Archiv für Januar, 2010

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Schnupfenmonologe

Sonntag, 31. Januar 2010

Bild: "Die Grippeviren werden immer aggressiver ..." von "tiegeltuf" auf flickr.com

Mit manchen Dingen muss man einfach leben lernen, ohne dass sie einem nützen, mit Quittengelee beispielsweise oder kalten Füßen. Wer aber hat um Himmels willen den Schnupfen erfunden. Das müssen mir die Kreationisten noch erklären. Vielleicht so? Gott wollte den Schupfen, damit die Papiertaschentuchindustrie etwas zu verdienen hat. Oder: Gott wollte den Schnupfen, damit Masochisten fünf Tage leiden “dürfen”. Oder: Gott wollte den Schupfen, damit der Mensch ab und zu auch mal gebremst wird in seinem Denken.

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott den Schnupfen wollte, es sei denn der Virus, der dafür verantwortlich ist, verbessert auf irgendeine Weise den Wettkampf der Arten in der Evolution. Dann arbeitet er vielleicht schon heimlich still und leise an seiner eigenen Abschaffung, weil er die Entwicklung zu einem schnupfenresistenten Wesen auftut.

Ich glaube eher, dass die Tempotaschentücherforschung hinter allem steckt. In irgendeinem Labor reifen immer neue Schnupfenkeime heran, die lautes Niesen (Verbreitungstaktik des Virus) und laufende Nase (besonders schnupfenfreundliches Milieu) erzeugen, damit der gequälte Mensch in der nächsten Rossmann-Filiale zur Jumbo-Packung greift.

Wie auch immer: niesologisch betrachtet ist Schnupfen ein frömmigkeitsstiftendes Ereignis. Der demütige Mensch zieht sich in sein Bett zurück, liegt vor Gott in seinem Gebet und bittet ihn um Heilung der geröteten Nase. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, fiebrig-glasigen Blickes, auf Null gebracht von einem Wesen, das selbst im Mikroskop noch winzig aussieht.

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Religiöse Kabale in Malaysia

Freitag, 29. Januar 2010

Bild: "Sunny Day in Kuala Lumpur" von "Stuck in Customs" auf Flickr.com

Kaum schreibe ich über mehr Toleranz zwischen Muslimen und Christen, da lese ich schon vom Gegenteil: von religiös motivierter Gewalt in Malaysia.

Link: http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_5187874,00.html

Christliche Kirchen wurden überfallen, ein Sikh-Tempel, ja sogar Moscheen – wer tut sowas? Immerhin schaut der Staat Malaysia nicht weg, sondern bringt diese Vergehen zur Anklage: drei Männer werden beschuldigt.

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Muezzins Ruf vom Kirchturm

Freitag, 29. Januar 2010

Bild: "Across the bay" von "maistora" auf Flickr.com

Kunst soll überraschen und verblüffen. Kunst soll verfremden. Kunst soll die Gedanken hinführen zum “Was-wäre-wenn”. Kunst soll Neues wagen.

Was aber wenn die Kunst zunächst nicht als Kunst erkannt wird. Wenn simuliert wird, was anderswo schon ein Skandal war. In der Schweiz hat man den Bau von Minaretten an muslimischen Gotteshäusern verboten. Ein großer Streit um den wahren Weg zur Toleranz-Kultur brach los. Ist sogar bis nach Deutschland geschwappt. Also- was wäre, wenn der Ruf eines Muezzins, eines islamischen Vorbeters, durch die Straßen einer normalen (hauptsächlich katholischen) Stadt in Deutschland schallen würde. So dachte sich die Berliner Künstlerin Miriam Kilali – und schritt zur Tat. [Weiterlesen...]

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Streitbare Kirche – evangelisches Wort zu Afghanistan

Dienstag, 26. Januar 2010

Bild: "Dreaming" von "rob7812" auf Flickr.com

Streitbar ist sie – die Evangelische Kirche Deutschlands. Zunächst warf die EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Käßmann einen Stein ins Wasser, der Kreise zog: ihre Neujahrspredigt erregte die Gemüter, vor allem die der altgedienten Außenpolitiker und Militärexperten von CDU und SPD. Minister Guttenberg sah sich gar zu einem Gespräch mit der Ober-Protestantin Deutschlands genötigt. Wer wen zum Gespräch einlud, blieb im Dunkel, spielt aber auch keine Rolle mehr. Bundespräsident Köhler lobte in Hildesheim (anlässlich der 1000-Jahr-Feier der renovierten Michaelis-Kirche) das Friedensengagement Käßmanns und sah einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um Afghanistan. Auch andere Vertreter der EKD, so der Vize Präses Schneider, stärkten der Hannoverschen Bischöfin den Rücken. Was beinahe als beiläufiger Predigtbeitrag in der schönen Dresdner Frauenkirche gestartet war, wuchs sich aus zum Diskurs der friedenspolitischen Eliten Deutschlands. Endlich! [Weiterlesen...]

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Der Blitz des Glaubens aus den Gewehrläufen

Montag, 25. Januar 2010

Bild: "The Exact Moment" von "Schlüsselbein" auf Flickr.com

“Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.” (2. Korinther 4,6) Manche Prediger zielen mit erbaulichen Bibelversen auf die Seelen ihrer Gläubigen. Erbaulich meint: der Mensch soll in ihnen sein Heil entdecken. Was aber jetzt aus den USA bekannt wird, spricht allem friedliebendem Jesus-Glauben Hohn. Ein Produzent von Zielfernrohren für Feuerwaffen beschriftet die Metalloberflächen mit Bibelversen. Wenn das Mündungsfeuer aus den Gewehrläufen blitzt, dann möge sich der gottlose Feind womöglich schnell noch bekehren.

Eine geistlose Verirrung – eine Verkehrung des Evangeliums in ihr Gegenteil. Aus froher Botschaft wird witwenmachende Botschaft. Den Kommentator graust es bei dem Gedanken.

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