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Beten lehrt Demokratie
Von Karl-Otto Scholz | Dienstag, 23. November 2010
Welche Bedeutung hat eigentlich die Religion? Ist sie lediglich Surrogat für den frommen “Verdränger”? Macht sie fit gegen Krankheiten, weil sie das Immunsystem durch ein allgemeines Wohlgefühl stärkt? Fördert sie durch ihren Alleinvertretungsanspruch womöglich das kriegerische Handwerk? Oder stabilisiert der Staat damit die Treue seiner Untertanen?
Was jetzt Theologen und Sozialwissenschaftler mehrerer Universitäten in der deutschen Forschungsgruppe “Religion und Gesellschaft” herausgefunden haben, ist so schön für das kirchliche Establishment, dass es schon wieder unglaubwürdig klingt: die Religion und alle mit ihr verbundenen Werte hätten eine herausragende Bedeutung in der Sozialisation von Kindern. Demnach wirke sich die Akzeptanz religiöser Wertorientierungen auch auf die Ausbildung anderer Wertebereiche aus und habe somit Einfluss auf die spätere Lebensführung – so das Ergebnis einer Studie. Die Wissenschaftler befassen sich insbesondere mit der religiösen Sozialisation von acht- und neunjährigen Kindern in Deutschland. Das lässt aufhorchen. Denn die deutschen Kirchen suchen im Diskurs um die Privilegien und Kirchensteuern nach Argumenten für ihre staatliche “Nützlichkeit”. Zugegeben – das sollte nicht der Maßstab sein, an dem die verfasste christliche Religion ihre eigene Arbeit misst, aber das sie keine Rolle spielt, ist auch nicht wahr.
Was sagt die Studie weiter: Die christliche Religiosität gehe einher mit einem höheren Vertrauen in Personen und Institutionen. “Vertrauen ist Teil des Sozialkapitals einer Gesellschaft und wird mit gesellschaftlicher Stabilität, politischer Partizipation und Akzeptanz demokratischer Regierungsformen in Verbindung gebracht. Somit trägt die christliche Religion zum Zusammenhalt in der Gesellschaft bei”, betonen die Heidelberger Wissenschaftler Dieter Hermann und Angelika Treibel.
Für die Großkirchen in Deutschland kann das Fazit nur sein, die religiöse Erziehungskompetenz der Eltern in den ersten zehn Jahren im Leben ihrer Kinder zu stärken. Des weiteren ist zu fragen, ob der Konfirmandenunterricht in diesem Lichte besehen bei 14jährigen nicht zu spät kommt. Die entscheidenden Weichen für die Wertebildung sind da schon längst gestellt.
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Kategorien: Allgemein
Tags: Beten | Demokratie | Religion


Dienstag, 30. November 2010 um 22:07 Uhr
Wo sind denn die Eltern, die ihren 8-12jährigen Kindern noch eine religiöse Erziehung bieten könnten oder wollten? Da müssten in der Tat erst einmal die Eltern “erzogen werden” – und an die heranzukommen als Kirche ist nicht so einfach, nicht wahr?
Donnerstag, 2. Dezember 2010 um 20:17 Uhr
Tja – religiöse Erziehung beginnt wohl schon im Kindergarten, wird fortgesetzt in der Grundschule. Gutwillige Erzieherinnen, positiv gestimmte Lehrer/innen, aber besonders aufgeschlossene Eltern tragen Verantwortung, dass aus den Kindern liebevolle und Rücksicht nehmende Wesen werden. Interessant ist eben, dass gerade die religiöse Frühbildung später gute Früchte trägt. Diese Aufgabe stellt sich in jeder Generation neu.
Herzl. Grüße, Karlo