Der Hauch der Ewigkeit

Von Karl-Otto Scholz | Montag, 4. August 2014

Und ich sah
einen neuen Himmel
und eine neue Erde.

Ist schon klar – das mit dem neuen Himmel und der neuen Erde ist nicht physikalisch gemeint, und eigentlich auch nicht philosophisch. Denn einen neuen Himmel kann es in dieser Schöpfung nicht geben – in dieser nicht. Und was für eine Philosophie sollte das sein, die sich mit etwas beschäftigt, was den Menschen doch nicht mehr interessieren kann, da es ihn doch, den Vertreter der alten Schöpfung darin nicht gibt, nicht geben kann.

Und dennoch reizt der Gedanke – was wäre wenn? Wenn es viele, sehr viele Himmel gäbe – und nicht nur diesen einen neuen, sondern unendlich, unzählbare viele Himmel, deren Fülle uns überfordert, uns so überfordert, dass wir nicht mehr wüssten in welcher Religion wir das fassen sollten. Was wäre also, wenn es nach dieser Welt und diesem Himmel noch eine andere Welt gäbe und einen anderen Himmel? Was wäre, wenn es vor dieser Welt noch eine andere Welt gegeben hat, und noch eine, und noch eine.

Übrigens: das, was wir Ewigkeit nennen, hätte und hat nur einen rein semantischen Sinn, so etwa wie wenn jemand einem anderen den Geschmack eines guten Rotweines beschreiben müsste, der doch noch nie einen getrunken hat. Und der der beschreibt, hat auch noch nie einen getrunken. Und sie wüssten dennoch, dass es das irgendwie geben muss – den Geschmack von Rotwein, weil sonst die Welt keinen richtigen Sinn machte.

Das , was wir Ewigkeit nennen, kennen wir also nur vom Hörensagen von anderen, die das auch noch nicht so beschreiben konnten und dennoch daran festhielten, wie einer der auf der Gefängnisinsel Monte Christo sitzt und steif und fest daran glaubt – es muss einen Weg nach draußen geben, es muss einfach.

Das, was wir Ewigkeit nennen ist, ist nur ein Hauch .. ein Häwwel … so singt es uns der Prediger Samolonis vor. Alles ist eitel! Dabei ist eitel die falsche Übersetzung. Man sucht nach einem anderen Begriff, der das besser beschreibt: alles ist eitel? Nein. Alles ist sinnlos? Das schon gar nicht. Alles ist vergänglich? Nein es geht nicht um die Hinfälligkeit des Seins. Nein – alles ist nur ein ganz zarter Moment der Berührung. Das ist Häwwel. Die Ewigkeit rührt uns an. Da wo sie uns rührt, wird sie existent. Sonst existiert sie nicht. Die Zeit ist nur Widerschein der Berührung, wir versuchen ihr habhaft zu werden im Beschreiben.

Was also wäre wenn es nach dieser Ewigkeit andere Ewigkeiten gäbe. Und welche davor. Und immer so weiter.

Da stehen wir jetzt gerade. Eduard Witten unterrichtet mathematische Physik in Princeton, er ist der mit großem Abstand meistzitierte Autor in Kosmologie und Quantenphysik. Er wird von seinen Kollegen für genialer erachtet als Einstein und Newton. Witten hat die Fehler der Urknall-Theorie und die Fehler der Superstring-Theorie als Sprungbrett für die nächsthöhere Vereinheitlichungstheorie genutzt, die Theorie der Supergravitation, die einen elfdimensionalen Kosmos erforderlich macht. Man nennt sie die M-Theorie die Mutter aller Theorien der Weltentstehung und des Ursprungs von allem.

In dieser Mathematik hat die Welt keinen Anfang und kein Ende mehr, keinen Ausgang und kein erkennbares Ziel. Sie wird immer und immer wieder geboren, wenn sich zwei Schleier der Ewigkeit, vom Wind der Gravitation bewegt, berühren. Alle 100 Billionen Jahre könnte das geschehen. Aber was sind schon 100 Billionen Jahre?

