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Lucky Panscher
Von Karl-Otto Scholz | Montag, 29. August 2011
Der Verein Deutsche Sprache e. V. (VDS) hat wieder zugeschlagen. Seine Mitglieder durften im Juni dieses Jahres die schlimmsten „Sprachpanscher“ der deutschen Sprache wählen. Panschen ist ein Wort französischer Herkunft und bedeutet „etwas mischen“. Jemand vermengt also einen Stoff mit anderen minderwertigeren, um in betrügerischer Absicht einen höheren Gewinn aus seinem Produkt zu erzielen. Aha soweit so gut.
Illuster ist die Liste allemal. Finden sich doch darauf so verdächtige Zeitgenossen wie den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, René Obermann, der in seiner Firma schon längere Zeit sein wortverdrehendes Unwesen treibt. Angebote wie Instant Messaging, Installation Services, Business Flat Premium und Shared Cost International erregten das Missfallen der deutschen Sprachhüter. Auch Kristina Schröder, die Bundesfamilienministerin bekleckerte sich nicht mit Ruhm, als ihr Haus den Equal Pay Day erfand. Was um Himmels willen ist das? Frau Schröder möchte, dass gleicher Lohn für Frau und Mann gezahlt werde. Warum so verklausuliert?
Nun aber stutzt der interessierte Leser und Gourmet der deutschen Sprache. Steht doch auf dem Wahlzettel gegen die Deutsch-Verhunzer plötzlich ein Name, den man eher in der Nachfolge Martin Luthers als Sprachschöpfer vermuten würde: Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, tröstet sich selbst und seine Gläubigen mit LutherActivities wie Wellness für die Männerseele, Marriage Weeks oder Worship Summerpartys. Der hat doch predigen gelernt, denkt man, und dem „Volke aufs Maul zu schauen“. Der schien uns bis jetzt unverdächtig, ja geradezu als Garant für das Deutsche in der Sprache. Stellvertretend wird er vom VDS geprügelt, sozusagen als „representative“, als „sostituto“ für seine Kirche im Ganzen. Ist es schon so weit gekommen?
Mit Hintergedanken, so mutmaßen gewiss zahlreiche Spötter der Kirche, robben sich die Kreativ-Abteilungen der deutschen Landeskirchen an die polyphonen Zeitgenossen heran, wollen Gleiche unter Gleichen sein und sich dem herrschenden „Mainstream“ anpassen. Zukunftsfähigkeit wird durch forsches und saloppes „Denglisch“ suggeriert. Die weltweite, also „ökumenische“ Kirche hat den Slang von Kirchentagen und Genfer Bibelkongressen im Ohr, kriegt das Kauderwelsch nicht mehr aus der Zunge, verheddert sich im bunten Zeitgeistgequatsche.
Alle Jahre wieder geht der Aufschrei durchs Land: „Wir wollen wieder schöne deutsche Worte hören.“ Ändern tut sich wenig. Lyrik fristet in den Buchhandlungen ein Schattendasein. Moderne Predigten greifen wohl Alltagsgeschichten auf, verpassen aber den nötigen inhaltlichen Tiefgang. Der Kompass für das Wort geht zuerst verloren, danach womöglich auch der für die Worte.
Übrigens: an Nikolaus Schneider ist der Kelch der Wahl vorüber gegangen. Gewählt wurde René Obermann. Nochmal Glück gehabt. „Lucky Pansch“.
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Kategorien: Allgemein


Montag, 29. August 2011 um 15:46 Uhr
Frage:
Wie beurteilen Sie die willkürliche Prägung von Anglizismen, die selbst im Englischen keinen Sinn machen oder dort nicht vorzufinden sind?