Artikel zum Thema Kirche

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Das Ende der Risikogesellschaft

Samstag, 4. September 2010

Bild: "Free Children in Sneakers At The Skate Park Creative Commons" von "Pink Sherbet Photography" auf Flickr.com

So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!  Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

In der Risikogesellschaft leben wir auf eigene Rechnung. Solidargemeinschaft war gestern und Generationenvertrag war gestern – jeder lebt jetzt für sich allein, jeder stirbt für sich allein. Sarrazin hat die Debatte angeheizt: wo sich nicht alle Menschen in die vorhandene Wertegemeinschaft integrieren, da entstehen Clans und kulturelle Enklaven. Das zerreißt eine Solidargesellschaft auf Dauer. Aber im Grunde haben sich auch die Seilschaften für alle höheren Jobs längst aus der Solidargemeinschaft verabschiedet.

Paulus beschwört im Römerbrief (siehe oben: Röm 8,12ff) den Geist der Kinder Gottes. Auch den Begriff Abrahams Kinder nimmt er an anderer Stelle in den Mund. Die Gemeinschaft der Christen ist für ihn Teil des Gottesvolkes, das vom Geist Gottes durchdrungen ist. Zunächst vom Geist der Zehn Gebote, der Tradition der Thora, später aber auch vom Geist Jesu. Jesus glaubte an dieses besondere Volk, dem das Reich Gottes verheißen war – Paulus auch.

Auffällig, wie Paulus diese Wertegemeinschaft beschreibt. Wie er nicht den Geist der Grausamkeit beschwört, der vom Römischen Weltreich Besitz ergriffen hatte, sondern  den Geist, der Menschen befähigt, solidarisch mit dem Mitmenschen umzugehen? Eine Gemeinschaft ist das, die in kindlichem Vertrauen auf Gott ABBA zu ihm sagt – Papa. Eine Gemeinschaft, die das Verhältnis von Eltern zu Kindern als prägend beschreibt, nicht das „jeder lebt für sich, jeder kämpft für sich, jeder stirbt für sich.

Nun gab es schon einmal Staatengebilde, die ihre Bürger bevormundet haben: die stalinistisch gegründete DDR zum Beispiel. Ich erinnere mich, 1989 im Frühjahr ein Buch zu meinem Kollegen geschmuggelt zu haben – das hieß „Der vormundschaftliche Staat“ und war von Rolf Henrich. Darin beschreibt er, dass der so genannte DDR- Mensch sich nicht ungern in die Hand des fürsorgenden Staates begeben hat. Er gewöhnte sich an vorgezeichnete Karrieren, an vorgestanzte Denkmuster, an lauwarme staatliche Fürsorge wie Mindestlohn und Beschäftigungsgarantie. Im Umkehrschluss: er hatte Angst vor Veränderung, vor der Übernahme von Eigenverantwortung, vor Ausscheren aus der Reihe. Vormundschaftsstaat und Überwachungsstaat, zwei Seiten einer Medaille des Totalitarismus. Die Bürger dieses Staates sagen „großer Bruder Mao“ aber eben nicht Abba, lieber Vater im Himmel. [Weiterlesen...]

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Die Kirche ist nun weiblich, gescheit und eloquent

Montag, 2. November 2009

Bild: "Morning on Haleakala" von Ken Schwarz auf Flickr.com

Der VW-Konzern hat uns mit einer der aussagestärksten Werbekampagnen aller Zeiten konfrontiert. Dass niemand vorher darauf gekommen ist. VW nannte seinen Golf einfach nur “Das Auto.” Angeblich war damit schon alles gesagt. Wenn einer also Auto denkt, dann denkt er an den Golf. Woran denken wir, wenn wir Kirche denken? Bis vor kurzem hätten die meisten Menschen in Deutschland gesagt “Der Papst.” Das war für uns Protestanten schmerzlich. Wie nun – werden wir in der Öffentlichkeit gar nicht mehr wahrgenommen? Beherrscht der Papst, beherrscht die katholische Kirche (wir geben ja zu, sie ist die Größte) wirklich so sehr das Bewusstsein der Leute, sagen wir mal genauso wie Kleenex-Tücher, Accu-Pads, Uhu Klebstoff und die Aspirin am Morgen danach?

Nun – nach der Wahl der Bischöfin Käßmann aus Hannover, dieser kleinen, flinken, blitzgescheiten “Überfliegerin” der Lutheraner – dreht sich der Wind im  Gazettenwald. Sie ist schon lange ein gern gesehener Gast in den Talkshows, ja sie lässt neuerdings selber Fernsehen machen frei nach dem Motto: die Nachrichten – die machen wir selbst. Doch nun hat sie Starqualitäten, wird immer umlagert von einer Meute Presseleute. Daran muss sich die protestantische Kirche erst mal gewöhnen. Aber: nun assoziiert die Öffentlichkeit beim Wort Kirche nicht mehr “den Papst” sondern die evangelische Kirche, vertreten durch Margot Käßmann.  Na – wenn das nichts ist.