Ist schon klar – das mit der Ewigkeit und dem neuen Äon ist nicht physikalisch gemeint und nicht philosophisch. Es beschreibt eine Zukunft jenseits unseres Nichtseins, von der wir auch nur einen Hauch einer Ahnung haben. Und diese Zukunft ist die Zukunft Gottes. Und diese Zukunft ist auf uns bezogen. Sie rührt uns an, weil wir im Kerker sind. Im Kerker von Monte Christo. Und weil wir jeden Tag ein Ritzzeichen in die Wand machen. Und weil wir unbeirrbar an der Hoffnung festhalten, dass dieses Universum nicht so seelenlos und weit und tief ist, dass es uns nichts angeht. Und auch umgekehrt, dass wir nicht so klein und unbedeutend und mickrig sind, dass ER/SIE nichts mit uns anfangen kann.

Man müsste ein Kloster suchen irgendwo auf einer Klippe am Rande des großen Meeres. Und man müsste sich zur Aufgabe machen, den Klang des Meeres zu hören und zu verstehen. Dann – und nur dann, wenn es uns gelänge, dort auf diesem kahlen Felsen auszuhalten – wenn es uns gelänge, den Gedanken der Nichtigkeit und des Ausgesetztseins zu ertragen – dann hätten wir womöglich einen Bedeutungsfetzen des Wortes „Ewigkeit“ erhascht. Und auch nur weil der Wind es in seiner Gnade gewollt hat, dass uns dieser Fetzen zugeweht ist.

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Migration und Evangelium

Von Karl-Otto Scholz | Samstag, 2. August 2014

Millionen Menschen sind unterwegs. Gezwungenermaßen – oder aus freien Stücken. Menschen, die migrieren, flüchten vor Krieg oder Hunger im Sudan, werden verfolgt im Irak und Syrien. Sie suchen einen neuen Platz zum Existieren und wollen ein neues Leben beginnen. Dafür fahren sie über raue See und landen auf einem Eiland namens Lampedusa. Sie wollen endlich wieder Normalität oder auch ein Stück vom Himmel oder eine Zigarette, wenigstens das.

Wenn man sie sieht als Gestrandete im Grenzdurchgangslager, dann kommen sie nur mit kleinem Koffer voller Habseligkeiten und Erinnerungsstücken, haben aber den Kopf voll mit Melodien ihrer Heimat, sprechen eine andere Sprache, haben Bilder und Träume von anderen Landschaften. Sie wollen möglichst bald ihre Familien um sich herum.

Menschen, die migrieren, sind Gründer, sind Aufbauer, verweben Erinnerungen mit Entdeckungen zu etwas Neuem, passen sich schnell ein, sind manchmal Lückenfüller und Brückenbauer, haben ein hohes Maß an Empathie für alle, die ebenfalls „unterwegs“ sind, und sie denken über die kulturellen Unterschiede nach. Das ist das Schwere: denen müssen sie sich über kurz oder lang  stellen.

Ihre Sehnsucht nach Beheimatung ist eine Sehnsucht nach Frieden. Ihrer Familie soll es wohl ergehen. Was braucht es mehr als ein „Dach über dem Kopf“, Arbeit und Lohnerwerb, verlässlicher Familienplanung. Migranten sehnen sich nach Anerkennung in der umgebenden Gemeinschaft. Und sie beginnen schnell alle Träume zu teilen von dem, was das Leben schön macht.

Religiöse Menschen verbinden den Neuanfang immer auch mit Gott, verstehen sein Handeln als Retten und Bewahren. Wenn man die Bibel querbürstet, dann hört man als Botschaft heraus, dass Menschen, die unterwegs sind, den Urzustand des Menschseins repräsentieren. So wird es beschrieben in den Geschichten über die wandernden Erzväter Abraham, Isaak und Jakob.  Joseph in Ägypten rührt alle Leser zu Tränen des Mitgefühls. Im Schicksal des wandernden Gottesvolkes Israel erkennen sich spätere Generationen wieder. Maria und Joseph – nichts anderes als unterwegs ohne Herberge. Jesus – der von sich als dem Menschensohn sagt, dass er nichts hat, wo er sein Haupt betten könnte. Paulus, der Völkerapostel, der nach einer Odyssee in Rom landet, wo sich seine Spur verliert.

Warum aber dies alles? Weil Gottes Evangelium unterwegs zu den Menschen ist. Weil das Evangelium selbst migriert!

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Warten auf die Domestikation des “IS”?

