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	<title>Zwoelff.de</title>
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	<description>Weblog über Theologie und Kirche, Politik und Zeitgeschehen</description>
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		<title>Triumph der BILD</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 23:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Günther Jauch von Sebastian Hillig Es gibt sie auch am 8. Januar 2012 noch &#8211; die Freunde und Sympathisanten des Bundespräsidenten. In der Sendung &#8220;Günther Jauch&#8221; (Thema des Abends: Der Problem-Präsident &#8211; wie glaubwürdig ist Christian Wulff) geben sie sich zu erkennen. &#8220;Politiker haben es doch generell schwer.&#8221; Bernhard Vogel hat Wulff in der Bundesversammlung gewählt, nun wirbt er um Verständnis, dass Politiker auch am Telefon mal ausrasten dürfen sollten. &#8220;Herr Wulff ist ein ganz sympathischer Mann ohne Allüren&#8221; betont eine langjährige Freundin, die auf Sylt einen Schoko-Laden unterhält und ihn aus Zeiten der Schülerunion kennt und mag. &#8221; Wieso sollte er nicht bei uns übernachten &#8211; wir übernachten doch auch bei ihm.&#8221; Dagegen ist nichts zu sagen. Es sind solche Aussagen, die die Stimmung im Publikum kippen lassen. Ist die ganze Sache um Wulff nur ein Tribunal der Presse? Eine inszenierte Schlammschlacht, um die Auflage zu steigern? Wenigstens darin sind sich die Vertreter der Presse (Nicolaus Blome von der BILD und Georg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 510px;"><a title="GÃ¼nther Jauch and Christoph Meinel at HPI" href="http://farm4.staticflickr.com/3107/2625523035_2c8f887180_z.jpg?zz=1"><img title="GÃ¼nther Jauch and Christoph Meinel at HPI" src="http://farm4.staticflickr.com/3107/2625523035_2c8f887180.jpg" alt="GÃ¼nther Jauch and Christoph Meinel at HPI" width="400" height="267" /></a></p>
<p class="wp-caption-text"><a href="http://www.flickr.com/photos/bastispicks/2625523035/">Günther Jauch </a>von <a href="http://www.flickr.com/photos/bastispicks/">Sebastian Hillig</a></p>
</div>
<p>Es gibt sie auch am 8. Januar 2012 noch &#8211; die Freunde und Sympathisanten des Bundespräsidenten. In der Sendung &#8220;Günther Jauch&#8221; (Thema des Abends: Der Problem-Präsident &#8211; wie glaubwürdig ist Christian Wulff) geben sie sich zu erkennen. &#8220;Politiker haben es doch generell schwer.&#8221; Bernhard Vogel hat Wulff in der Bundesversammlung gewählt, nun wirbt er um Verständnis, dass Politiker auch am Telefon mal ausrasten dürfen sollten.</p>
<p>&#8220;Herr Wulff ist ein ganz sympathischer Mann ohne Allüren&#8221; betont eine langjährige Freundin, die auf Sylt einen Schoko-Laden unterhält und ihn aus Zeiten der Schülerunion kennt und mag. &#8221; Wieso sollte er nicht bei uns übernachten &#8211; wir übernachten doch auch bei ihm.&#8221; Dagegen ist nichts zu sagen.</p>
<p>Es sind solche Aussagen, die die Stimmung im Publikum kippen lassen. Ist die ganze Sache um Wulff nur ein Tribunal der Presse? Eine inszenierte Schlammschlacht, um die Auflage zu steigern?<span id="more-2467"></span></p>
<p>Wenigstens darin sind sich die Vertreter der Presse (Nicolaus Blome von der BILD und Georg Mascolo vom SPIEGEL) einig: Wulff habe vor dem Landtag in Hannover geflunkert, er habe Gefälligkeiten angenommen, die andere Politiker nicht annehmen würden, nicht einmal in der Amigo-Stadt Hannover. Darüber hinaus habe er mehrfach (&#8220;ganz ruhig auf der Mailbox&#8221;) mit Krieg gedroht, um ein Erscheinen des ominösen &#8220;500.000 EURO-Artikels&#8221; in der BILD zu verhindern.</p>
<p>Worin sie sich nicht einig sind: &#8220;&#8230;dass die BILD sich anmaßt, über Maßstäbe der politischen Ethik zu bestimmen&#8221; (so Mascolo vom SPIEGEL). Er erntet von seinem Kollegen Blome ein indigniertes Lächeln. Blome &#8211; der Feingeist &#8211; der eine jesuitisch gequälte Aura besitzt, er kommt nur durch die Angriffe der einfachen Frau aus dem Volke unter Beschuss, die der BILD im Ganzen eine Vernichtungskampagne unterstellt.</p>
<p>Man kann sein Lächeln auch so deuten &#8211; als das selbstgewisse Lächeln des Siegers, der weiß, dass er den Machtkampf der Presse gegen die ganze politische Kaste gewonnen hat. Nein &#8211; das ist falsch ausgedrückt &#8211; Blome weiß, dass BILD den Machtkampf gewonnen hat. Niemand kann sich in dieser Republik mehr sicher sein. Der Fahrstuhl fährt nach oben, und er fährt irgendwann nach unten &#8211; früher oder später. Es gibt für den, der seine Seele verkauft (wie Wulff), keine Rettung. Die Angst wird ein Meister in Deutschland, und sie sitzt den Politikern im Nacken.</p>
<p>Das muss auch dem Mann vom SPIEGEL gedämmert haben, dass da nach vielen Jahren medialer Vermittlung von Politik in der Öffentlichkeit ein Monster entstanden ist, dessen Angesicht erschreckend ist. Dieses Monster droht jeden zu fressen, vielleicht auch den, der es gefüttert hat.</p>
<p>Spätestens ab dem 8. Januar 2012 ist die BILD nicht mehr der Freund der CDU &#8211; der der anderen Parteien war sie noch nie. Wulff mag untergehen &#8220;im Stahlgewitter&#8221;, doch der Krieg ist eröffnet. Das sollte auch den Herren in der Chefetage von BILD Angst machen. Der Rubikon ist tatsächlich überschritten.</p>
<p>Und Wulff? Hat sich grandios selbst überschätzt. Nicht das Bundespräsidialamt ist der Kombattant der BILD, sondern womöglich das Kanzleramt. Warten wir ab &#8211; die Zeiten werden spannend. In London kam nach einer Phase der Hybris des Boulevards die Demütigung Rupert Murdochs und ein großes Nachdenken. Doch da sind wir in Deutschland noch nicht. Noch triumphiert BILD.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bischof Meister wird 50</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 21:32:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Herzlichen Glückwunsch. &#160;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-large;">Herzlichen Glückwunsch.</span></p>
