Artikel zum Thema Karfreitag

Flashmob am Karfreitag

Freitag, 13. Mai 2011

Bild:"The Dance of Death (c.1904)" von "postaletrice" auf Flickr.com

Wer am Sabbat mit dem Auto durch Jerusalem fährt, muss damit rechnen, von den Ultraorthodoxen mit Steinen beworfen zu werden. Der Sabbat sei heilig, argumentieren die jüdischen Radikalen. Die Sabbatruhe müsse eingefordert werden. Entsprechend rabiat gehen sie zu Werke. Kulturkampf in Israel – nun auch bei uns?

In Deutschland tobt gerade ein Streit um das Tanzverbot am Karfreitag. Diskothekenbetreiber und amüsierlustige Szenegänger wollten sich das Recht auf Tanz – wo immer und wann immer – nicht nehmen lassen. Man traf sich sogar am Karfreitag zum Flash-Mob auf dem Frankfurter Römer, um auf die nach ihrer Meinung absurde Praxis der Ordnungsämter, die ja für die Einhaltung der verbrieften Feiertagsruhe zuständig sind, hinzuweisen.

Nun gab der erste deutsche Kirchenmann klein bei. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, forderte die Kirchen in Deutschland dazu auf, sich als Stimme in der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu begreifen. Der Karfreitag als gesetzlich geschützter Feiertag sei möglicherweise nicht mehr konsensfähig, so Jung.

Matthias Matussek im Spiegel über die Protestanten: ” …Die bequemere der christlichen Konfessionen ist derzeit eindeutig die protestantische. Ihre Bekenntnisse tropfen ins gesellschaftliche Gewebe in homöopathischen und jederzeit gut verträglichen Verdünnungen. Sie ist fortschrittlicher Mainstream und ihre Lebenshaltung gutbürgerlich. Ihre Pastoren laufen mit der Zeit, sie heiraten und lassen sich scheiden, sie fahren ab und zu betrunken Auto, nichts, was irgendeinen groß aufregen würde, im Gegenteil, sie werden geliebt dafür, dass sie sind wie alle. Sie verlangen nichts, sondern schreiben Erbauungsliteratur.”

Streitbar ist dieser Kultur-Blogger, das muss man ihm lassen. Womöglich hat er sogar Recht.

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Karfreitagsruhe oder Flamenco?

Montag, 4. April 2011

Bild: "Noche Flamenca" von Pat McDonald auf Flickr.com

Die Feiertagsruhe fußt biblisch auf dem Schöpfungsbericht und diversen Sozialgesetzen des frühen Judentums, die dem Schutz der Geknechteten dienten. Gott habe nach seinem Schöpfungswerk geruht. Darum solle auch der Mensch es ihm gleichtun.

Der sonntägliche Müßiggang dient nach heutigem Verständnis nicht nur der körperlichen Erholung, sondern vielmehr auch dem geistlichen Aufatmen, der Erholung des inneren Menschen. Seltsam nur, dass der nichts mehr davon wissen will. Wer tagsüber in Fabrik oder Büro arbeitet, möchte am Wochenende “action” erleben oder “shoppen” gehen.

In lang andauernden Rückzugsgefechten erheben die großen deutschen Kirchen immer wieder ihre Stimme zum Schutz des Feiertagsgebotes, das ja auch im deutschen Grundgesetz verankert ist. Gerade erst streitet man sich um den Schutz des Karfreitags, dessen Charakter ja durch Besinnlichkeit und gottesdienstliche Trauerkultur geprägt ist. Das Leiden und Sterben Christi möge auch vom modernen Menschen bedacht sein – was aber, wenn dieser lieber die Oper “Billy Budd”, einen Flamenco-Abend im Tanzhaus NRW oder das Stück “Der lustige Witwer” im Theater an der Kö (so geplant in Düsseldorf dieser Tage) besuchen möchte statt des Gottesdienstes? [Weiterlesen...]

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Erinnerung an Ilse Uhlmann

Donnerstag, 9. April 2009

Bild: "requiem" von "confused" auf Flickr.com

An Karfreitag lässt sich nur schwer predigen. Man hat als Prediger einen Kloß im Hals – so wie man einen Kloß im Hals hat, wenn man Menschen im Elend sieht.

Elend haben viele Menschen. Ich denke an die Abruzzendörfer in Italien, wo Menschen unter Schutt begraben liegen, wo man jetzt nach dem verheerenden Erdbeben sagt: „hier war früher mal ein Dorf.” Klagende graben mit eigenen Händen nach Angehörigen, suchen in einsturzgefährdeten Mauern nach Habseligkeiten.

Ich denke an den Kranken, der deprimiert ist, weil er sterben muss. Ärzte vermeiden vor Kranken, die Wahrheit zu sagen. Man muss sie schon dazu nötigen. denn eine Diagnose ist wie ein Todesurteil, die Krankenakte wie ein INRI-Schild über dem Kreuz Jesu. Menschen kommen, wollen dem Kranken Anteilnahme spenden, sind letztlich hilflos. Freunde nehmen Abschied, haben Tränen in den Augen, erinnern an gemeinsame Tage. Die Krankheit selbst greift immer mehr Raum im Körper, wird zur Kreuzigungserfahrung. [Weiterlesen...]

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