Von Karl-Otto Scholz | Freitag, 1. August 2014

Der “IS” wie er sich selbst nennt, möchte demnächst nach Mekka marschieren und dort Steine anbetende Muslime verjagen. Eine terroristische Organisation gebärdet sich wie eine gefährliche Seuche. Sie will alles kaputt machen, was sich ihr in den Weg stellt.
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Mikroben danach trachten, ihre befallenen Wirtskörper nicht zu töten, sondern möglichst lange mit ihnen in Koexistenz zu leben.
Vielleicht gilt dies Gesetz auch für menschliche Organisationen. Dann würde sich der “IS” eines Tages mit Mekka und Medina, Damaskus und Bagdad arrangieren und auf Gewaltakte verzichten. Aber wie lange soll die Weltgemeinschaft darauf warten?
Wahrscheinlicher ist, dass es Saudi-Arabien, Persien und der Türkei bald zu bunt wird mit den unangepassten Terroristen und Heißspornen. Eine Militäraktion größeren Ausmaßes kann aber den gesamten Orient in Brand setzen. Ein teuflisches Dilemma.

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Von der Verlassenheit

Von Karl-Otto Scholz | Sonntag, 30. März 2014

Der Alte Fritz, Bodemuseum

Der Alte Fritz, Bodemuseum von christiane wilke

Über den Krieg wird in der Kirche nicht oft gesprochen. Es ist auch kein Thema, dessen man sich herzlich rühmen könnte. Der Krieg kennt in der Regel nur Verlierer. Der Krieg ist ein grausamer Gleichmacher – besser gesagt: der Tod ist es. Was sollte man Gott zu Gehör bringen als die Klage über zu viel Krieg, der das Leben zerstört, die Familien auseinander reißt, verbrannte Erde hinterlässt. Und doch: selbst in Friedenszeiten wie diesen, in denen man sich glücklich schätzen sollte, zu leben, selbst in diesen Zeiten ist es manchmal angebracht, des Krieges zu gedenken, oder besser: des Frieden Haltens. Warum? – Weil die tiefsten menschlichen Gefühle wie Angst und Verlassenheit, Liebe und Solidarität darin hervortreten.

Wenn man von einem der Gründer Preußens erzählt, von Friedrich II. – auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt – dann muss man von seiner Verlassenheit erzählen, von seiner Verlassenheit auf dem Schlachtfeld. In Kunersdorf, einem kleinen Dörfchen im heutigen Polen, war der Krieg, den er vom Zaun gebrochen hatte – mutwillig, übermütig, uneingedenk der vielen Opfer, die er fordern sollte – für Friedrich II. eigentlich verloren. Gegen eine große Übermacht der Österreicher und Russen konnten seine 50.000 Soldaten nichts ausrichten. Am Ende des 12. August 1759 waren ihm 20.000 Mann gefallen oder schwer verwundet, 26.000 Mann waren unter den Attacken der Gegner versprengt und der preußische König hatte nur noch 3000 Mann um sich herum. Er hatte ein ganzes Land in den Ruin getrieben, Menschenleben geopfert und die Krone verspielt – so schien es ihm. Er dachte an Selbstmord und übergab den Oberbefehl an seinen Bruder.
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Europa muss sich neu definieren

Von Karl-Otto Scholz | Dienstag, 25. März 2014

Der Ukraine-Konflikt passt irgendwie nicht in die erwarteten Krisenszenarien der letzten Jahre.  Darum hat es jede moderne (auch christliche) Friedensethik schwer, hier Urteile zu fällen. Es handelt sich nämlich nicht um eine Auseinandersetzung an ethnischer oder kultureller Bruchlinie, denn Russen und Ukrainer sprechen fast dieselbe Sprache, haben lange gemeinsame Geschichte, haben im 2. Weltkrieg Seite an Seite gekämpft. Es ist auch kein Kampf eines reichen Nordstaates gegen einen armen Süd-Underdog, sondern eher ein Abstecken von Einflusssphären, überwiegend einem militärpolitischen Kalkül geschuldet. Russland braucht einen Hafen im Schwarzen Meer, um seine geostrategische Rolle, in der es sich sieht, ausüben zu können. Alle vaterländische Jubelpropaganda täuscht nur darüber hinweg.