<div id="attachment_2265" class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><a href="http://www.zwoelff.de/wp-content/uploads/2012/01/Bischof-Ralf-Meister2-e1325856186194.jpg"><img class="size-medium wp-image-2266" title="Bischof Ralf Meister" src="http://www.zwoelff.de/wp-content/uploads/2012/01/Bischof-Ralf-Meister2-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.</p></div>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Deutschland bei Korruption nur im vorderen Mittelfeld</title>
		<link>http://www.zwoelff.de/2012-01/deutschland-bei-korruption-nur-im-vorderen-mittelfeld/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 21:18:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[bestechung von zoedrink Herkules Wulff kämpft mit der Hydra. Deren hundert Köpfe tragen die Namen ARD, ZDF, SPIEGEL &#8211; vor allem aber BILD. Kann er den Kampf gewinnen? Transparency International &#8211; die Organisation, die immer wieder mahnend den Finger gegen die Geißel Korruption erhebt &#8211; möchte aber viel lieber, dass er und die ganze politische Klasse gegen die Hydra Bestechung kämpfen mögen. Nachholbedarf hat die deutsche Republik allemal. Der Bestechlichkeitsindex 2012 weist Deutschland nur im Mittelfeld der europäischen Staaten aus. In Finnland beispielsweise haben fast alle Politiker eine reine Weste. Noch etwas besser: Neuseeland.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 510px;"><a class="thickbox" title="bestechung" href="http://farm1.staticflickr.com/47/151999436_f2d1f70b2f_b.jpg"><img title="bestechung" src="http://farm1.staticflickr.com/47/151999436_f2d1f70b2f.jpg" alt="bestechung" width="400" height="300" /></a></p>
<p class="wp-caption-text"><a href="http://www.flickr.com/photos/semfira/151999436/">bestechung</a> von <a href="http://www.flickr.com/photos/semfira/">zoedrink</a></p>
</div>
<p>Herkules Wulff kämpft mit der Hydra. Deren hundert Köpfe tragen die Namen ARD, ZDF, SPIEGEL &#8211; vor allem aber BILD. Kann er den Kampf gewinnen?</p>
<p><strong>Transparency International</strong> &#8211; die Organisation, die immer wieder mahnend den Finger gegen die Geißel Korruption erhebt &#8211; möchte aber viel lieber, dass er und die ganze politische Klasse gegen die Hydra Bestechung kämpfen mögen.</p>
<p>Nachholbedarf hat die deutsche Republik allemal. Der <a href="http://www.transparency.de/Tabellarisches-Ranking.2021.0.html">Bestechlichkeitsindex</a> 2012 weist Deutschland nur im Mittelfeld der europäischen Staaten aus. In Finnland beispielsweise haben fast alle Politiker eine reine Weste. Noch etwas besser: Neuseeland.</p>
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		<title>Vendetta gegen den Merkel-Präsidenten</title>
		<link>http://www.zwoelff.de/2012-01/vendetta-gegen-den-prasidenten/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 18:56:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Er hat Nerven gezeigt. Wie Otto Normalverbraucher. Und das wird ihm die Öffentlichkeit nicht verzeihen. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft ist eine andere: der Präsident hat präsentable Figur zu machen - und sonst nichts. Aus der Rolle fallen darf er NIE. Denn er repräsentiert Deutschland im Ganzen. Und Deutschland fällt nicht aus der Rolle.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 510px;"><a class="thickbox" title="BundesprÃ¤sident Christian Wulff" href="http://farm7.staticflickr.com/6224/6309093500_45de32488f_b.jpg"><img title="BundesprÃ¤sident Christian Wulff" src="http://farm7.staticflickr.com/6224/6309093500_45de32488f.jpg" alt="BundesprÃ¤sident Christian Wulff" width="450" height="300" /></a></p>
<p class="wp-caption-text"><a href="http://www.flickr.com/photos/d_b_u/6309093500/">Bundespräsident Christian Wulff</a> / Quelle: <a href="http://www.flickr.com/photos/d_b_u/">Deutsche Bundesstiftung Umwelt</a></p>
</div>
<p>Der Präsident hat eine halbe Million gebraucht, um für seine Familie und sich ein Häuschen zu bauen. Niemand, der nicht gerade sehr reich ist, hat einen solchen Batzen Geld herumliegen. Die meisten Bauherren-Familien schlagen sich lange Jahrzehnte mit dem Abtrag solcher Schulden herum. Fast schon sympathisch, dass es einem Berühmten nicht anders geht als Otto Normalverbraucher.</p>
</div>
</div>
<p>Der Präsident hat Freunde, die ihm die Zinsen ermäßigen halfen und den Batzen Geld zu guten Konditionen liehen. Jedermann wünscht sich solche Freunde.</p>
<p>Als Privatmann kann man von Freunden und Verwandten Geld annehmen. Das nennt man eine Schenkung. Als Präsident darf man es nicht. Die Frage ist: kann ein Präsident noch Privatmann sein? Nein &#8211; und zwar nicht solange er als Beamter im Sold des Staates steht. Das Beamtensalär soll ja eine etwaige Vorteilsnahme verhindern helfen.</p>
<p>Manches befindet sich in einer Grauzone. Eine Uhr darf man als Beamter nicht annehmen, ein Glas Marmelade für die Ehefrau womöglich schon. Das Problem ist: eine halbe Million ist kein Glas Marmelade.<span id="more-2242"></span></p>
<p>Jeder Staatsdiener &#8211; und selbst eine Berühmtheit wie der Präsident ist im Grunde ein solcher &#8211; muss den Unterschied kennen. Weiß er den Unterschied nicht, muss er mit der vierten Gewalt im Staate rechnen, der Presse. Diese hat in der Demokratie das stillschweigend eingestandene Recht, Verfehlungen jeder Art aufzudecken. Ein Blatt wie die Bildzeitung hält sich nicht mit Marmeladengläsern auf. Ihr geht es ums Große und Ganze.</p>
<p>Vielleicht ist das Große und Ganze nicht das Wohl des Staatswesens, vielleicht auch nicht das Vorantreiben des intellektuellen oder politischen Diskurses, vielleicht ist der Bildzeitung die eigene Auflage das größte Movens. Man mag das kritisieren und nach ethischen Regeln für die Presse rufen &#8211; für den Skandal um den Präsidenten trägt dies nichts aus.</p>
<p>Der Präsident hat emotional reagiert. Er hat sich im Ton vergriffen (wie kann man eigentlich eine Telefonbox anbrüllen??). Er hat sich hinterher entschuldigt. Auch das ist für den Skandal nicht wirklich ausschlaggebend.</p>
