Artikel zum Thema Tod
Haiku
Samstag, 15. Oktober 2011Gesang
nasses bettkissen
großmutter singt blind ins licht
glückseliger tod
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Internetroman “Rogate” / 7
Mittwoch, 31. August 2011Nachmittags machten sich Viola und ihre Großmutter auf den Weg. Die steile Straße, die zum Friedhof führte, schien endlos lang zu sein. Die Sommersonne hatte sich in schwüle Hitze verwandelt. Kaum ein Baum spendete wohltuenden Schatten.
„Schau, bald sind wir da!“ Gisela von Seelen deutete auf das schmiedeeiserne Tor des Dorffriedhofs. Wie zwei Wachsoldaten standen ihm zwei Rotbuchen zur Seite. Eine hohe Bruchsteinmauer verbarg den Blick auf die Gräber.
Als die beiden die Pforte durchschritten, empfing sie eine angenehme Kühle. Hohe, alte Bäume gaben Schutz vor dem grellen Sonnenlicht, und behutsam nahmen sie die Besucher in Empfang. Viola schaute sich interessiert um. Aufmerksam registrierte sie die Gräber mit Büschen und Blumen. Einige waren wie die Miniatur einer Parkanlage gestaltet, an anderen schien niemand mehr Interesse zu haben außer den Insekten, die sich auf den wildwuchernden Pflanzen labten. Schweigend ging sie mit ihrer Großmutter die Wege entlang, die sich immer wieder verzweigten.
Das Mädchen las die Namen auf den Grabsteinen. Manche waren in glänzendem Marmor gemeißelt, andere in stumpfen, naturbelassenem Sandstein, bei einigen schlichten Holzkreuzen waren sie eingebrannt oder auf einer vergoldeten Plakette eingraviert. Namen, die einmal zu jemandem gehörten und hier bewahrt wurden. Ein Engel, der schützend seine Hand über ein winziges Blumenbeet hielt, ließ Viola anhalten. Eine bunte Windmühle steckte in der Erde, und ein kleiner Teddy lag verloren auf einem Blütenkissen. Der kleine Junge, so verriet es die Grabinschrift, war nur zwei Monate alt geworden. [Weiterlesen...]
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Die Welt wird uns zu klein
Montag, 30. März 2009Ein bekanntes Lied im Evangelischen Gesangbuch ist “Kommt, Kinder, lasst uns gehen” von Gerhard Tersteegen. Er lebte von 1697 bis 1769 am Niederrhein, war erst Kaufmann, später Bandwirker und zog sich in die Abgeschiedenheit zurück. Er wollte in der Anschauung Gottes leben, also Gott ein- und ausatmen, in immerwährendem Gebet ihm dienen. Er hatte einen rigorosen Lebensstil, den wir so heute nicht mehr nachvollziehen. Bleibend aber sind seine vielen schönen Lieder. Davon ist dieses Pilgerlied eines der schönsten.
Er nennt darin seine Mitchristen, denen er dies Lied gewidmet hat, seine Kinder. Das bezieht sich auf das Wort Jesu: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr das Gottesreich nicht erlangen.” Leben heißt für Gerhard Tersteegen Gotteskindschaft und eben Pilgerweg. Der Abend kommt herbei: also der Tod kommt. Aber, fürchtet euch nicht: das Ende ist gut! Der, der alle ruft – heimruft sozusagen – ist der väterliche Gott, der einlädt zum unbedingten Vertrauen in seine Wege. Das Ziel der Pilgerschaft ist das himmlische Jerusalem: Leben ist eine Wallfahrt zum Gottesberg, zum Zion, zum heiligsten Tempel Gottes. [Weiterlesen...]
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In der Einsamkeit des Mondes
Donnerstag, 20. November 2008
Bild: "Buzz Aldrin auf dem Mond, 1969"/ Source:Life auf Google.com
Einsam steht ein Mann vor einer Flagge. Dunkelheit um ihn. Ödnis bis zum Horizont und weiter hinaus. Im Sand sind Stiefelspuren. Im Schatten eine Metallkonstruktion. Die Flagge ist das Sternenbanner. Wir schreiben das Jahr 1969. Buzz Aldrin, der Nasa-Astronaut salutiert.
Geschützt nur durch seinen dicken Anzug steht er im luftleeren Raum des Mondes. Auf dem Mond ist klirrende Kälte und flirrende Hitze. Auf dem Mond kann der Mensch nicht sein. Kein Leben da. Nur karge felsige Ödnis. Später schreiben die Astronauten, erst diese Begegnung mit der Lebensfeindlichkeit des Mondes habe ihnen gezeigt, wie freundlich und bergend, aber auch wie verletzlich die Erde mit ihrer Lebenssphäre ist.
Am Totensonntag gedenken wir der Menschen, die gestorben sind. Wir denken an „unsere” Menschen. Sie gehörten einmal zu uns, wir liebten sie, wir lebten mit ihnen, uns verbindet gemeinsames Lachen und Weinen. Nun sind sie nicht mehr. Wo sind sie? Ist der Tod wie jene Ödnis des Mondes? Es ist gut, dass unsere Toten ein Grab haben, dass wir ihnen Blumen mit hineingeben, dass unsere eigene Hand sie mit Erde bedeckt. Und manchmal hören wir am Grab jene Worte mit dem warmen Klang, die unsere Sehnsucht und Liebe ausdrücken: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund sein voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens (Psalm 126,1+2). [Weiterlesen...]
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Totentanz im Brautkleid
Dienstag, 8. Juli 2008Ein seltsames Museum ist das.
Ich drücke das Portal auf, zahle meinen Obulus, lege Tasche und Mantel in der Garderobe ab. So weit – so gut. Dann betrete ich die Ausstellungshalle und erstarre vor einer Installation. In einem Geviert aus Eisenstangen hat sich die Hülle eines menschlichen Körpers verfangen. Ist es Haut, ist es durchsichtiger Stoff? Nur die Umrisse der Extremitäten sind erkennbar. Eine leere Hülle – das bleibt vom Leben des Menschen übrig, so die Botschaft eines Künstlers, der mir dieses Objekt in den Weg gestellt hat. Dieses Museum ist seltsam. Es zwingt mich schon beim ersten Meter, mich dem Gedanken an den Tod zu stellen. [Weiterlesen...]
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