Andererseits liegt es auf der Hand, in den politischen Handlungen Präsident Putins einen Reflex auf den Zerfall der Sowjetunion zu sehen. Es ist in der Weltgeschichte kein Einzelfall, dass mit einer Generation Verspätung alte Rechnungen beglichen werden. Aber: ist Putin ein Revanchist? Will er sich für Russland nur zurück holen, was in der kurzen Ägide Michail Gorbatschows verloren ging?
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Schirm über Europa – eine gemeinsame EU-Armee?

Von Karl-Otto Scholz | Samstag, 22. März 2014

Russlands Präsident Putin schafft Fakten auf der Krim, zieht neue Grenzen und fordert die paralysiert wirkenden Westeuropäer heraus. Nun aber erhebt sich eine Stimme, und es scheint sich dabei nicht um billigen Wahlkampf zu handeln: Jean-Claude Juncker, der luxemburgische Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei für das Amt des Kommissionspräsidenten, fordert den Aufbau einer europäischen Armee.

Hinter dieser Forderung verbirgt sich natürlich die Idee einer gänzlich neuen Sicherheitsarchitektur der EU. Die bisher einseitig auf Wirtschaft (und die Rettung des Euro) fokussierte Zweckgemeinschaft bekäme neue Organellen, würde in Außen- und Verteidigungspolitik handlungsfähiger.  Die Attraktion eines Bundesstaates Europa würde womöglich wachsen, was mit einem Machtverlust der bisherigen Platzhirsche Deutschland, Frankreich und Groß Britannien einherginge. Aber das kann den so genannten „Kleinen“ in der EU nur recht sein.

Putin soll mehrfach auf die westliche Zurückweisung seiner Wünsche nach stärkerer Integration Russlands in ein gemeinsames Europa hingewiesen haben. Insofern ist die Annektion der Krim vielleicht auch sein Warnschuss in Richtung Brüssel, in der Sicherheitspolitik Europas  nicht weiter vor sich hin zu wurschteln, sondern Russland stärker zu konsultieren.
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2014 – ein Wiedergänger von 1914?

Von Karl-Otto Scholz | Montag, 17. März 2014

Der Kalender für das Jahr 2014 ist eigentlich voll, und es bedurfte keiner Tagespolitik, die uns die Augen öffnet. So sehr haben uns die Zahlen 1 – 9 – 1 – 4  im Griff. Hundert Jahre ist es her, dass Europas Nationalstaaten zu den Fahnen riefen. Eine gewaltige Kriegseuphorie herrschte in den Straßen der Hauptstädte Berlin und Paris und Rom und Wien. Nur ganz wenige erhoben ihre mahnende Stimme dagegen. Wir wissen, wohin das führte: in die Niederlage des deutschen Kaiserreiches, die Dolchstoßlegenden der paramilitärischen Nationalisten und in den Aufstieg der Nationalsozialisten unter Hitler. Niemals wieder – hat man sich nach 1945 geschworen. Kein Krieg mehr in Europa.

Und nun das. Putin besetzt widerrechtlich die Krim, lässt Wahlen unter massiver Militärpräsenz abhalten, lässt sich von der Mehrheit (war es eine?) bescheinigen, dass die Krim nun zu Russland gehört. Polen und das Baltikum zittern – wieder einmal. Die Ukraine, ein Land in den Geburtswehen ungekannter Freiheit, wird beraubt. Früher wussten wir gar nicht, ob es zwischen Russen und Ukrainern Unterschiede gibt, nun wissen wir es. Und die ehemaligen Waffenbrüder gegen Hitler werden wohl nie mehr vergessen, was nach der Winterolympiade in Sotschi auf der Krim geschah – hier russische Elitetruppen in Kampfausrüstung ohne Hoheitszeichen – dort in ihren Kasernen eingeschlossene ukrainische Rekruten mit veralteten Gewehren. Auf den Fotos sieht man ihre Ohnmacht – sie können einem leidtun.

Manche Kommentatoren  (solche, die auf der Gehaltsliste von GAZPROM stehen) meinen, Europa habe selber Schuld an dem Krim-Debakel, weil es der Ukraine in den Tagen der Janukowitsch-Vertreibung falsche Versprechungen gemacht habe. Andere (vorzugsweise ausgebürgerte Dissidenten Russlands)  halten das Verhalten Putins für irre und fehlgeleitet. Es bedarf keiner Erinnerungsveranstaltungen an den Ausbruch des 1. Weltkrieges mehr. Die Gegenwart hat alles Erinnern eingeholt. Europa fürchtet wieder das Schlimmste.
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Das Tütü-Projekt

Von Karl-Otto Scholz | Dienstag, 24. Dezember 2013

Das Tütü-Projekt

Ein Mann – fast nackt – in einem Tütü. Füllig um die Hüften, nicht mehr der Jüngste
Lächerlich. Er macht sich zum Affen.