<p>Er hat Nerven gezeigt. Wie Otto Normalverbraucher. Und das wird ihm die Öffentlichkeit nicht verzeihen. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft ist eine andere: der Präsident hat präsentable Figur zu machen &#8211; und sonst nichts. Aus der Rolle fallen darf er NIE. Denn er repräsentiert Deutschland im Ganzen. Und Deutschland fällt nicht aus der Rolle.</p>
<p>Was ist das Dilemma? Dass er eigentlich zurücktreten müsste, um Schaden von seinem Amt abzuwenden, und dass er dies auf gar keinen Fall tun kann &#8211; wegen des Vorgängers. Man hat ihn schließlich gerade deshalb zum Nachfolger von Köhler gewählt, weil er niemals aus der Rolle zu fallen versprach. Jung, dynamisch, professionell, medienerfahren, mit allen politischen Wassern gewaschen &#8211; was hätte passieren können mit DIESEM Präsidenten? Und nun ist es doch passiert. Das ist ein Dilemma und gleichzeitig auch Tragödie. Nicht einmal die Opposition kann ihn zum Abschuss freigeben. Zu peinlich das Ganze.</p>
<p>Diese Tragödie ist noch aus einem anderen Grund eine besondere Tragödie: vielleicht hatte der Präsident mit seinen Verbalattacken gegen eine emotionslose Mailbox nicht nur als gereizter Familienvater Recht, sondern auch als abgekochter Politprofi. Was, wenn die &#8220;Kampagne&#8221; der BILD (ist es eine??) tatsächlich eine Kriegserklärung ist?</p>
<p>Wem aber gilt diese, und wer hat hier den Krieg erklärt?</p>
<p>Meine Verschwörungstheorie lautet so: Konservativen Kreisen (um Friede Springer ??) passt der ganze Kurs der CDU Regierung nicht. Sie nutzen die Affäre &#8220;Präsident&#8221;, um der Kanzlerin Merkel zu schaden. Mit ihrem treuesten Paladin treffen sie &#8220;Mutti&#8221; selbst.</p>
<p>Oder ist alles nur ein Zufall? Wer glaubt in Berlin schon an Zufälle?</p>
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		<title>Skandal im Sperrbezirk</title>
		<link>http://www.zwoelff.de/2011-12/skandal-im-sperrbezirk/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 12:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Adventszeit ist Zeit der Besinnung und des Sammelns. Das Hilfswerk &#8220;Brot für die Welt&#8221; beispielsweise bekommt etwa 62 Millionen Euro Spenden (im Jahr 2010 laut Bilanz). Nicht das Wenigste wird dabei an Weihnachten überwiesen. Die Kirchen der EKD sind froh, dass viele Menschen jedes Jahr ihren Nächsten in Afrika oder Asien oder Lateinamerika im Blick behalten und in diverse sinnvolle Förderprojekte investieren. Eine verglichen mit den Euro-Rettungsmilliarden der EU geringe Summe, aber immerhin eine Hilfe mit Leuchtturmfunktion. Diese Summe wird konterkariert durch einen Finanzskandal in der Evangelischen Kirche im Rheinland, wobei etwa 20 Millionen Euro verschwunden sein sollen. In einer dpa-Meldung heißt es, eine zweifelhafte Kapitalanlage habe die kircheneigene Firma bbz Beihilfe- und Bezügezentrum GmbH in Bad Dürkheim in Schieflage gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittele unter anderem wegen Betrugs- und Untreueverdachts gegen neun Beschuldigte. Die rheinische Landeskirche habe nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens eingesetzt. Beihilfe und Bezüge? Da kann es sich eigentlich nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Adventszeit ist Zeit der Besinnung und des Sammelns. Das Hilfswerk &#8220;Brot für die Welt&#8221; beispielsweise bekommt etwa 62 Millionen Euro Spenden (im Jahr 2010 laut <a href="http://www.brot-fuer-die-welt.de/ueber-uns/index_1434_DEU_HTML.php">Bilanz</a>). Nicht das Wenigste wird dabei an Weihnachten überwiesen. Die Kirchen der EKD sind froh, dass viele Menschen jedes Jahr ihren Nächsten in Afrika oder Asien oder Lateinamerika im Blick behalten und in diverse sinnvolle Förderprojekte investieren. Eine verglichen mit den Euro-Rettungsmilliarden der EU geringe Summe, aber immerhin eine Hilfe mit Leuchtturmfunktion.</p>
<p>Diese Summe wird konterkariert durch einen Finanzskandal in der Evangelischen Kirche im Rheinland, wobei etwa 20 Millionen Euro verschwunden sein sollen. In einer <a href="http://www.az-web.de/lokales/euregio-detail-az/1942053/Kirchen-Finanzskandal-Schneider-kuendigt-staerkere-Kontrollen-an">dpa-Meldung</a> heißt es, eine zweifelhafte Kapitalanlage habe die kircheneigene Firma bbz Beihilfe- und Bezügezentrum GmbH in Bad Dürkheim in Schieflage gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittele unter anderem wegen Betrugs- und Untreueverdachts gegen neun Beschuldigte. Die rheinische Landeskirche habe nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens eingesetzt.</p>
<p>Beihilfe und Bezüge? Da kann es sich eigentlich nur um Pfarrergehälter und Krankenfürsorge handeln. Wie sollen wir das nun verstehen? Bekommen die Bediensteten der Kirche kein Geld mehr auf ihr Konto? Stockt die Abrechnung der Arzt- und Krankenhausrechnungen? Und ist es richtig, dass sich &#8220;neun&#8221; (!) mit der Verwaltung der Gelder beauftragte Beschäftigte einig waren, das Geld an die Seite zu schaffen oder wenigstens aus dieser Summe einen zweifelhaften Nießnutz zu ziehen? Armes Rheinland.</p>
<p>Mich stimmt bei dieser Sache bedenklich, dass der Schaden so hoch ist, dass man dafür 120 Tage lang mit der Spendenbüchse durchs Land ziehen müsste &#8211; also mal die Brot-für-die-Welt-Spendengelder als Vergleichsmaßstab genommen.</p>
<p>Präses Schneider nahm in einer ersten Stellungnahme kein Blatt vor den Mund, als er sagte:&#8221;Offensichtlich ist es so, dass wirklich ein massives kriminelles Vorgehen auf diese Firma gerichtet war, und ihr wurde ein bestimmter Betrag vermutlich schlicht und ergreifend geklaut durch Manipulation&#8221;.  Selbst in einem ethischen Sperrbezirk wie der Kirche gibt es also materielle Begehrlichkeiten, die zu kriminellen Handlungen verdichten. Adams Äpfel sind manchmal zum Greifen nah.</p>
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		<item>
