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Triumph der BILD
Von Karl-Otto Scholz | Montag, 9. Januar 2012
Es gibt sie auch am 8. Januar 2012 noch – die Freunde und Sympathisanten des Bundespräsidenten. In der Sendung “Günther Jauch” (Thema des Abends: Der Problem-Präsident – wie glaubwürdig ist Christian Wulff) geben sie sich zu erkennen. “Politiker haben es doch generell schwer.” Bernhard Vogel hat Wulff in der Bundesversammlung gewählt, nun wirbt er um Verständnis, dass Politiker auch am Telefon mal ausrasten dürfen sollten.
“Herr Wulff ist ein ganz sympathischer Mann ohne Allüren” betont eine langjährige Freundin, die auf Sylt einen Schoko-Laden unterhält und ihn aus Zeiten der Schülerunion kennt und mag. ” Wieso sollte er nicht bei uns übernachten – wir übernachten doch auch bei ihm.” Dagegen ist nichts zu sagen.
Es sind solche Aussagen, die die Stimmung im Publikum kippen lassen. Ist die ganze Sache um Wulff nur ein Tribunal der Presse? Eine inszenierte Schlammschlacht, um die Auflage zu steigern?
Wenigstens darin sind sich die Vertreter der Presse (Nicolaus Blome von der BILD und Georg Mascolo vom SPIEGEL) einig: Wulff habe vor dem Landtag in Hannover geflunkert, er habe Gefälligkeiten angenommen, die andere Politiker nicht annehmen würden, nicht einmal in der Amigo-Stadt Hannover. Darüber hinaus habe er mehrfach (“ganz ruhig auf der Mailbox”) mit Krieg gedroht, um ein Erscheinen des ominösen “500.000 EURO-Artikels” in der BILD zu verhindern.
Worin sie sich nicht einig sind: “…dass die BILD sich anmaßt, über Maßstäbe der politischen Ethik zu bestimmen” (so Mascolo vom SPIEGEL). Er erntet von seinem Kollegen Blome ein indigniertes Lächeln. Blome – der Feingeist – der eine jesuitisch gequälte Aura besitzt, er kommt nur durch die Angriffe der einfachen Frau aus dem Volke unter Beschuss, die der BILD im Ganzen eine Vernichtungskampagne unterstellt.
Man kann sein Lächeln auch so deuten – als das selbstgewisse Lächeln des Siegers, der weiß, dass er den Machtkampf der Presse gegen die ganze politische Kaste gewonnen hat. Nein – das ist falsch ausgedrückt – Blome weiß, dass BILD den Machtkampf gewonnen hat. Niemand kann sich in dieser Republik mehr sicher sein. Der Fahrstuhl fährt nach oben, und er fährt irgendwann nach unten – früher oder später. Es gibt für den, der seine Seele verkauft (wie Wulff), keine Rettung. Die Angst wird ein Meister in Deutschland, und sie sitzt den Politikern im Nacken.
Das muss auch dem Mann vom SPIEGEL gedämmert haben, dass da nach vielen Jahren medialer Vermittlung von Politik in der Öffentlichkeit ein Monster entstanden ist, dessen Angesicht erschreckend ist. Dieses Monster droht jeden zu fressen, vielleicht auch den, der es gefüttert hat.
Spätestens ab dem 8. Januar 2012 ist die BILD nicht mehr der Freund der CDU – der der anderen Parteien war sie noch nie. Wulff mag untergehen “im Stahlgewitter”, doch der Krieg ist eröffnet. Das sollte auch den Herren in der Chefetage von BILD Angst machen. Der Rubikon ist tatsächlich überschritten.
Und Wulff? Hat sich grandios selbst überschätzt. Nicht das Bundespräsidialamt ist der Kombattant der BILD, sondern womöglich das Kanzleramt. Warten wir ab – die Zeiten werden spannend. In London kam nach einer Phase der Hybris des Boulevards die Demütigung Rupert Murdochs und ein großes Nachdenken. Doch da sind wir in Deutschland noch nicht. Noch triumphiert BILD.
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