Ein Mann im „rosa“ Tütü. Auch das noch.

Er springt aus einem kleinen Boot ins Meer. Er steht andächtig vor Präsident Lincolns Denkmal im Lincoln Memorial in Washington. Er sitzt am Ufer eines Sees. Er läuft durch ein grünes Weizenfeld auf einen Regenbogen zu. Die Bilder, die man von diesem Mann im Tütü gemacht hat, sind nachdenkliche Bilder. Und das Schmunzeln über diesen verrückten Mann verschwindet mit der Zeit. Warum macht er das? Er heißt übrigens Bob. Und sie kennen ihn alle wahrscheinlich aus einem Werbespot der Deutschen Telekom.

Warum macht Bob das? Er tut dies für Linda, seine Frau. So erfahren wir im Film über ihn und sein „Tütü-Projekt“. Man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll: er tut es, damit seine Frau, die brustkrebskrank ist, wieder lachen kann. Und viele andere Frauen, die in gleicher Weise erkrankt sind.
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Demokratisierungsschub oder Abgleiten in die Cyber-Diktatur?

Von Karl-Otto Scholz | Freitag, 22. November 2013

Im Kino läuft gerade “Tribute von Panem 2″. Es ist die erschreckende Zukunftsvision einer totalitären Welt, in der das Einzelschicksal nichts mehr zählt. Kameras überwachen alles. Gesichtslose Soldatenmarionetten drangsalieren verarmte Menschen. In gewaltigen Arenen (das alte Rom blitzt durch alle Kulissen) hetzt man Kämpfer aufeinander, bevorzugt solche, die eines Aufstands verdächtig sind. Interessant zu sehen, wie Hollywood immer wieder die Zukunft Amerikas extrapoliert. Warum aber ist diese Zukunft so düster? Wovor hat dieses starke, große Amerika so viel Angst? Ist es womöglich die Furcht vor der eigenen innewohnenden Kraft zur Destruktion?  Sinner and Saint – weiß es darum, dass der Weg offen ist, hier zur freien Gesellschaft, dort zur Diktatur?

Eric Schmidt, einer der führenden Leute bei GOOGLE, sprach am Mittwoch in einer Lecture an der Johns Hopkins Universität in Washington D.C. über die Zukunft des Internet. In zehn Jahre erwarte er dank fortgeschrittener Verschlüsselungstechnik einen Demokratisierungsschub für die Welt. Jeder gewöhnliche Internetnutzer könne sich dann so verschlüsseln und unsichtbar machen, dass selbst die NSA sich die Zähne ausbeißt. Was aber, wenn der deutsche, englische oder US-amerikanische Staat die Herausgabe der Schlüsselsequenzen verlangt?
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Es hat sich etwas angestaut

Von Karl-Otto Scholz | Freitag, 8. November 2013

Es hat sich etwas angestaut. Anders lassen sich die erschreckenden Zahlen nicht deuten:

Die Tagesschau berichtet: “In Köln kehrten im Oktober 571 Menschen der Kirche den Rücken. Das sei ein Spitzenwert in den vergangenen Jahren, sagte der Sprecher des Amtsgerichts, Marcus Strunk. Auch die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche stieg um knapp 80 Prozent auf 228.”

Dass eine Weltanschauungssache wie der persönliche Glaube an Gott und die Lehren Jesu mit Gebäuden, Funktionären und Budgets zusammenhänge – das erschließt sich im Augenblick nicht mehr allen. Da kommt der “Fall Limburg”, der unterschwellige Ressentiments zu bedienen scheint, gerade recht, das konfessionelle Weite zu suchen.

“Kirche ist reich. Kirche macht Brimborium. Kirche lässt sich nicht in die Karten schauen. Kirche herrscht hierarchisch. Kirche ist korrupt.” – Alle Klischées kommen in der öffentlichen Diskussion vor, trotz Papst Franziskus, der persönliche Bescheidenheit predigt und vorlebt.
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