		<title>Nur ein Flügelschlag</title>
		<link>http://www.zwoelff.de/2011-11/nur-ein-flugelschlag/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 10:49:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Schmetterling]]></category>

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		<description><![CDATA[Kennen Sie das „Leben in einem Tag“? Ein Kinofilm, der 24 Stunden im Leben von Menschen auf dem ganzen Planeten schildert &#8211; es ist der 24. Juli 2010. Jemand hat als Kommentar hinterlassen: &#8220;Es geht hierbei um die Kunst die Atmosphäre der Welt einzufangen, die Kunst uns selbst zu zeigen, wer wir sind, wie wir sind, die Kunst das Leben in Bilder zu fassen, die Kunst des Medium Films.&#8221; Menschen aus allen Ländern dieser Welt konnten ihre Videofilme einsenden. Und sie haben es getan. Sie haben sich gefilmt bei ganz alltäglichen Dingen: schlafen, waschen, arbeiten, lachen, feiern, beten, lieben, trauern. Banal &#8211; sagen welche in den Kulturredaktionen der großen Zeitungen. Ja &#8211; sie sind die großen Ereignisse gewohnt. Ihre Kritik hat etwas Elitäres. Andere finden, dass dies die wahre Kunst ist, wenn Menschen sich selbst und ihren Alltag als etwas Interessantes darstellen. Joseph Beys sagte: jeder Mensch ist ein Künstler. Er hat Recht. Und unsere große Weltgeschichte besteht aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kennen Sie das „Leben in einem Tag“? Ein Kinofilm, der 24 Stunden im Leben von Menschen auf dem ganzen Planeten schildert &#8211; es ist der 24. Juli 2010.</p>
<p>Jemand hat als Kommentar hinterlassen: &#8220;Es geht hierbei um die Kunst die Atmosphäre der Welt einzufangen, die Kunst uns selbst zu zeigen, wer wir sind, wie wir sind, die Kunst das Leben in Bilder zu fassen, die Kunst des Medium Films.&#8221;</p>
<p>Menschen aus allen Ländern dieser Welt konnten ihre Videofilme einsenden. Und sie haben es getan. Sie haben sich gefilmt bei ganz alltäglichen Dingen: schlafen, waschen, arbeiten, lachen, feiern, beten, lieben, trauern.</p>
<p>Banal &#8211; sagen welche in den Kulturredaktionen der großen Zeitungen. Ja &#8211; sie sind die großen Ereignisse gewohnt. Ihre Kritik hat etwas Elitäres.</p>
<p>Andere finden, dass dies die wahre Kunst ist, wenn Menschen sich selbst und ihren Alltag als etwas Interessantes darstellen. Joseph Beys sagte: jeder Mensch ist ein Künstler. Er hat Recht. Und unsere große Weltgeschichte besteht aus vielen kleinen Facettengeschichten, deren Träger jeder Einzelne von uns ist.</p>
<p>Wie hätte ein berühmter Tag in der Weltgeschichte ausgesehen &#8211; der 24. Dezember, an dem Christus geboren wurde &#8211; wenn wir ihn aus der Perspektive kleiner Leute schildern?<span id="more-2195"></span></p>
<p>0 Uhr &#8211; der Wächter auf der Zinne der Stadtmauer Jerusalems schaut in die unendliche Dunkelheit. Er ist unrasiert, müde, hungrig &#8211; aber er muss auf seinem Posten bleiben.</p>
<p>2 Uhr &#8211; ein Liebespaar turtelt durch den Ölgarten jenseits der Stadtmauer. Sie haben die ganze Welt noch vor sich &#8211; sind einfach nur glücklich und berauscht.</p>
<p>4 Uhr &#8211; der Hund in einem kleinen Weiler namens Nazareth schlägt an. Irgendetwas hat ihn aufgeschreckt. Man hört ein Pochen an eine Tür. Jemand bittet um Hilfe. Der Mann im Haus öffnet mürrisch. „Was ist, die Kinder schlafen doch!“</p>
<p>6 Uhr &#8211; irgendwo in Galiläa feiert man Hochzeit &#8211; der Bräutigam kommt mit Gefolge, um die Braut abzuholen. Es ist immer noch dunkel, aber der Tross hat Lampen dabei.</p>
<p>8 Uhr &#8211; der Bäcker auf der Straße in Jerusalem verkauft seine Brotfladen. Ein Tagelöhner, der bislang noch keine Arbeit gefunden hat, kauft Brot für die Familie &#8211; 8 Fladen für acht kleine Kupferpfennige. Es ist viel Geld für ihn.</p>
<p>10Uhr &#8211; in einer Kaschemme erhebt sich ein junger Bursche. Er ist in haltlose Gesellschaft geraten und gerade dabei, sein geerbtes Geld durchzubringen. Er ist sich keiner Schuld bewusst, er genießt sein Leben.</p>
<p>12 Uhr &#8211; auf einem Acker in der Nähe des Sees von Genezareth steht ein Bauer und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er muss viel placken und buckeln, um die Saat zur Ernte zu bringen. Drei Viertel werden ein Raub der Vögel oder der Dornen oder der Dürre. Dennoch steht er versonnen und freut sich an den roten Mohnblumen, die überall sprießen.</p>
<p>14 Uhr &#8211; in einer Synagoge steht ein frommer Mann in seinen Gebetsschal gehüllt und spricht die heiligen Worte dieses Tages. Er kann sie auswendig &#8211; er ist ein Pharisäer.</p>
<p>16 Uhr &#8211; ein reisendes Ehepaar geht von Gasthaus zu Gasthaus und sucht Quartier. Die Frau ist schwanger. Man rät dem Paar, ins Untergeschoss der Karawanserei zu gehen. Dort gebe es genug Frauen, die bei einer Geburt helfen könnten, wenn nötig.</p>
<p>18 Uhr &#8211; ein Hirte draußen auf den Feldern Bethlehems sucht nach einem Schaf. Er hat wenig Hoffnung, es vor dem Abend zu finden. Es wird wohl ein Raub der streunenden Hunde oder Wölfe. Die Sonne ist untergegangen. Es wird eine kalte Nacht.</p>
<p>20 Uhr &#8211; der treue Hund des Hirten hat das Schaf gefunden. Der macht sich auf den Heimweg. Im Gepäck findet er ein Stück Brot und ein paar Weintrauben. Auf denen kaut er bedächtig herum. Er hat nicht mehr als Abendessen. Er fühlt sich nicht arm, er ist arm.</p>
<p>22 Uhr &#8211; die Frau in der Karawanserei hat gerade ihr Kind zur Welt gebracht. Es ist das erste. Später wird sie noch einige Kinder mehr zur Welt bringen. Sie weiß noch nicht, dass ihr Name &#8211; Mirjam heißt sie &#8211; einmal in aller Munde sein wird.</p>
<p>24 Uhr &#8211; einer seltsamen Eingebung folgend kommen drei Hirten in der Karawanserei vorbei. Sie setzen sich an einem freien Plätzchen im Stroh nieder. Wie das so ist bei neugeborenen Kindern: die Mutter und der Vater sind voller Stolz. Man zeigt das Kind herum. Die Hirten bekommen ein weiches Gesicht. Das Kind rührt sie an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Tag &#8211; der 24. Dezember eines Jahres, das man bald wieder vergessen wird &#8211; erst viel später bekommt es epochale Bedeutung. Ein Tag nur. Und doch ein reicher Tag, weil aus so vielen Blickwinkeln gesehen. Und jeder hat eine Geschichte zu erzählen, seine Geschichte.</p>
