Archiv für Dezember, 2009

Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise

Freitag, 25. Dezember 2009

Bild: "Piece of Ship" von "OneEighteen" auf Flickr.com

Es gibt Menschen, die stehen mit ihrem Leben für eine ganze Generation. Es gibt Menschen, an denen sich andere aufrichten können, wieder Hoffnung schöpfen. Es gibt Menschen, deren Verhalten getrost zur Maxime einer allgemeingültigen Ethik werden könnte (im Sinne Kants). Zu diesen Menschen gehörte der Seemann und Kapitän Yitzhak (Ike) Aharonovitch.

Am Mittwoch starb er 86jährig. Berühmt wurde er mit dem unter seinem Kommando fahrenden Flüchtlings-Schiff  ”Exodus“, mit dem er die britische Blockade Palästinas durchbrechen wollte. Das Schiff startete 1947 in Frankreich in Richtung des damals von den Briten kontrollierten Mandatsgebiet Palästina mit 4554 Passagieren an Bord. Diese waren überwiegend Holocaustüberlebende. Die britische Marine brachte das Schiff allerdings auf und schickte die Flüchtlinge nach Deutschland, wo die Menschen auf ehemalige Konzentrationslager verteilt wurden, die von den Alliierten in der Zwischenzeit in Lager für so genannte  ”displaced persons” umfunktioniert worden waren. Darüber kam es zu weltweiten Protesten.  Kapitän Yitzhak Aharonovitch wurde durch sein vorbildliches Verhalten in den dramatischen Wochen auf See berühmt. Seine Civilcourage bleibt unvergessen.

Die Irrfahrt der „Exodus“ inspirierte den amerikanischen Schriftsteller Leon Uris zu seinem gleichnamigen Doku-Roman, den 1960 Otto Preminger zu einer Hollywood-Saga verfilmte. Kommentar des bekannten israelischen Schriftstellers Joram Kanjuk überYitzhak  Aharonovitch: dieser habe  mit seinem Mut den britischen Mandatsbehörden „moralisch das Genick gebrochen“.  Ein “Träumer und Kämpfer” wie sein Bruder ihn titulierte, tritt nun seine letzte große Reise an.

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Die Schrecken der Moderne: Heimatlosigkeit und Zukunftsvergessenheit

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Bild: "Christmas in the year 2050 - Navidad en 2050 - Weihnachten im Jahr 2050" von "alles-schlumpf" auf Flickr.com

Normalerweise achtet man in Geschichten (auch in Bibelgeschichten) auf die Personen: also Maria und Josef, das heilige Paar – draußen in Nacht und Kälte mit einem kleinen Kind im Arm, besucht von wilden Gesellen. Bei dem Titus-Brief ist das anders. Er nimmt uns gefangen mit Tätigkeitswörtern.

Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.

Wenn wir die Weihnachtszeit betrachten, dann fällt auf: Wir sind vorher tätig – sehr sogar – und dann ist diese kurze Zeit wo wir in allem die Seele baumeln lassen, die Füße hochlegen, schöne Musik hören, Familie um uns haben, schön essen. Und wir gehen in die Kirche und besinnen uns auf unser Leben, wie wir sind und wie wir sein wollen, und auf unsere Mitmenschen. Wir nutzen die Zeit, um in uns zu gehen. Nur Toren wuseln so weiter wie bisher. Nach Weihnachten aber sind wir wieder tätig. Das Leben geht weiter. „Das Tun“ nimmt mehr Raum ein als unser Stille sein.

Man weiß nicht, ob der Apostel Paulus tatsächlich diesen Brief an seinen Freund und Weggefährten Titus geschrieben hat. Womöglich wurde er in seinem Sinne, in seiner Würde verfasst für spätere Christengenerationen. Wichtig ist das aber nicht. Wichtig ist, dass sich da einer Gedanken machte über die Bedeutung Jesu Christi, besonders über das Wirken des Heilandes. Sein Tun ist heilend, heilsam, es schafft Heil. Jesus Christus macht heile, was zerbrochen war. Schauen wir uns die Tätigkeitswörter genauer an: Jesus erlöst, Jesus gibt sich hin, Jesus reinigt. Wie einen Hohenpriester – und doch auch wie einen Messias, wie einen gesalbten König beschreibt ihn hier der Schreiber des Briefes. Schlagen  wir in den anderen Geschichten der Bibel nach: immer dasselbe Ringen um die Bedeutung des Heilandes, des Messias, des Gottesknechtes Jesus. Wer bist du für uns? Diese Frage steht immer im Vordergrund. In der Weihnachtsgeschichte: du bist arm zur Welt gekommen, solidarisch mit den Ärmsten. In den Wundergeschichten: du bist der Herr über alle Mächte und Gewalten, du machst gesund, weckst auf vom Tod, solidarisch mit den Leidenden. In der Passionsgeschichte: du bist unschuldig verurteilt worden und wurdest gekreuzigt, solidarisch mit den Verfolgten. In der Ostergeschichte: du bist zurückgekehrt aus dem Reich des Todes, auferweckt vom Schöpfer des Lebens, von Gott-Vater, solidarisch mit den Sterblichen. In der Pfingstgeschichte: du bist mit deinem Geist bei deiner Kirche, solidarisch mit denen, die die Welt gerechter machen wollen. Und über allem: für uns – solidarisch mit uns!! [Weiterlesen...]

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Kirchgang in Kummerow

Dienstag, 8. Dezember 2009

Bild: "Bikergottesdienst in Mötzlich" von "baerchen57" auf Flickr.com

Leider gibt es diese Tendenz, Ausgetretene wie Straffällige zu behandeln, denn Kirchenaustritt ist Sünde – meinen jedenfalls die prinzipientreuen Kirchenältesten und auch manche Pfarrer. Natürlich könne man dieses Verhalten nicht gutheißen, aber vielleicht finde ja der eine oder andere später einmal wieder zu seinem Herrgott zurück – so die vielleicht zu naive Überlegung. Besondere Rückgewinnungsanstrengungen aber unternimmt die Kirche im Ganzen eher nicht. Dazu haben die Pfarrer auch keine Zeit, müssen sie ja den verbliebenen Gemeindemitgliedern eine attraktive Kirche bieten – und das ist schon schwierig genug. Die hohe Hürde bei Kirchenfernen zu überwinden, scheint fast unmöglich.

Überraschend aber, was die Theologen Johannes Zimmermann und Michael Herbst kürzlich bei einer Präsentation ihrer Umfrageergebnisse in Greifswald als neueste Erkenntnis präsentierten: die Kirche solle Menschen nicht auf ihre jetzige Distanziertheit Gott und dem christlichen Glauben gegenüber festlegen. Wer heute Kirchenskeptiker sei, der könne morgen durchaus wieder gläubig werden. Denn Bekehrungen erlebten vor allem Ältere ab der Lebensmitte über 40 Jahren. Besonders der Kontakt zu anderen engagierten Christen sei entscheidend für eine neue Hinwendung zum Glauben, aber auch der ganz normale traditionelle Gottesdienst biete Chancen, ein Gottesdienst, der Raum zum Nachdenken biete. [Weiterlesen...]

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