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Eine Kirche mit offenen Armen

Montag, 20. Juli 2009

Blid:"Manos" von "Fortimbras" auf Flickr.com

Eine offene Kirche in einer fremden Stadt – das Portal steht mir weit offen – ich wage einen ersten neugierigen Blick. Drinnen warten Stille und Dämmerlicht. Ernste Skulpturen blicken mich an. Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert: damals stromerten wir in Wald und Flur herum, suchten nach vorborgenen Schätzen, bauten Nester im Gebüsch oder erkundeten alte Bunker. Entdeckerlust – aber da ist auch etwas anders: eine offene Kirche hat etwas von einer guten Mutter, die den spielenden Kindern im Garten mit einem Lächeln Butterbrote und Limonade reicht. Eine offene Kirche wirbt für sich und präsentiert sich dem Zweifler oder dem Gebeugten als Trösterin. Sie umfängt den Armen und Heimatlosen. Sie sagt:”So bin ich! In mir wohnt die Liebe Gottes. Hier kannst du sie spüren.”

In Sao Paulo, der brasilianischen Mega-Metropole, wo Tag für Tag Tausende mit Zug oder Auto stranden und Obdach suchen, Arbeit und ein geachtetes Leben – in Sao Paulo ist jetzt eine Kirche rund um die Uhr geöffnet worden. Die katholische “Nossa Senhora da Boa Morte” (“Unsere Frau vom schönen Tod”) dient – entgegen den ersten Mutmaßungen über ihren Namen – dem Leben. Sie soll für Obdachlose, Drogenabhängige und sonstige Menschen in Not täglich und rund um die Uhr offen sein. Eine Kirche mit offenen Armen – zur Nachahmung auch in deutschen Städten empfohlen.

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Überfüllte Weihnachtskirchen

Sonntag, 21. Dezember 2008

Bild: "Sterne - Stars" von Gertrud K. auf Flickr.com

Überfüllte …
In Tokio hat man an den Haltestellen der U-Bahnen Bahnsteigangestellte, die keine andere Aufgabe haben, als die vielen Büromenschen zu den Stoßzeiten in den Wagen zu befördern, sprich zu stopfen. Da kommt man sich schon nahe. Aber Japaner sind das gewohnt.
Nun aber hört man Ähnliches aus Berlin. Der Tagesspiegel berichtet, dass in manchen Kirchen der Hauptstadt an Heilig Abend Eintrittskarten ausgegeben werden müssen, um des Ansturms auf die Festgottesdienste Herr zu werden. Deutsche waren das bis jetzt noch nicht gewohnt. An jedem anderen normalen Sonntag scheinen die Gotteshäuser überdimensioniert zu sein. Kaum eine Bankreihe ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Das tut uns Deutschen aber nicht weh, sind wir es doch gewohnt “auf Abstand” zu halten, gerade wenn wir das Wort Gottes hören, bedenken und uns davon erbauen lassen.
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Mensch, wo bist du?

Freitag, 5. September 2008

Plakat für den 32. Kirchentag in Bremen 2009

(kirchentag.net) – Es ist schon eine Weile her, dass das offizielle Poster des Kirchentages 2009 in Bremen vorgestellt wurde, um genau zu sein, am 8. Mai. Aber es soll Leute geben, die vom Kirchentag der evangelischen Kirchen in Deutschland noch nichts wissen. Dem sei hiermit abgeholfen.
Was haben wir uns unter diesem Plakat vorzustellen? Es liegt ihm ein Zitat aus der Schöpfungsgeschichte zugrunde, jenes berühmte “Adam, wo bist du?” das Gott, der HERR dem sich versteckenden Adam zuruft. Der hatte gerade im Paradiesgarten Eden von den Früchten am Baum der Erkenntnis genascht und war von Schuldgefühlen geplagt, vielleicht auch von der Angst vor Strafe. Das Plakat des Kirchentages erinnert also an die Verantwortung des Menschen für alle seine (auch politischen) Handlungen im Angesichte Gottes.
Der evangelische Kirchentag war ja schon immer auch ein Diskussionsforum für politische Ethik. Nicht allein das Frommsein im stillen Kämmerlein, sondern auch das Bekenntnis zum Leben in den Bereichen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung liegt den Organisatoren und Verantwortlichen am Herzen. Man kann den Sinnspruch getrost auch so lesen: “Mensch von heute, wo bleibt dein Engagement für Kirche und Gesellschaft?”

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