenständen aber kaum finden, ein Kruzifix. Kreuzesfreie Zone sozusagen. Kein Grund zum Jammern. Wer ein Kreuz für zuhause sucht, wird sicher im Klostershop des Nachbarortes fündig oder er baut sich eines im Hobbykeller. Wer also will, wird sich sein Heim christlich gestalten können.
In deutschen Schulen allerdings soll das in Zukunft nicht mehr statthaft sein. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat nun der Klage von Atheisten (?) nachgegeben und die Kreuze für “objectae non grata” also für nicht geduldete Objekte der Glaubensüberzeugung erklärt. Dagegen laufen die mehrheitlich katholisch geprägten Länder wie Bayern und Baden-Württemberg Sturm. Aber auch die Evangelischen haben keinen Grund, sich über das Urteil zu freuen. Zwar wird dadurch die Trennung von Staat und Kirche unterstrichen, doch die kulturelle Dominanz des Christentums im Europa des 21. Jahrhunderts beginnt spürbar zu wanken. Was früher galt, gilt nicht länger. Rationalität, kritisches Denken, Christentum, Menschenrechte, Demokratie und Sozialstaat werden zur Zeit noch als Kulturfaktoren des Abendlandes genannt – aber wird die christlich-jüdische Tradition demnächst aus diesem Katalog herausfallen?
… offenbart eine Herausforderung
Es ist an den deutschen Kirchen selbst, die Stärken des monotheistischen Gottesbildes und die altruistischen Tugenden der Bergpredigt Jesu herauszustellen und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Ob sie dazu die innere Kraft und Überzeugungsstärke finden? Es will scheinen, Bischöfin Käßmann, die neue Ratsvorsitzende der EKD, hat viel zu tun.
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News
Mittwoch, 4. November 2009Headline: Streit um das Kreuz
Das ablehnende Urteil des Menschenrechtsgerichtshofes zu Kreuzsymbolen in Schulen sorgt in Italien und Deutschland für Irritationen.
Deutsche Kirchen beklagen Kirchensteuermindereinnahmen von zehn oder mehr Prozent im Jahre 2009. Schuld seien Kündigungen und Lohnsteuersenkung.
Journalist Matthias Drobinski von der „Süddeutschen Zeitung“ ortet ein „Sprachproblem“ in den Kirchen. „Insider-Metaphern“ seien für weite Teile der Gesellschaft völlig unverständlich.
Anglikanische Kirche in England verspekulierte Rentenkasse ihrer Pfarrer. Durch Fehlspekulationen an der Börse fehlen 800 Millionen brit. Pfund. Die Geistlichen sollen nun bis 68 arbeiten.
Bundespräsident Horst Köhler dankt dem in den Ruhestand gehenden Berliner Bischof Wolfgang Huber für dessen Einsatz für das Gemeinwohl und die evangelische Kirche. Huber sei zu einer “intellektuellen und moralischen Instanz” geworden.
Kirchliche Beschäftigte aus allen Kirchen Deutschlands fordern von ihren Arbeitgebern “normale Tarifverhandlungen”.
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Der Rummel um Riegers Person
Mittwoch, 4. November 2009
Jürgen Rieger, eine der bekanntesten Neonazi-Größen, ist gestorben. Die Angehörigen wollen weder Starruhm noch Totenkult für ihn, der mit Kult und Rummel um “Führungspersonen” viel anfangen konnte. Eingeäschert soll er werden. Und am besten ausgestreut, so dass man den Ort seiner Totenruhe nicht mehr kennt. Die NPD, Nachfolgepartei der tausendjährigen “Armheber-Bewegung” will einen Gedenkmarsch für Ihren Helden Rieger. In Wunsiedel will man auflaufen. Dort liegt schon der Führer-Stellvertreter Rudolf Heß begraben.
Der Autor meint: Zuviel der Ehre!
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News
Dienstag, 3. November 2009Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hat entschieden: das Anbringen von Kreuzen in staatlichen Schulen verstößt gegen die Menschenrechtskonvention.
Wohlfahrtsverbände kritisieren die geplante Verkürzung des Wehrdienstes in Deutschland.
Synode der Evangelischen Landeskirche Anhalts kommt am 13. und 14. November zu ihrer Herbsttagung zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen steht der Haushalt 2010.
Die Kirchengemeinde St. Marien in Lübeck wird ab 2010 zwei Euro “Erhaltungsgebühr” von jedem Touristen bzw. Besucher erheben.
Bürgerin aus Verden/Aller klagt gegen Domgemeinde wegen Ruhestörung durch Kirchenmusik.
Evangelische Kirche und Parteien sind ratlos im Thema Sterbehilfe. Weder kategorisches Ja noch Nein kommen infrage, so EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Käßmann.
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News
Montag, 2. November 2009Evangelische und alt-katholische Kirche fordern am Reformationstag mehr Fortschritte in der Ökumene. Die anhaltende Trennung beim Abendmahl sei anstößig.
Katholischer Kurienkardinal Walter Kasper bezeichnet in einem ökumenischen Gottesdienst die Spaltung der Kirchen als Sünde und Skandal.
Homosexuelle Paare können in der evangelischen Kirche keinen Segen für die Ehe bekommen, allerdings ihre Liebe in einer Fürbitt-Andacht gestaltet zum Ausdruck bringen. (Bischöfin Käßmann im Interview mit der Badischen Zeitung).
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers entschuldigt sich bei misshandelten Heimkindern.
82 % der Deutschen halten eine geschiedene Frau an der Spitze der EKD für glaubwürdig (Umfrage BILD).
Kardinal Meisner aus Köln vergleicht in einer Predigt zum Allerheiligenfest das Weltbild des Evolutionsbiologen Richard Dawkins mit dem der Nazis.
Evangelische und katholische Kirchen feiern 10 Jahre “Erklärung zur Rechtfertigungslehre”.
Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller kritisiert Haltung der Evangelischen Kirche im Jahre 1989.
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