<p>Ist es nicht auch unser Blickwinkel? Schauen wir nicht auch aus einem ganz normalen Leben auf das Wunder dieser Geburtsgeschichte? Wir alle sind im Grunde ein Teil davon. Auf mittelalterlichen Bildern kommt das zum Ausdruck. Neben den großen Gestalten, den Berühmtheiten &#8211; dann auch die kleinen Leute. Gott wollte, dass dieses Kind den kleinen Leuten gehört. Und deshalb hat Jesus später auch immer den kleinen Leuten gepredigt und sie hoch geschätzt.</p>
<p>Weltgeschichte ist etwas das die Summe dieser vielen kleinen Geschichten ist. Eine Deutung des Ganzen hat immer mit dem Blickwinkel zu tun. Schauen wir von ganz weit oben herab, dann ist der Blick oft unbarmherzig. Schauen wir aus der ganz niedrigen Perspektive, dann entgeht uns vieles. Niemals erkennen wir das Ganze, wir sind auch nicht das Ganze. Was aber ist dann diese Geburt für das Ganze? Ein kleines Ereignis, von dem niemand damals Kenntnis genommen hat. Aber viel später wurde seine Wirkung immer gewaltiger. Wie bei Schmetterlingen ist das &#8211; und bei den Meteorologen, die sagen, das aus dem Flügelschlag eines Schmetterlings ein Sturmwind entstehen kann.</p>
<p>Jedem von uns kann das passieren, dass er plötzlich Akteur oder Zeuge von etwas ganz großem wird. Solange wir das nicht sind, tun wir es nur stellvertretend, anteilnehmend. Dieses neugeborene Kind ist nur wenigen Menschen bekannt geworden. Aber Anteil genommen hat später die halbe Menschheit. Wir sind immer Teil von etwas Großem, alle &#8211; immer. Das sollten wir nie vergessen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Haiku</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 19:39:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bett]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Gesang nasses bettkissen großmutter singt blind ins licht glückseliger tod]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Gesang</h2>
<p><span style="font-size: medium;">nasses bettkissen</span><br />
<span style="font-size: medium;"> großmutter singt blind ins licht</span><br />
<span style="font-size: medium;"> glückseliger tod</span></p>
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		<title>Highlife im Müllcontainer</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 06:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Müllcontainer]]></category>

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		<description><![CDATA[Diogenes von Sinope soll in einer aufgelassenen Weintonne gelebt haben. Er war glücklich dort, jedenfalls ist über ihn nichts Gegenteiliges berichtet. Er war ein Bürgerschreck und Provokateur. In hellsichtiger bewusster Verkennung seines Untertanenstatus legte er sich sogar mit den Mächtigen seiner Zeit an (Alexander der Große). Peter Sloterdijk hat in seiner „Kritik der zynischen Vernunft“ über den Philosophenkollegen aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert geschrieben: „Wer nicht blind ist, muss erkennen, dass ein neues Ethos, eine neue Anthropologie fällig geworden sind; man ist nicht mehr engstirniger Bürger einer zufälligen Stadtgemeinschaft, sondern muss sich als Individuum in einem erweiterten Kosmos begreifen.“ Der erweiterte Kosmos &#8211; für uns Heutige kann er nicht groß genug gezeichnet werden. Und gleichzeitig verlangt ein gegenwärtiger Ethikentwurf, dass sich Menschen selbst einschränken und einschränken lassen. Denn zu viele von uns (und wir eben mit eingeschlossen!) leben auf diesem Planeten. Diese Zu-Vielen verbrauchen zu viel von allen Ressourcen. Und sie engen sich gegenseitig ein, bedrohen sich, nehmen sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 410px"><a title="Portrait" href="http://flickr.com/photos/50697641@N07/5032124463"><img class=" " src="http://farm5.static.flickr.com/4127/5032124463_3e9b0acb81.jpg" alt="" width="400" height="247" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: &quot;Portrait&quot; von &quot;boescha&quot; auf Flickr.com</p></div>
<p>Diogenes von Sinope soll in einer aufgelassenen Weintonne gelebt haben. Er war glücklich dort, jedenfalls ist über ihn nichts Gegenteiliges berichtet. Er war ein Bürgerschreck und Provokateur. In hellsichtiger bewusster Verkennung seines Untertanenstatus legte er sich sogar mit den Mächtigen seiner Zeit an (Alexander der Große). Peter Sloterdijk hat in seiner „Kritik der zynischen Vernunft“ über den Philosophenkollegen aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert geschrieben: „Wer nicht blind ist, muss erkennen, dass ein neues Ethos, eine neue Anthropologie fällig geworden sind; man ist nicht mehr engstirniger Bürger einer zufälligen Stadtgemeinschaft, sondern muss sich als Individuum in einem erweiterten Kosmos begreifen.“</p>
<p>Der erweiterte Kosmos &#8211; für uns Heutige kann er nicht groß genug gezeichnet werden. Und gleichzeitig verlangt ein gegenwärtiger Ethikentwurf, dass sich Menschen selbst einschränken und einschränken lassen. Denn zu viele von uns (und wir eben mit eingeschlossen!) leben auf diesem Planeten. Diese Zu-Vielen verbrauchen zu viel von allen Ressourcen. Und sie engen sich gegenseitig ein, bedrohen sich, nehmen sich Raum zum Leben und Träumen. Insofern kommt die Idee des <a href="http://smh.domain.com.au/real-estate-news/living-the-high-life-in-a-rubbish-bin-20110909-1k1hk.html">US-Künstlers Gregory Kloehn</a> zur rechten Zeit, der sich Gedanken machte über das Existieren auf engstem Raum.<span id="more-2181"></span>Die Tonne des Diogenes von Sinope mutierte bei Kloehn zum ordinären Müllcontainer. Aber was ist an einem Müllbehälter ordinär, der so intelligent ausstaffiert wurde? „Living the high life in a rubbish bin“ &#8211; frei übersetzt „Luxusleben in der Mülltonne“ &#8211; was für Aussichten für den Stadtnomaden? Welche Gelegenheit für entwurzelte und verarmte Mittelschichtbürger, die die Krise um alle Ersparnisse und den Job und die Familie gebracht hat? Welch ein fürstliches Ambiente für den überzeugten Zen-Adepten, der mit nichts auskommt außer einer Halbliterflasche Wasser.</p>
