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Schnupfenmonologe

Von Karl-Otto Scholz | Sonntag, 31. Januar 2010

Bild: "Die Grippeviren werden immer aggressiver ..." von "tiegeltuf" auf flickr.com

Mit manchen Dingen muss man einfach leben lernen, ohne dass sie einem nützen, mit Quittengelee beispielsweise oder kalten Füßen. Wer aber hat um Himmels willen den Schnupfen erfunden. Das müssen mir die Kreationisten noch erklären. Vielleicht so? Gott wollte den Schupfen, damit die Papiertaschentuchindustrie etwas zu verdienen hat. Oder: Gott wollte den Schnupfen, damit Masochisten fünf Tage leiden “dürfen”. Oder: Gott wollte den Schupfen, damit der Mensch ab und zu auch mal gebremst wird in seinem Denken.

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott den Schnupfen wollte, es sei denn der Virus, der dafür verantwortlich ist, verbessert auf irgendeine Weise den Wettkampf der Arten in der Evolution. Dann arbeitet er vielleicht schon heimlich still und leise an seiner eigenen Abschaffung, weil er die Entwicklung zu einem schnupfenresistenten Wesen auftut.

Ich glaube eher, dass die Tempotaschentücherforschung hinter allem steckt. In irgendeinem Labor reifen immer neue Schnupfenkeime heran, die lautes Niesen (Verbreitungstaktik des Virus) und laufende Nase (besonders schnupfenfreundliches Milieu) erzeugen, damit der gequälte Mensch in der nächsten Rossmann-Filiale zur Jumbo-Packung greift.

Wie auch immer: niesologisch betrachtet ist Schnupfen ein frömmigkeitsstiftendes Ereignis. Der demütige Mensch zieht sich in sein Bett zurück, liegt vor Gott in seinem Gebet und bittet ihn um Heilung der geröteten Nase. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, fiebrig-glasigen Blickes, auf Null gebracht von einem Wesen, das selbst im Mikroskop noch winzig aussieht.

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Kategorien: Allgemein

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Eine Antwort zu “Schnupfenmonologe”

  1. Noah sagt:

    Herrlich!! Danke für diesen schönen Text!

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