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Engel dürfen zittern

Von Karl-Otto Scholz | Freitag, 17. Juni 2011

Bild: "Interesting Qs" von "qthomasbower" auf Flickr.com

Engel dürfen zittern.
Sie zittern neidisch und leis.
Sie erbeben weiß und intim.

Oh Gott! Vergiss dieses nie!
Ach was wohl wollen, was bereuen?
Die Baeche?!

Erbebende Engel!
Neidisch zittern die Engel,
neidisch und intim.

Mitunter fehlt eine Würdigung beim dörflichen Schützenfest. Auch Jubilare wollen geschliffene Verse hören. Was tun, wenn die Zeit knapp ist oder es an Ideen mangelt? Woher die schönen Worte nehmen, wenn nicht stehlen (das Plagiat lauert immer und überall!)?

Nun ist Hilfe da. Poetron (V4.1) – “Günters Genialer Gedicht Generator” schafft Kunstwerke, die  keinen bleibenden Wert darstellen, aber dennoch zum Schmunzeln anregen. Ein Werk von etwa 5 Sekunden kann man oben lesen. Schlüsselwörter eingeben, Startbutton drücken – und sich überraschen lassen. Die Lyrik ist erstaunlich lesbar, wenn auch sinnfrei. Oder tut man den Worten Unrecht? Sinn ist ja, wenn jemand Sinn entdeckt. Und Menschen sind auf deutendes Vergleichen von der Evolution optimiert worden. Warum also keine maschinengenerierte Lyrik?

Der Tag wird kommen, da kann man die Gedichte nicht mehr unterscheiden, hier die in Verzweiflungsnächten gesponnenen Lyrikfäden, dort die Bits und Bytes, die Blitze der Elektronen, die schier Unberechenbares ausspucken und uns so verblüffen. Ist das dann das Ende der Literatur, des Menschen überhaupt? Ist der, der Sinn schafft und Sinn heraus liest dann überflüssig?

Seien wir gerecht. Lassen wir den Computer zu Wort kommen:

Engel dürfen zittern. Wir gönnen es ihnen. Und auch den Neid wollen wir ihnen lassen, kennt doch die Religionsforschung den Typus des gefallenen Engels. Man möchte Gott warnen vor seinen Dienern. Titanenhaft schimmert das Schicksal Hiobs durch die Zeilen. Der Versucher ist immer und überall.

Unerwartet dann aber die Volte, die Frage ins Ungefähre, was denn die Bäche (des Südlandes?) bereuen könnten, ja mehr noch wollen könnten. Bis jetzt hat man das fließende Wasser für den Ausdruck des Nachgiebigen gehalten, des ewigen Kreisens von Energie und Materie in Zeit und Raum. Nun aber haben auch Bäche ein Bewusstsein, das ihnen ein Wollen eingibt. Zum Meer! Wo sollten sie anders hin wollen?

Zuletzt der (versöhnliche?) Ausblick: das Neiden der Engel bleibt denn doch etwas Intimes, Diskretes, vielleicht sogar etwas Mysterienhaftes.

Sieht ein Computer womöglich mehr als wir, haben wir etwas übersehen? An den Engeln? An den Bächen? An Gott?

Ich sehe am Horizont das Zeitalter der AI-Kabbalistik heraufdämmern (AI= künstliche Intelligenz). Alles hängt mit allem zusammen. Alles führt uns irgendwie irgendwann in die Tiefe des Seins. Alles ist miteinander verwoben, tanzt den Reigen der wikipedialen Verweisketten, lässt uns andächtig werden vor dem Altar des ewigen Generators. Generator?…da war mal was…heißt das nicht “Schöpfer”?

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Kategorien: Allgemein

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Eine Antwort zu “Engel dürfen zittern”

  1. Klaus Rose sagt:

    Hallo Karlo, der “Reigen der wikipedialen Verweisketten” hat mir gefallen. Die Gefahr ist groß, aber der Nutzen überwiegt aus meiner Sicht noch.Wer seine Stärken nur am PC zeigt, ist in Wirklichkeit schwach.Immer wichtiger wird die Bewährung im freien Gespräch, so wie wir das versuchen zu praktizieren. Kompliment an Kerstin für ihre Literatur. Grüße v. Klaus

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