<p>Greg Kloehn hat seinen Müllcontainer umgebaut, er hat alles eingebaut, was der „Mensch 2.0“ heute braucht &#8211; eine kleine Pantryküche, eine Toilette, einen Außengrill fürs Barbecue, Licht, Strom und Wasser. Diogenes hätte staunend sein Okay für so viel Erfindergeist gegeben. Und wenn ein Staatsmann die Sonne verdunkelt, dann kann man Greg Kloehns Container eigenhändig in die Sonne schieben.</p>
<p>Der angehende Containerbewohner muss nur ebenso elegant vom „urban animal“ zum „dumpster animal“ konvertieren wie dem Künstler die Transformation des schnöden Metallbehälters zu einer Ein-Raum-Wohnung gelungen ist. Ist Survival in den Schluchten der Großstadt die Zukunft? Gehen wir familienlosen Vagabundentagen entgegen? Wird uns die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zwingen, all unsere Ansprüche ans Leben herunterzuschrauben?</p>
<p>Vergessen wir nicht: Greg Kloehn ist Künstler. Er will uns etwas sagen. Oder nicht? Was, wenn er nur als Junge gern gebastelt hat, wenn er sich in einer Tonne liegend in eine andere Welt träumte? Dann wäre Greg Kloehn ein Heiliger unserer Tage, einer der den Kopf frei haben wollte für die wirklich wichtigen Dinge unserer Existenz. Ich überlasse dem geneigten Leser, diese Frage für sich zu beantworten.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mein religiöser Bauchladen</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 16:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Otto Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Devotionalien]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterik]]></category>
		<category><![CDATA[Heilwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen Fliege]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwann in den nächsten Jahren werde ich mit einem Bauchladen von Haustür zu Haustür ziehen müssen. Ich habe schließlich Kinder im Studium und einen aufwändigen Lebensstil. Zwischen 10.000 und 20.000 Euro muss es schon sein, was ich verdienen will. Was in diesem Bauchladen sein wird? Dinge, die jeder Haushalt braucht. Wirklich! Ich denke daran, eine kleine Kerze in einem Glasgefäß zu vermarkten, die so genannte „Heimleuchte“. Falls ich einmal irgendwo bei einer Geburtstagsparty mein Auto stehen gelassen habe und nicht mehr heimfinde, dann wird sie mir helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben. Im Lichte dieser Lampe kann ich auch den Beipackzettel lesen, der Psalm 23 enthält. (153,20 EUR). Dann könnte ich mir auch einen Laptop vorstellen, den ich nach vorheriger Handauflegung vertreiben werde. In einer schönen Urkunde wird dem Käufer zertifiziert, dass der Akku 30 Minuten länger durchhalten wird, weil die positiven und negativen Ionen mit geordneten Informationen aufgeladen sind (4380,00 EUR).Oder wie wäre es mit besonders heilkräftigem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 367px"><a title="Wealth and Religiosity" href="http://flickr.com/photos/44124348109@N01/2275614130"><img class=" " src="http://farm3.static.flickr.com/2187/2275614130_480d8cafda.jpg" alt="" width="357" height="302" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: &quot;Wealth and Religiosity&quot; von &quot;jurvetson&quot; auf Flickr.com</p></div>
<p>Irgendwann in den nächsten Jahren werde ich mit einem Bauchladen von Haustür zu Haustür ziehen müssen. Ich habe schließlich Kinder im Studium und einen aufwändigen Lebensstil. Zwischen 10.000 und 20.000 Euro muss es schon sein, was ich verdienen will. Was in diesem Bauchladen sein wird? Dinge, die jeder Haushalt braucht. Wirklich!</p>
<p>Ich denke daran, eine kleine Kerze in einem Glasgefäß zu vermarkten, die so genannte „Heimleuchte“. Falls ich einmal irgendwo bei einer Geburtstagsparty mein Auto stehen gelassen habe und nicht mehr heimfinde, dann wird sie mir helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben. Im Lichte dieser Lampe kann ich auch den Beipackzettel lesen, der Psalm 23 enthält. (153,20 EUR).</p>
<p>Dann könnte ich mir auch einen Laptop vorstellen, den ich nach vorheriger Handauflegung vertreiben werde. In einer schönen Urkunde wird dem Käufer zertifiziert, dass der Akku 30 Minuten länger durchhalten wird, weil die positiven und negativen Ionen mit geordneten Informationen aufgeladen sind (4380,00 EUR).<span id="more-2170"></span>Oder wie wäre es mit besonders heilkräftigem Wasser für das heimische Aquarium (100 ml zu 64,80 EUR), einem Ventilator für heiße Sommernächte, der nicht nur Luft um schaufelt, sondern gleich auch göttlichen Geist mitliefert. Auf den Rotorblättern sind Kreuze, Davidssterne, Jing-Jang-Kreise und Halbmonde eingraviert, so stelle ich mir das vor, ein Preis von 799,00 EUR ist wirklich nicht zuviel. Auch Gesichtscreme mit Wasser aus dem See Genezareth (88,80 EUR) könnte das Angebot in meinem Bauchladen komplettieren.</p>
<p>Sie haben Angst, dass ich damit ein Amtszuchtverfahren meiner Kirche riskiere? Und wenn schon, dann gründe ich eben einen Fernsehsender, steige ins Reisebusiness, veranstalte Esoterik-Seminare, vertreibe Zeitungen, bete mit Schamanen, führe Adepten zu den Stonehenge-Monolithen.</p>
<p>Das Leben ist herrlich, die Welt und der religiöse Markt groß und bunt und voller Möglichkeiten.</p>
<p>(Satirische Anklänge an das <a href="http://www.sueddeutsche.de/Z5C38h/244753/Disziplinarverfahren-gegen-Juergen-Fliege.html">Disziplinarverfahren </a>der Rheinischen Landeskirche gegen Pfarrer Jürgen Fliege sind rein zufällig und wirklich nicht beabsichtigt.)</p>
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		<title>Internetroman &#8220;Rogate&#8221; / 7</title>
