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Mein religiöser Bauchladen
Von Karl-Otto Scholz | Samstag, 8. Oktober 2011
Irgendwann in den nächsten Jahren werde ich mit einem Bauchladen von Haustür zu Haustür ziehen müssen. Ich habe schließlich Kinder im Studium und einen aufwändigen Lebensstil. Zwischen 10.000 und 20.000 Euro muss es schon sein, was ich verdienen will. Was in diesem Bauchladen sein wird? Dinge, die jeder Haushalt braucht. Wirklich!
Ich denke daran, eine kleine Kerze in einem Glasgefäß zu vermarkten, die so genannte „Heimleuchte“. Falls ich einmal irgendwo bei einer Geburtstagsparty mein Auto stehen gelassen habe und nicht mehr heimfinde, dann wird sie mir helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben. Im Lichte dieser Lampe kann ich auch den Beipackzettel lesen, der Psalm 23 enthält. (153,20 EUR).
Dann könnte ich mir auch einen Laptop vorstellen, den ich nach vorheriger Handauflegung vertreiben werde. In einer schönen Urkunde wird dem Käufer zertifiziert, dass der Akku 30 Minuten länger durchhalten wird, weil die positiven und negativen Ionen mit geordneten Informationen aufgeladen sind (4380,00 EUR).Oder wie wäre es mit besonders heilkräftigem Wasser für das heimische Aquarium (100 ml zu 64,80 EUR), einem Ventilator für heiße Sommernächte, der nicht nur Luft um schaufelt, sondern gleich auch göttlichen Geist mitliefert. Auf den Rotorblättern sind Kreuze, Davidssterne, Jing-Jang-Kreise und Halbmonde eingraviert, so stelle ich mir das vor, ein Preis von 799,00 EUR ist wirklich nicht zuviel. Auch Gesichtscreme mit Wasser aus dem See Genezareth (88,80 EUR) könnte das Angebot in meinem Bauchladen komplettieren.
Sie haben Angst, dass ich damit ein Amtszuchtverfahren meiner Kirche riskiere? Und wenn schon, dann gründe ich eben einen Fernsehsender, steige ins Reisebusiness, veranstalte Esoterik-Seminare, vertreibe Zeitungen, bete mit Schamanen, führe Adepten zu den Stonehenge-Monolithen.
Das Leben ist herrlich, die Welt und der religiöse Markt groß und bunt und voller Möglichkeiten.
(Satirische Anklänge an das Disziplinarverfahren der Rheinischen Landeskirche gegen Pfarrer Jürgen Fliege sind rein zufällig und wirklich nicht beabsichtigt.)
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Kategorien: Allgemein
Tags: Devotionalien | Esoterik | Heilwasser | Jürgen Fliege | Religion


Samstag, 17. Dezember 2011 um 16:54 Uhr
Unsere Gedankenwelt ist voller Placebos und Aberglauben.Wie viele ängstliche Patienten habe ich schon gesehen mit einem zusammengepressten Taschentuch in der geschlossenen Hand.Was nutzt es?
Es ist wohl der Ersatz für die fehlende Hand eines Partners oder Freundes.Die Placebos von J.Fliege sind Nocebos , denn sie machen die -zumeist- Armen noch ärmer und die Dummen dümmer.