Archiv für Mai, 2010
Lena for germany – Lena for president
Montag, 31. Mai 2010Bundespräsident Köhler ist zurückgetreten. Keine Hand in der CDU/CSU/FDP hat sich in den letzten Tagen mehr für ihn gerührt. Unwidersprochen wurde von verschiedenen Seiten sein Radio-Interview zur Frage deutscher Militäreinsätze im Ausland kritisiert. Die eigenen Leute wandten sich pikiert von ihm ab, schlossen die Reihen nicht mehr hinter ihm. Einsamkeit griff nach seinem Herz. Solidarität der Parteifreunde sieht anders aus.
Aber dieselbe Erfahrung scheint Roland Koch, der hessische Ministerpräsident, gemacht zu haben. “Reisende soll man nicht aufhalten”, munkelte man schon lange auf den Residenz-Fluren Berlins, entzog dem eloquenten selbsternannten Vertreter der Abteilung Attacke nach und nach den Nährboden der politischen Wirksamkeit: das Ernstgenommenwerden in den eigenen Reihen. Die Kanzlerin hatte ja auch anderes zu tun, als sich um Schwachstellen ihrer Regierung zu kümmern. Die Umfragewerte sanken beinahe wöchentlich. Die Weltwirtschaftskrise, Afghanistan, die NRW-Wahl, Absturz des Euro – dies alles ist für sich genommen ein abendfüllendes Administrationsprogramm, im Verein sorgten sie für Burn-Out im Kanzleramt.
Wer soll nun dem traurigen Köhler nachfolgen? Erste Namen werden genannt, aber auch bereits wieder verworfen. Es scheint nicht opportun, vorzeitig aus der Deckung zu kommen. Aber eines ist klar: der nächste Präsident muss allgemein anerkannt sein. Es reicht nicht, für 30 Tage mit dem üblichen Wahlkampfgetöse in eine Schlacht zu ziehen. Die Verfassungskrise, in die Köhler die Bundesrepublik gestürzt hat, kann eigentlich nur im Konsens geheilt werden. Darf es eine Frau sein? Gesine Schwan – schon zweimal erfolglos angetreten. Margot Käßmann – keine schlechte Idee.
Die Kabarettisten werden vielleicht auf folgende Idee kommen: nehmt Lena Meyer-Landrut, sie weiß, wie man Herzen für sich einnimmt. Lena for Germany – go for gold. Ihr steht das schwarz-rot-goldene Tuch besonders gut.
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Zoff auf der Großbaustelle
Donnerstag, 27. Mai 2010Da war mal eine Riesenbaustelle: Babylon, Tigrisufer 1. Ein Turm sollte es werden. Von Gott aus gesehen, nur ein Türmchen. Tausende Arbeiter schufteten auf der Baustelle, Krane gab es noch nicht so raffinierte wie heute. Viel Muskelkraft. Und dann – in der Mitte der Bauzeit – plötzlich der Zusammenbruch des Projektes: Bauherr und Arbeiter sprachen nicht mehr von derselben Idee. Die Bauarbeiter – aus alle Herren Ländern zusammengetrommelt – verstanden sich nicht. Dazu die Lohngefälle: Bauarbeiter aus Babylon beanspruchten einen anderen Lohn als die zugelaufenen Fellachen aus Arabien. Die Inder – wieder ein anderes Problem – machten mit ihrem Fleiß den Akkord kaputt. Auf der Turm-Baustelle gab es Zoff.
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Der Himmel – Terra Incognita
Donnerstag, 27. Mai 2010Eine schräge Welt – das Paradies. Gleich hinter Euphrat und Tigris – irgendwo bei den Flüssen Pison und Hawila. Weiß irgendjemand wo die sind? „Terra Incognita“ – unbekanntes Land, weißer Fleck auf der Landkarte. Weiß irgendjemand, wie man diese Welt findet? Dort steht ein großer Engel vor dem Tor und bewacht den Garten Eden – ein Flammenschwert in der Hand. So heißt es jedenfalls in der Bibel – ganz vorne, da wo von Weltschöpfung und Menschwerdung erzählt wird. Unüberwindlich dieser Engel. Gott hat ihn da hingestellt. „So leicht kommst du nicht hinein, mein Freund.“
Nur Narren machen sich auf den Weg. Wie soll man denn dieses Terra incognita finden? Auf keiner Landkarte ist es verzeichnet. Der gewöhnliche Kompass versagt. Nur Narren machen sich auf den Weg. Und Heilige. Solche, denen jeder Weg recht ist, weil er ja doch zu Gott führt. Und kleine Zauberlehrlinge wie Harry Potter. Schön beschrieben ist es ja im ersten Buch der Zauber-Saga: „…Gleis 9¾ im Bahnhof King’s Cross“. Einfach auf die Wand zulaufen. Muggels, also die Normalsterblichen holen sich blutige Nasen. Harry landet in der Gegenwelt. Leicht gesagt, besser: leicht geschrieben. Aber hat jemand im Bahnhof King´s Cross nachgeschaut? Da gibt’s kein Gleis 9¾. [Weiterlesen...]
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Vergiss es nie: dein Leben – ein Geschenk
Donnerstag, 27. Mai 2010Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und das du atmest, kein Entschluss von dir. Vergiss es nie: Das du lebst, war eines anderen Idee, und das du atmest, sein Geschenk an Dich. Lieder sind zum Singen da. Erst ist da die Musik, die einen mitnimmt, dann vielleicht die Bindung an einen bestimmten Künstler, dann der Text. Früher saß man mit 14 Jahren vor dem Radio und schrieb die Texte mit. Heute stehen sie im Internet. Man möchte ja nicht nur mitsummen, sondern mitsingen. Manchmal fesselt der Text. Da hat sich einer Gedanken gemacht. Oder es schimmert etwas von seinem Leben durch, von seiner Biographie. Jürgen Werth heißt der Dichter dieser Liederverse. 1951 geboren – ausgebildeter Journalist – Chefredakteur des Evangeliumsrundfunks – 3 Jahre Sprecher beim Wort zum Sonntag – heute in leitender Stellung in einem großen christlichen Verband.
Du bist du – 2004 auf CD erschienen. Ein Hit. Sofort. Warum? Nicht nur weil die Melodie eingängig ist, sondern weil jeder versteht, worum es geht: du – bist – geachtet. Du bist kein Nobody. Du bist eben du. Das verstehen auch die Kinder in den Plattenbauten von Berlin Marzahn, nicht nur die behüteten. Und vergessen sollen sie es nie – sagt Jürgen Werth. Kann schon passieren, wenn man auf der großen Welle geschwommen ist wie der große Fußballer Ribery – und plötzlich ist man der Loser. Im Überschwang einen Fehltritt begangen, wofür ihm seine Ehefrau die Ohren langzieht, aber dann an die weltweite Öffentlichkeit gezerrt. Hier der begnadete Star – dort der Depp. Man kann tief fallen. Davor haben alle Angst – ein bisschen. Wir sind ja nicht Ribery. Wir stürzen nicht aus solcher Höhe, wenn uns mal was danebengeht, wenn wir in Überschwang oder Dollerei ins Abseits geraten. Vergiss es nie – das meint: selbst in solchen Augenblicken, wo du im Boden versinken magst, erinner dich dran: du bist ein Gedanke Gottes. Selbst du, der du dich für normal hältst – ein genialer Gedanke Gottes. [Weiterlesen...]
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