Artikel zum Thema Hänsel und Gretel

Die Spur des Brotes

Samstag, 4. Oktober 2008

Bild: "KnusperHexenHaus" von PercyGermany auf Flickr.com

Brotverschwendung
Ein armer Holzfäller und seine Frau haben zwei Kinder, Hänsel und Gretel genannt. Und weil die Eltern kein Geld mehr haben, sie zu ernähren, beschließen sie, die beiden Kleinen im Wald zurückzulassen. Abgesehen von der Grausamkeit der Not, die einen solchen Plan erst möglich macht und der lakonischen Gewissensruh der beiden Eltern, die sich kaum noch fragen, ob das Aussetzen von Kindern politisch korrekt ist oder nicht, hat mich immer eines interessiert: warum um Himmels willen nimmt Hänsel das dringend benötigte Brot, um für sich und Gretel eine Spur nach Hause zu legen? Weiß er nicht, dass die Vögel ihm die Spur wegfressen werden? Ahnt er nicht, dass er in diesem Elternhaus nicht mehr willkommen ist? Wovon will er denn leben, wenn er all sein Brot ausstreut wie der Sämann im Gleichnis von dem vierfältigen Acker?

Man springt womöglich zu kurz, wenn man allein die sozio-ökonomischen Verhältnisse zur Zeit der Gebrüder Grimm beachtet, die ein Aussetzen von Kindern in Hungerperioden wenigstens denkbar werden lassen. Die Kirchenbücher jener Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts geben manche Eintragung her wie jene: “Kind im Schlaf erdrückt”, “Kind an Hungers und Schwindsucht gestorben” oder “Kind beim Spielen im Wassergraben ertrunken”. Man springt deshalb zu kurz, weil das Brot im Märchen von Hänsel und Gretel eine zu große Rolle spielt, und diese Rolle geht weit über die eines Lebensmittels hinaus. [Weiterlesen...]

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