Bundesverdienstkreuz für Felicia Langer – eine Belastung für das deutsch-israelische Verhältnis?

Die in Tübingen lebende jüdische Rechtsanwältin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Felicia Langer erhielt am 17. Juli aus den Händen von Staatssekretär Hubert Wicker das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Wicker betonte, Frau Langer habe sich „für die Wahrung der Menschenrechte“ eingesetzt. Beharrlich verfolge sie dabei ihr Ziel, „eine Brücke zwischen Israelis und Palästinensern zu bauen“.

Ob ihr das gelingen könne, ja ob sie denn die Ehrung der Bundesrepublik Deutschland überhaupt verdient habe, ist zumindest umstritten. Heftigste Kritik an der Verleihung des Verdienstordens übte Ralph Giordano. Niemand habe in den letzten 25 Jahren mit einer an Blindheit grenzenden Einseitigkeit Israel mehr geschadet als sie. Sie sei „schrillste Anti-Israel-Fanfare in Deutschland“.Sie betreibe eine „notorischen Täuschung ihres Publikums über Totalität und Kausalität des Nahostkonflikts“.

Harter Tobak von Ralph Giordano, doch er steht mit seiner Kritik nicht allein. N-TV meldet, ein ebenso geehrter israelischer Reiseführer, Motke Schomrat, wolle demonstrativ sein Bundesverdienstkreuz bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv zurückgeben. Eben solches plane auch Deidre Berger, Direktorin der Vertretung des American Jewish Committee in Berlin.

Wie es scheint, wächst sich die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer zu einem handfesten Skandal aus. Sie selbst gibt auf ihrer Homepage über ihr Leben Auskunft: vor den Nazis aus Polen geflohene Jüdin, emigrierte sie zusammen mit ihrem Mann 1949 nach Israel. Dort studierte sie Jura, wurde Rechtsanwältin und vertrat seit 1965 besonders „Unterpriviligierte“. Nach dem Sechstagekrieg 1967 wandte sie sich den Anliegen der Palästinenser zu und verteidigte vor Gericht besonders auch solche, die als Terroristen angeklagt waren.  Aus diesen Jahren zunehmender politischer Aktivität und Parteiergreifung für die Sache der in ihren Augen entrechteten Palästinenser entstanden eine Reihe von Büchern, die in der ganzen Welt verlegt worden sind.“With my own eyes“ (Mit eigenen Augen, 1974), “These are my brothers” (Diese sind meine Brüder, 1979), “From my diary” (1980), “The story written by the people” (1981), “An age of stone” (Die Zeit der Steine, 1988). Aber – für dieses Engagement zahlte sie selbst einen Preis, sie fühlte sich in Israel und besonders in seinem Justizsystem nicht mehr zuhause, wanderte aus und kam 1990 nach Deutschland. Zeitgleich erhielt sie den Alternativen Nobelpreis. Den hatten nach ihr zum Beispiel Astrid Lindgren und Rachel Avnery erhalten, die 1993 zusammen mit ihrem Mann Uri Avnery die israelische Friedensinitiative Gusch Schalom gegründet hatte.

Ihre innerjüdischen Kritiker mutmaßen jedoch, sie mache sich mit dem Anliegen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad gemein, kämpfe gegen den Staat Israel, ja sei eine notorische Israel-Hasserin. Der Korrespondent der Jerusalem Post schreibt über sie: „Langer vergleicht Israel regelmäßig mit dem Apartheid-Südafrika und pries die antisemitische Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad auf der Durban II-Konferenz zu Rassismus in Genf. Zur Auszeichnung und ihrem Vergleich zwischen Israel und der südafrikanischen Apartheid gefragt, sagte sie der Jerusalem Post, dass das Bundesverdienstkreuz eine „Anerkennung meines Werkes“ ist und: „Was Israel in den besetzten Gebieten praktiziert, ist Apartheid.“ – Zitat Ende.

Deutschlands jüdische Gemeinschaft jedenfalls kritisiert vehement Langers prestigeträchtige Auszeichnung. Dr. Dieter Graumann, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, konnte die Entscheidung der deutschen Regierung nicht nachvollziehen:“Damit wird erstmals eine aggressive Hetze gegen den jüdischen Staat nun auf einmal von Staats wegen in Deutschland prämiiert – ist das wirklich beabsichtigt?“

Es scheint, als sei der Streit noch nicht ausgestanden. Er zeigt, dass die Haltung der deutschen Regierung dringend einer Präzisierung im Verhältnis zu Israel bedarf. Die außenpolitischen Signale der Merkel-Regierung und des Bundespräsidialamtes werden im Augenblick in Israel nicht verstanden. Ist es eine Folge des in Deutschland beginnenden Wahlkampfes? Hat der SPD-Außenminister, der zur Zeit Urlaub macht, sein Ministerium nicht im Griff, oder sprechen in diesem Fall die SPD und die CDU unterschiedliche Sprachen?

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