Artikel zum Thema Priester

Deutsche Katholiken debattieren um Mitbestimmung

Freitag, 13. Mai 2011

Bild: "Rynek Glówny Krakau" von "FaceMePLS" auf Flickr.com

Die römisch-katholische Kirche bildet in gewisser Weise immer noch das Imperium Romanum der Antike ab. Sie ist nicht pluralistisch oder gar demokratisch verfasst, sondern eher hierarchisch. Die Lehre von dem, was katholische Christen glauben sollen, verdankt sich dem Nachdenken der Bischöfe, nicht aber der Mitbestimmung der Kirchenbasis. Dennoch gibt es eine Organisation in Deutschland, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, welches schon längere Zeit die Mitbestimmung innerhalb der römischen Kirche anmahnt. Es kann sich nur um einen langwierigen Prozess handeln, soviel ist den Engagierten im ZdK klar. Demokratie in der Kirche, weibliche Priester, Aufhebung des Zölibats – das sind erst noch Forderungen, ein Rütteln am Portal. Die Diözesanverwaltungen reagieren eher mit Abschottung als mit Nachdenklichkeit. Denkverbote aber lassen sich im Informationszeitalter nicht aufrecht erhalten, werden politisch auch heftig infrage gestellt.

Im Augenblick tagt das ZdK, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, in Erfurt, und es geht in der Tagungsagenda besonders um die angemessene Präsenz der katholischen Kirche in der deutschen Gesellschaft und im Staat, aber auch um das Verhältnis von Klerikern und Laien in den Gemeinden und Diözesen, um das Mitspracherecht und die Kompetenz des Kirchenvolkes. In den Arbeitsgruppen werden sowohl die Bischöfe und Priester vertreten sein als auch die Laien, unter beiden gibt es Fortschrittliche als auch Traditionalisten. Der große Schlagschatten, in dem das geschieht, ist die im Augenblick durch die Missbrauchsskandale erschütterte Reputation der römischen Kirche. Dieses Vertrauen wird nicht leicht wieder zu gewinnen  sein. Vielleicht ist gerade das Monolithische, also die Hierarchie, der größte Hemmschuh dabei.

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Priesteramt und Entsagungskultur

Montag, 15. März 2010

Bild: "IMG_7629" von Mathiasheil auf Flickr.com

Wolfgang Thierse, Vizepräsident des deutschen Bundestages, hat der katholischen Kirche eine “Krise” konstatiert. Die Debatte um den sexuellen Missbrauch von jugendlichen Anbefohlenen in Heimen oder Pfarreien müsse die römische Kirche dahin bringen, kritischer mit sich selbst umzugehen. Hat er das Vorbild Margot Kässmanns vor Augen, die ja schon bei einem weit geringeren Anlass (mit Alkohol am Steuer) Konsequenzen zog? Thierse, in seiner Jugend selbst Mitglied der katholischen Studentengemeinde Berlins, sieht den Papst selbst in der Pflicht, der – wie die Kirche im Ganzen – “ehrlicher und strenger” zu sich sein müsse. [Weiterlesen...]

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Der Priester mit Familie

Freitag, 16. Oktober 2009

Bild:"priester-boutique" von "me_maya" auf Flickr.com


Ein Mann hat sich in eine Frau verliebt. Sie verbringen zweisame schöne Stunden. Nach neun Monaten kommt ein gesunder Junge zur Welt. Eine schöne Geschichte, möchte man meinen. Viele Menschen gratulieren dem Vater, denn er ist beliebt. Man mag ihn, weil er seinen Beruf gut ausübt. Er ist katholischer Priester. Aber er lebt im Zölibat. Eigentlich.

In Hammelburg hat sich solches derzeit zugetragen. Und die stille Frage der dortigen katholischen Gemeinde ist, warum ihr Pfarrer nicht einfach bleiben könne. So halten es doch auch die Evangelischen. Soll er doch eine Familie haben, denken sie, wagen es aber nicht, es besonders laut auszusprechen. Man weiß, dass das Kirchenrecht dem entgegen steht, dass die römische Kirche noch festhält am Zölibat.

Aber die Zeichen der Erosion des Zölibatsanspruches sind unübersehbar. Immer mehr Priester outen sich und nehmen die Konsequenz dafür in Kauf, die Aufgabe ihres geliebten Berufes, schauen sich nach beruflichen Alternativen um. Immer wieder muss die kirchliche Obrigkeit in Gemeindeversammlungen den Standort der Debatte erklären, muss für etwas werben, was die kirchliche Arbeit in den Pfarreien erschwert, denn eigentlich gibt es den Überschuss an Priestern nicht, aus dem man die Vakanzen neu besetzen könnte. Eigentlich braucht der Bischof jeden Mitarbeiter im Priesterdienst, gerade dann, wenn er zuvor sehr gute Arbeit gemacht hatte.

Priesterkinder gab es schön früher. Neu ist, dass sich die Männer der Kirche nicht mehr verstecken wollen, dass sie sich stolz zu ihren Kindern und natürlich besonders auch zu ihren Frauen bekennen. Heuchelei und Verschweigen war früher – Wahrhaftigkeit zieht ein. Das mildert nicht die äußeren Probleme, die der (noch) geltende Zölibat mit sich bringt. Aber es bringt die katholische Kirche im Ganzen in einen fruchtbaren Denkprozess, an dessen Ende womöglich ein neuer Pragmatismus stehen könnte. Die Lösung der Orthodoxen Kirche, hier Weltpriester (mit Familie) dort Ordenspriester (im selbstgewählten Zölibat), könnte auch für Rom ein gangbarer Weg sein. Denn die Gemeinden (wenigstens in Deutschland) verlangen nach gut ausgebildeten, hoch motivierten und besonders auch wahrhaftigen Geistlichen.

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