		<link>http://www.zwoelff.de/2011-08/internetroman-rogate-7/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 12:50:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Scholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rogate]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerweide]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachmittags machten sich Viola und ihre Großmutter auf den Weg. Die steile Straße, die zum Friedhof führte, schien endlos lang zu sein. Die Sommersonne hatte sich in schwüle Hitze verwandelt. Kaum ein Baum spendete wohltuenden Schatten. „Schau, bald sind wir da!“ Gisela von Seelen deutete auf das schmiedeeiserne Tor des Dorffriedhofs. Wie zwei Wachsoldaten standen ihm zwei Rotbuchen zur Seite. Eine hohe Bruchsteinmauer verbarg den Blick auf die Gräber. Als die beiden die Pforte durchschritten, empfing sie eine angenehme Kühle. Hohe, alte Bäume gaben Schutz vor dem grellen Sonnenlicht, und behutsam nahmen sie die Besucher in Empfang. Viola schaute sich interessiert um. Aufmerksam registrierte sie die Gräber mit Büschen und Blumen. Einige waren wie die Miniatur einer Parkanlage gestaltet, an anderen schien niemand mehr Interesse zu haben außer den Insekten, die sich auf den wildwuchernden Pflanzen labten. Schweigend ging sie mit ihrer Großmutter die Wege entlang, die sich immer wieder verzweigten. Das Mädchen las die Namen auf den Grabsteinen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 364px"><a title="#13 in color" href="http://flickr.com/photos/26405526@N00/1922879070"><img src="http://farm3.static.flickr.com/2132/1922879070_f6cef30552.jpg" alt="" width="354" height="500" /></a><p class="wp-caption-text">Bild:&quot;#13 in color&quot; von &quot;onkel_wart (offline, most of the time)&quot; auf Flickr.com</p></div>
<p>Nachmittags machten sich Viola und ihre Großmutter auf den Weg. Die steile Straße, die zum Friedhof führte, schien endlos lang zu sein. Die Sommersonne hatte sich in schwüle Hitze verwandelt. Kaum ein Baum spendete wohltuenden Schatten.</p>
<p>„Schau, bald sind wir da!“ Gisela von Seelen deutete auf das schmiedeeiserne Tor des Dorffriedhofs. Wie zwei Wachsoldaten standen ihm zwei Rotbuchen zur Seite. Eine hohe Bruchsteinmauer verbarg den Blick auf die Gräber.</p>
<p>Als die beiden die Pforte durchschritten, empfing sie eine angenehme Kühle. Hohe, alte Bäume gaben Schutz vor dem grellen Sonnenlicht, und behutsam nahmen sie die Besucher in Empfang. Viola schaute sich interessiert um. Aufmerksam registrierte sie die Gräber mit Büschen und Blumen. Einige waren wie die Miniatur einer Parkanlage gestaltet, an anderen schien niemand mehr Interesse zu haben außer den Insekten, die sich auf den wildwuchernden Pflanzen labten. Schweigend ging sie mit ihrer Großmutter die Wege entlang, die sich immer wieder verzweigten.</p>
<p>Das Mädchen las die Namen auf den Grabsteinen. Manche waren in glänzendem Marmor gemeißelt, andere in stumpfen, naturbelassenem Sandstein, bei einigen schlichten Holzkreuzen waren sie eingebrannt oder auf einer vergoldeten Plakette eingraviert. Namen, die einmal zu jemandem gehörten und hier bewahrt wurden. Ein Engel, der schützend seine Hand über ein winziges Blumenbeet hielt, ließ Viola anhalten. Eine bunte Windmühle steckte in der Erde, und ein kleiner Teddy lag verloren auf einem Blütenkissen. Der kleine Junge, so verriet es die Grabinschrift, war nur zwei Monate alt geworden.<span id="more-2160"></span></p>
<p>„Er starb am plötzlichen Kindstod“, erklärte die Großmutter. „.. hat einfach vergessen zu atmen.“</p>
<p>Viola setzte den kleinen Teddy aufrecht in sein Kissen und drehte an der Windmühle. Nachdenklich betrachtete Gisela ihre Enkeltochter und sagte: „Das Leben liegt in Gottes Hand, manchmal dauert es hundert Jahre, manchmal nur einen Atemzug. Wir dürfen nur nicht vergessen, dass Leben und Tod zusammen gehören .“</p>
<p>Gisela nahm ihre Enkeltochter an die Hand und zeigte auf ein tiefes Loch, das unweit vom Kindergrab ausgehoben war. Es war mit grünem Kunstrasen ausgekleidet, und zwei Vierkanthölzer lagen quer über der Grube.</p>
<p>„Bald wird auch dort ein Sarg in die Erde gelassen.“</p>
<p>Die beiden zogen weiter über die Wege, bis sie zu einer Trauerweide kamen. Sie stand an einem besonderen Grab, das mit zarten Röschen und hellblauen Rangblümchen bepflanzt war. Einige Blüten ließen traurig ihre Köpfchen hängen.</p>
<p>Ein schlicht weißer Grabstein war mit dem Namen</p>
<p>SARAH VON SEELEN<br />
*29.11.1968 + 18.4.1972</p>
<p>beschriftet.</p>
<p>Sarah war als viertes Kind von Gisela und Wolfgang von Seelen zur Welt gekommen, nach Johannes, Thomas und Marie, die damals zehn, acht, sechs Jahre alt waren. Benjamin, der Jüngste, erblickte erst zehn Jahre nach ihrem Tod das Licht der Welt. Sarah war der Sonnenschein der Familie gewesen, konnte, so klein sie auch war, Eltern und Geschwister um den Finger wickeln. Ihre blonden Locken wurden oft mit einem süßen Pferdeschwanz gebändigt. Die kleinen stämmigen Beinchen wurden kaum müde, die nähere Umgebung zu erkunden.</p>
<p>Gisela hockte sich still vor das kleine Grab und zupfte ein paar welke Blüten. Für kurze Zeit gab sie sich der Erinnerung hin, ein Moment der nur ihr gehörte. Fast vierzig Jahre waren seit jenem schrecklichen Unfall vergangen, und es gab nicht einen Tag, an dem sie nicht an ihre Kleine gedacht hätte.</p>
<p>Sie erinnerte sich, dass es Buchstabensuppe zum Mittagessen geben sollte. Marie und die kleine Sarah waren unterwegs zum Kaufmannsladen gewesen. Sie sollten die Nudeln und einige andere Sachen besorgen. Marie hatte das Geld abgezählt in der Einkaufstasche in ihrer Linken. An ihrer anderen Hand ging Sarah. Kurz vor dem Laden, auf der anderen Straßenseite, sahen sie eine kleine süße Katze, die sich in der Sonne räkelte. Sarah wollte sie streicheln gehen, riss sich von der Hand der Schwester und lief auf ihren Beinchen über die Straße. In diesem Moment kam ein Auto um die Kurve. Der Fahrer, ein junger Mann aus dem Nachbarort, war unterwegs in die Stadt und konnte, als er das Kind die Straße überqueren sah, nicht mehr schnell genug bremsen. Sarah wurde von dem Wagen erfasst und starb an der Unfallstelle.</p>
