Artikel zum Thema Holocaust
O Falladah, die du hangest!
Montag, 1. Februar 2010Ad Memoriam 30.1.1933
EIN PFERD KLAGT AN
Ich zog meine Fuhre trotz meiner Schwäche
Ich kam bis zur Frankfurter Allee.
Dort denke ich noch: O je!
Diese Schwäche! Wenn ich mich gehenlasse
Kann ‘s mir passieren, daß ich zusammenbreche.
Zehn Minuten später lagen nur noch meine Knochen auf der Straße.
Kaum war ich da nämlich zusammengebrochen
(Der Kutscher lief zum Telefon)
Da stürzten aus den Häusern schon
Hungrige Menschen, um ein Pfund Fleisch zu erben
Rissen mit Messern mir das Fleisch von den Knochen
Und ich lebte überhaupt noch und war gar nicht fertig
mit dem Sterben.
Aber die kannt’ ich doch von früher, die Leute!
Die brachten mir Säcke gegen die Fliegen doch
Schenkten mir altes Brot und ermahnten
Meinen Kutscher, sanft mit mir umzugehen.
Einst mir so freundlich und mir so feindlich heute!
Plötzlich waren sie wie ausgewechselt! Ach, was war
mit ihnen geschehen?
Da fragte ich mich: Was für eine Kälte
Muß über die Leute gekommen sein!
Wer schlägt da so auf sie ein
Daß sie jetzt so durch und durch erkaltet?
So helft ihnen doch! Und tut das in Bälde!
Sonst passiert euch etwas, was ihr nicht für möglich haltet!
Text: Bertolt Brecht / Musik: Hanns Eisler
Zitiert nach Ernst Busch: bertolt brecht – Legenden, Lieder Balladen 1914-1924.
Aurora 5 80 025/26. Erstmals erschienen 1967.
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Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise
Freitag, 25. Dezember 2009Es gibt Menschen, die stehen mit ihrem Leben für eine ganze Generation. Es gibt Menschen, an denen sich andere aufrichten können, wieder Hoffnung schöpfen. Es gibt Menschen, deren Verhalten getrost zur Maxime einer allgemeingültigen Ethik werden könnte (im Sinne Kants). Zu diesen Menschen gehörte der Seemann und Kapitän Yitzhak (Ike) Aharonovitch.
Am Mittwoch starb er 86jährig. Berühmt wurde er mit dem unter seinem Kommando fahrenden Flüchtlings-Schiff ”Exodus“, mit dem er die britische Blockade Palästinas durchbrechen wollte. Das Schiff startete 1947 in Frankreich in Richtung des damals von den Briten kontrollierten Mandatsgebiet Palästina mit 4554 Passagieren an Bord. Diese waren überwiegend Holocaustüberlebende. Die britische Marine brachte das Schiff allerdings auf und schickte die Flüchtlinge nach Deutschland, wo die Menschen auf ehemalige Konzentrationslager verteilt wurden, die von den Alliierten in der Zwischenzeit in Lager für so genannte ”displaced persons” umfunktioniert worden waren. Darüber kam es zu weltweiten Protesten. Kapitän Yitzhak Aharonovitch wurde durch sein vorbildliches Verhalten in den dramatischen Wochen auf See berühmt. Seine Civilcourage bleibt unvergessen.
Die Irrfahrt der „Exodus“ inspirierte den amerikanischen Schriftsteller Leon Uris zu seinem gleichnamigen Doku-Roman, den 1960 Otto Preminger zu einer Hollywood-Saga verfilmte. Kommentar des bekannten israelischen Schriftstellers Joram Kanjuk überYitzhak Aharonovitch: dieser habe mit seinem Mut den britischen Mandatsbehörden „moralisch das Genick gebrochen“. Ein “Träumer und Kämpfer” wie sein Bruder ihn titulierte, tritt nun seine letzte große Reise an.
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Solidarität mit den Opfern des Holocaust
Donnerstag, 5. Februar 2009
Bild: "C'è Auschwitz, dunque non può esserci Dio." von "confusedvision" auf Flickr.com
Es gibt sie noch in Deutschland: die Menschen, die ganz direkt unter dem Terror der Nazis gelitten haben, denen die Angst vor Ledermänteln, Stiefeln und Stacheldraht ins Gesicht geschrieben steht. Sie haben solches Leid gesehen, dass es sich gar nicht ausmalen lässt. Sie sind alt geworden. Manchmal kann man sie an Schulen finden, dann sitzen sie unter ganz jungen Schülern und erzählen von diesen Tagen, die niemals mehr wiederkommen sollen. Sie erzählen Geschichten von Menschen, die das alles nicht überlebt haben. Sie halten das Andenken dieser Menschen lebendig und das Erbe der Menschheit – nämlich die Menschlichkeit, die Hoffnung und die Liebe.
Es sind jüdische Menschen, Sinti, Roma, Homosexuelle, ehemalige Kommunisten, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, bekennende Christen. Sie alle hatten einen besonderen Winkel am Arm, der sie kennzeichnen sollte, damit das Wachpersonal in den KZ´s immer wusste, mit wem sie es zu tun hatten. [Weiterlesen...]
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