<p>Marie hatte dem Drama hilflos zusehen müssen. Und Gisela hatte seit jenem verhängnisvollen Tag nie wieder Buchstabensuppe gekocht. Ihr kleiner Engel war bei Gott gut aufgehoben, da war sich Gisela sicher. Diese Gewissheit war es, die es ihr ermöglichte, die Kleine, hier in dem kalten Grab allein zu lassen, ohne zu verzweifeln.</p>
<p>Um Marie machte die Mutter sich dagegen oft Sorgen. Sie hatte nie geheiratet, wollte wohl keine Verantwortung für eine eigene Familie übernehmen. Statt dessen war sie eine hochgeschätzte Journalistin geworden, die selbst die schlimmsten Ereignisse schilderte, als seien sie Teil eines gigantischen irdischen Puzzles. Alles schien bei ihr irgendwie zusammen zuhören. Die Welt war ihr Zuhause, und die Artikel die sie schrieb, beschönigten nichts. Jedes Ereignis hatte seine Berechtigung darin, mehr erkennen zu können.</p>
<p>Gisela liebte ihre Kinder auf eine Weise, die von außen betrachtet ruhig und unaufdringlich war. Und doch war sie mit ihnen zeitenweise so eng verbunden, dass es mystisch schien. Ihrer Tochter Marie war sie manchmal so nahe, als ob jemand ihrer beider Hände nähme und sie zusammen führte. Dann spielte die Distanz keine Rolle mehr und sie betete oft „GOTT STEH IHR BEI“.</p>
<p>Violas widmete ihre Aufmerksamkeit der Trauerweide neben dem Grab, deren dichte Äste bis zum Boden reichten. Sie trat durch den Vorhang in das Innere des Raumes, den die Zweige bildeten. Ein schöner Platz für ein Versteck. Ob es wohl unheimlich war, hier zu übernachten, ging es ihr durch den Kopf. Das Mädchen konnte die Großmutter beim stillen Gedenken beobachten, aber sie selbst war unsichtbar. Viola hatte gelernt, die Zeit der anderen nicht für sich in Anspruch zu nehmen.</p>
<p>Die Großmutter faltete still die Hände. Als Viola bemerkte, dass sie ihr Gebet beendet hatte, trat sie aus ihrem Versteck.</p>
<p>„Willst du auch mal mit hinein?“</p>
<p>Violas Augen blitzten, als wolle sie der Großmutter eine Schatzkammer zeigen. Die beiden schoben den Blättervorhang zur Seite und traten hinein. So viele Jahre kam Gisela von Seelen schon an diese Stelle, aber noch nie hatte sie einen Blick ins Innere der Trauerweide geworfen. Es rührte sie, dass die Enkeltochter so viel Gefallen an dem Baum hatte.</p>
<p>„Als ich so alt war wie du heute, habe ich immer Zuflucht in so einem Baum gesucht, wenn ich allein sein wollte. Er war mein Geheimversteck, ein Ort, an dem ich mich sicher fühlte wenn ich glaubte, alle seien gegen mich. Er stand am Ufer eines kleinen Weihers und manchmal glaubte ich sogar das Läuten der versunkenen Kirche zu hören. Die Leute erzählten sich, an jener Stelle habe einst ein Dorf gestanden. Nach einem gewaltigen Unwetter sei es untergegangen. Wer genau hinhörte, so die Sage, konnte an besonderen Tagen das klagende Läuten der Glocken wahrnehmen.“</p>
<p>„Wirklich?“ Violas Augen schauten neugierig auf die Großmutter.</p>
<p>„Erzählst du mir davon?“</p>
<p>„Oh, das ist eine lange Geschichte. Komm lass uns Wasser holen, und nebenher erzähle ich dir etwas von der Geschichte.“</p>
<p>Die beiden traten wieder aus dem Baumversteck ins helle Sommerlicht und füllten die Gießkanne aus dem Wasserhahn am Brunnen. Viola goss emsig die Blumen auf dem Kindergrab.</p>
<p>„Ob Sarah sich jetzt auch freut?“</p>
<p>„Bestimmt, mein Schatz!“ Sie warfen noch einen Blick, der ein Wiederkommen versprach, auf die Totenstätte, nahmen jede selbstverständlich die Arbeitsutensilien in die Hand und gingen weiter&#8230;</p>
<p>Gisela erzählte ihrer Enkelin die Geschichte, die sie ihrerseits von ihrer Großmutter so gern gehört hatte. Das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel schienen im Laufe der Jahrzehnte unverändert. Die uralte Sage wurde erzählt und jedes ihrer Wörter, hoffte erneut , irgend wann wieder einmal gesprochen zu werden, damit sie nicht in Vergessenheit geriet.</p>
<p>Gisela unterbrach ihre Erzählung, als sie am Grab der Schwiegereltern ankamen.</p>
<p>„Wann erzählst du weiter? “</p>
<p>„Keine Sorge, die Ferien sind noch lang, du wirst noch erfahren wie es weitergeht.“</p>
<p>Die beiden legten die Gartengeräte aus der Hand. Viola las die Namen ihrer Vorfahren auf dem stattlichen Solling-Sandstein.</p>
<p>HERMINE VON SEELEN<br />
*1915 + 1995</p>
<p>zum Gedenken an</p>
<p>GUSTAV VON SEELEN<br />
*1910 + 1945</p>
<p>„Oma, was bedeutet `zum Gedenken an´?“</p>
<p>„Dein Urgroßvater liegt hier nicht an diesem Ort begraben, aber wir wollten hier an ihn denken und erinnern.“</p>
<p>Viola stellte zur Verwunderung ihrer Großmutter keine weiteren Fragen mehr zu diesem Thema. Wolfgang von Seelen hatte seinen Kindern in ihrer Konfirmandenzeit die tragische Geschichte seines Vaters erzählt. Er meinte, es sei das richtige Alter, um zu begreifen, wie viel Leid der Nationalsozialismus über die Menschen gebracht hatte. Gisela wiederum war sich sicher, dass er auch seiner Enkelin die Geschehnisse des Jahres 1945 schildern würde, wenn sie das dreizehnte Lebensjahr vollendet hatte.</p>
<p>Der Giersch mit seinen langen Wurzeln überwucherte das Grab. „Versuch das Kraut möglichst mit allen Wurzeln zu ziehen, sonst kommt es immer wieder!“ mahnte die Großmutter. Mit stoischem Gleichmut und meditativer Ruhe zupften die beiden Kraut und Verwelktes von der Erde des Grabes. Dabei bemerkten sie die schwarze Wolkenwand nicht, die sich im Nordosten zusammen zog. Erst der frischer werdende Wind, der die Schwüle der Sommerluft verwirbelte, ließ die beiden nach oben schauen. Gisela sah ihre Enkelin auffordernd an. „Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir nicht mehr trockenen Fußes heim!“</p>
<p><span style="color: #ff00ff;">Alle Rechte bei Kerstin Scholz.</span></p>
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